Die Laufgeschichte zur Nacht

Da bin ich also, Samstag kurz nach 16:00 Uhr und hole meinen Laufkumpel Christian aka @_trailtiger zu Hause ab und wir fahren gemeinsam nach Köln um im Rahmen des Ultralaufs Rund um Köln, dem „Kölnpfad„,  nicht die 171Km oder die 110Km, sondern den kürzesten Wettbewerb die „Kölsche Naachschicht“ zu laufen. Das Besondere dabei: unser Start ist an einem der mittleren Verpflegungspunkte abends um 20:00 Uhr. Die beiden Veranstalter Thomas und Tom tun alles, das wir uns alle wohlfühlen. Bis auf das Wetter: es sollte um 16:00 Uhr aufhören zu regnen, es sollte um 17:00 Uhr aufhören zu regen, aber sicher um 18:00 Uhr. Es hat zum Start zu 20:00 Uhr nicht aufgehört.

Um 19:50 Uhr bekamen wir nach Shuttlebusverbringung vom Ziel zu VP7 eine kleine Einführung und dann ging es mit Countdown Zählerei pünktlich los.

Der Trailtiger und ich liefen aufgescheucht wie Wildpferde zu schnell los, hatten aber beide gute Beine und wir pendelten uns langsam ein.

Wir haben jetzt den zweiten Ultra zusammen gefinisht. Es ist schön, wenn der Team Spirit so stimmt.

Nach etwa 10km fing mein Magen schon an zu rebellieren. Hunger hatte er. Trotz diverser Nutella Stullen noch Stunden vorher. Ein Gel half weiter. Ein böses Omen?

Keine besonderen Vorkommnisse am ersten Vp nach 22,5km.

Dann ca. bei km 25 knicke ich mit dem rechten Fuß um. Schmerz durchzieht meinen Fuß. Mein Kopf macht sich in Automatik Manier sofort daran, alles blöde zu finden und rum zu zetern. Wir gehen ein Stück weit, dann trabe ich wieder an. Alles so lala.

Bei km 30 hau ich mit dem selben Fuß auf eine Wurzel. Der Schmerz fährt Achterbahn. Spätestens jetzt finde ich ehrlich gesagt alles schXXXe. Falle in ein Loch, fange an zu schweigen. Das ich aussteigen will, verschweige ich. Ein guter Partner merkt schnell, wenn etwas nicht stimmt und so päppelt mich Christian wieder auf. Ich solle meine Musik hören die extra dabei habe. Na gut… Die Bässe hauen in den Schädel und bringen mich auf andere Gedanken. Der VP bei 43 km ist meine Insel und Rettung. Alles auffüllen und runterkommen.

Die Nacht bricht an. Wir laufen durch größere und kleinere Wälder. Die Luft ist zum Schneiden feucht. Unsere Klamotten triefen, sie können nichts an die Umwelt weiter geben. Kein Wind, 100% Luftfeuchte, keine Ablenkung. Nur der Spot meiner Kopflampe tanzt vor mir. Das mag ich so sehr. Ich bin dann mit mir im reinen. In diesem Rennen allerdings müssen wir immer wieder anhalten und uns orientieren. Den Track zwar auf Uhr, Handy und Tracker, finden wir im Dunkeln doch nicht immer den Weg und verzetteln uns. Das zerrt an den Nerven. Und wir müssen auf den höchsten Punkt des Kölner Umlandes: den Monte Troodelöh. Nichts wildes mit 118hm, da wir aber nichts sehen außer Nebel und Bäumen haben wir kein Gefühl dafür wann und wo der höchste Punkt erreicht ist. Christian motiviert immer wieder: das genau dieser Anstieg der letzte ist. Ich maule: „Das erzählst Du seit dem ich dich abgeholt habe.“ Wir lachen.

Apropos lachen: wir schweigen diese Nacht viel, reden aber auch eine Menge Blödsinn und lassen uns dazu verleiten ein Stück weit albern zu sein. Damit unterhalten wir nicht nur den nächsten Vp sondern auch Läufer die auf uns auflaufen. Ob sie wollen oder nicht. Aus einem Waldstück kommend, leuchtet ein offenes Gebäude. Bei näherem Hinsehen ist es eine Milch Tankstelle von einem Bauern. Das muss ich mir näher ansehen. Man kann dort leere Flaschen kaufen und die dann mit Milch auffüllen oder sich mit Kakaopulver gefüllt einen Kakao mixen. Das will ich. Jetzt und hier und auf der Stelle. Wer weiß, wie eiskalter Kakao mit einer guten 3,8%igen Milch schmecken kann, wird mir zustimmen. Dieser Genuß. Der Hammer! Ich fülle mir den Kakao in die leere Hardflask. Wir albern wieder rum: Beim nächsten VP habe ich Butter oder Quark in der Flasche.

Da ich aber nicht einschätzen kann, wie sich kalter Kakao und Ultra laufen verhält, trinke ich nicht weiter. Aber für diese drei großen Schlücke hat sich das alles gelohnt. 🙂

Am nächsten VP 10 tausche ich Kakao wieder gegen Apfelschorle.

In der nächsten Zeit passiert eigentlich RRRRUMS, da liegen ich schon. Eine Kante übersehe ich, bleibe mit meinem Lieblingsfuß hängen und liegen, mit meinen mittlerweile Iso-, Cola- und Apfelschorlenhänden sammle ich Split. Ich sehe übel aus. Ich schaue an mir runter, mein Knie blutet und sifft langsam meine Stulpe voll. 10km vor dem Ziel soll es einen Wasserpunkt geben, an dem wir mein Knie versorgen könnten. Christian ärgert sich, das er den Sturz nicht gefilmt hat, er hätte super ausgesehen. Kann man dem Vogel böse sein?

Wir laufen also weiter. Das Knie tut zum Glück nicht weh und wir kommen gut voran. Mal laufe ich voraus, mal Christian.

Mein Kopf fängt wieder an alles blöd zu finden und ich fokussiere mich auf die Wasserstelle. Voll und ganz. Das ist jetzt mein Ziel. Bis dahin muss ich mich zusammenreißen.

Wir kommen an die Wasserstelle. Nichts. Gar Nichts. Njente. Nothing. Kein Wasser. Ich breche kurzfristig zusammen. Ich hatte mich so darauf gefreut. Und jetzt das hier. Ich bin geladen. Wir gehen ein Stück, hören wir Musik, verzetteln uns im Wald immer wieder. Christian und ich laufen aktuell auf „Frust“ Betrieb. Die Wälder hören nicht auf. Ich kann mich nicht mal an der einsetzenden Helligkeit erfreuen.

Wir laufen an Eisenbahnschienen vorbei und am Ende dieses Weges sehen wir endlich mit Kreide aufgezeichnete Lebenszeichen Richtung Ziel. Wir laufen an einer Straße vorbei, müssen nochmal über ein Feld und ich schreie heraus was wir beide denken: “ Ich hasse Bäume! Ich kann sie nicht mehr sehen!!“ Schieb leise nach das es nur für heute sei. Wir beide lachen und flachsen herum zuhause in Beton und Mörtel baden zu wollen. Christian umarmt wenig später liebevoll ein Trafohäuschen aus Beton.

Etwa 500m vor dem Ziel hat sich der Veranstalter noch ein Leckerbissen für die Teilnehmer ausgedacht: Wald! Ein schöner kleiner dunkler Stadtwald…

Aus dem Wald heraus müssen wir nur noch die Straße kreuzen. Wir „hahnern“ uns ins Ziel. Applaus von den vielen hunderttausend anwesenden Fans. Nicht. Es klatschen die, die noch können oder wollen. Wir klatschen uns ab, belobhudeln uns, stieren etwas ins Leere.

Die Dusche auf dem Gelände ist das Größte. Warmes Wasser ohne Timer Abschaltung rieselt einfach auf meinen Rücken. Minutenlang…

Wir verabschieden uns als bald von den lieben Menschen dort, die jedeN mit einem Lächeln ins Ziel gelächelt haben.

Ich bringe Christian wieder nach Hause,  wir umarmen uns kurz, sind beide platt. Ab geht es nach Hause.

Epilog:

Mit Christian dem @_trailtiger habe ich jemanden gefunden, mit dem ich einfach gut kann. Das wird sicher nicht der letzte Lauf gewesen sein.

Ich kann weit und ich bin zäh. Vielleicht kann ich auch noch weiter. Aber nicht hier, nicht heute. Ich genieße das gute Gefühl etwas grandioses geleistet zu haben und spiele mit der Medaille aus Porzellan. Eine aus Holz hätte ich wohl verweigert.

Jetzt bestelle ich erst mal eine Notfallbimmel fürs Klo falls ich nicht mehr hoch komme. Sicher ist sicher…

METm Mein Erlebnis Treppenmarathon

Worauf hatte ich mich da wieder eingelassen? Es soll in Radebeul bei Dresden einen Weinberg geben, durch die eine 397 stufige Treppe, die sog. Spitzhaustreppe, führt. Das war´s auch schon mit der Idylle. Denn es soll in Radebeul bei Dresden auch einmal im Jahr einer der härtesten Treppenlaufveranstaltungen weltweit geben. Einzeltäter wagen sich über 24h dann daran diese Treppe mit zwei Wendepunkten so häufig wie möglich zu gehen, mindestens aber 100x um die Höhe des Mt. Everests zu erreichen. Daher die eigentliche Abkürzung METM: Mt. Everest Treppenmarathon. Einsteiger wagen sich als Dreierteam, einer sog. Seilschaft, an die 100 Runden und versuchen diese in möglichst wenig Zeit, aber maximal 16h zu meistern. 

Das klang ja alles so herrlich bekloppt, das es nur 2 weitere Wahnsinnige zu suchen gab, um sich dort anzumelden. Schnell wurden via Twitter Daniel @Endurange und André @AndreNO auf diesen Spaß aufmerksam und beide bekannt als schnelle Finger wenn es sich ums Anmelden dreht. Sie machten mit!

So gingen die Tage ins Land, unsere Seilschaft stand und brauchte nur noch einen Teamnamen – angsteinflößend für den Gegner sollte er sein, Feuer und Leidenschaft suggieren. Absolute Hingabe für das Einzige  im Leben darstellen und so ward die Kuchencrew modern #KCHNCRW geboren.

Um mich auf den Wettkampf vorzubereiten war ich immer mal wieder mit oder ohne meiner mega guten Freundin Jessi in Herten, wo  auf die Halde Hoheward eine Treppe mit 525 unterschiedlich hohen Stufen führt, die wir einmal sogar 22x bewältigten. Das  sollte doch etwas heißen!

Dann war es endlich so weit! Tag X gekommen.

Samstag Mittag fuhr ich also ca. 500km nach Radebeul um mich mit vielen lieben anderen Verrückten u.a. dem #TWITTERWÜRFEL Team mit Tim @TriTimtation, Patrick @sportingmunich und Ralf @Ribbscher, dem geistig seelischen Support von Susi @mousegezeichnet, Karen @firlefuchs und dem Sascha @trailrunnersdog zu treffen. Zu Gast waren ebenfalls Corinna @corinnarent und Kersten @TrailrunningimNorden, der gerade braun gebrannt vom Marathon des Sables zurück gekommen war. Wir machten es uns in einem 250m³ großen gewärmten Zelt mit 20 weiteren Teams mehr oder minder gemütlich und warteten auf die Dinge die da so kamen. 

Erstes Highlight: Da der Start für die Seilschaften um 00:00 Uhr angesetzt war, begann das Briefing durch den Veranstalter Ulf Kühne @gpway um 23:00 Uhr mit dem persönlichen Aufrufen und einschreiben. Wie bei der Tour de France, dachte ich mir.

Zweites Highlight: unsere Taktikbesprechung! Daniel, André und ich waren uns schnell einig, das wir keine Taktik hatten und so wollten wir das Rennen angehen. Jeder sollte eine Runde laufen in der Reihenfolge Daniel, André, Christian und durch die Rennerfahrung sollten wir dann auch irgendwann heraus bekommen, wann wir uns zu unserem Staffelwechsel vor dem Manschaftszelt einfinden müssten.

Um 00.00 Uhr startete Ulf mit einem Pistolenschuss das Rennen am oberen Ende Spitzhaustrepee für die Seilschaften. Daniel machte sich auf die erste Runde, fluchte über die unübersichtliche Streckenausleuchtung, übergab an André, der widerum über die unübersichtliche Streckenausleuchtung fluchte und den imaginären Staffelstab an mich übergab. Vorteil der beiden war, das sie schon einmal im hellen hier waren, die Gegebenheiten ansatzweise kannten und somit wussten das es sicher immer wieder um 7 Stufen mit unterschiedlich kleinen Zwischenplateaus handelte. Ich wusste von alledem außer den Infos aus dem Internet nichts und so machte auch ich mich auf die erste Runde. Zögerlich nahm ich Fahrt auf, schon „knallte“ der erste Wahnsinnige an mir vorbei, zwei oder drei Stufen nehmend. Ungeheuerlich!! 

Ich fluchte über die unübersichtliche Streckenausleuchtung. Hell/ Dunkel war schwer zu erahnen, Schatten der anderen Teilnehmer irritierten mich. Am Ende der Treppe ging es noch ca. 200m ein leichtes Gefälle um einen Wendepunkt und dann die leichte Steigung zur Treppe. 397 Stufen aufwärts, Übergabe an Daniel. Ich pumpte. Das sollte ich also insgesamt 33x machen. Worauf hatte ich mich da wieder eingelassen.

Zurück im Zelt ein reges Gewusel. Teilnehmer der Manschaften, berichteten, berieten und erklärten sich. André und ich warteten auf Daniel und nach und nach ergab sich eine Wartezeit von ca. 17 min, um in einer Decke gekuschelt im schneidigen 3 Grad kalten sächsischem Wind zu stehen um auf seinen Kameraden zu warten. Und schon waren die ersten drei Runden gemacht…

Warum auch immer, hatte ich endlich einmal genug Laufsachen und Buffs mit um mich gegen Wind, Kälte, auskühlen und Frustration zu schützen. Und so wechselte ich immer mal wieder meine Sachen, kombinierte neu, hing Anderes zum Trocken auf. Das Zelt glich einer riesigen Wäschekiste. Überall Menschen, auf Liegen, Campingstühlen, umziehend, trocknend, fluchend, lachend.

Womit wohl keiner von uns geplant hatte, war die Anspannung und das Adrenalin innerhalb der 17 min oben zu halten. Zusätzlich durfte man nicht auskühlen, andererseits, lief einem der Schweiß nicht nur den Rücken herunter. Der Kopf hatte freie Bahn über den Blödsinn zu sinnieren.

Und dann musste man auch schon wieder ran. Einmal Treppe bitte….

Gegen 04:00 Uhr zog dann noch ein weiterer Gast in unser Zelt und machte sich mehr als breit: Die Müdigkeit. Keiner von uns war darauf eingestellt, doch im excellent sortierten Versorgungszelt standen die Thermoskannen mit Kaffee parat und man bekam zu Milch und Zucker auch so manch liebes Wort der BetreuerInnen. Gut für die Seele.

Eines meiner wirklichen Highlights des METM Wochenendes war das erste Vogelgzwitscher gegen 04:45 Uhr als ich wieder einmal eine Runde „drehte“. Wie schön das war… Ein Zeichen dafür, daß der Tiefpunkt durchstanden war und der Tag nicht mehr so lange auf sich warten ließ. In der nächsten dann ein zehnstimmiger Chor und die erste Dämmerung. Klasse so konnte es weitergehen.

Wir drehten Runde um Runde, wärmten uns, motivierten uns, froren, aßen und tranken gemeinsam. Und es hörte einfach nicht auf…

Vermutlich gegen 10Uhr dann wieder einmal eines meiner kleinen persönlichen Erlebnisse: Auf dem Weg nach unten schaut man in ein beinahe romantisches Tal mit einem Dörflein. Und durch dieses Dorf fuhr zu meinem Erstaunen eine rauchende und pfeifende Dampfeisenbahn. Ein wirklich toller Moment, den ich gleich mit der lieben Corinna im Kuchenzelt teilen musste.

Übrigens sagt man der Bretagne nach, das man alle vier Jahreszeiten an einem Tag erleben kann. Das kann man auch von Radebeul behaupten, innerhalb weniger Minuten konnte sich die wärmende Sonne mit Starkböen und Hagelschauer abwechseln. Man wurde quasi sandgestrahlt. Und man war wieder nass. Und es hörte nicht auf…

Vermutlich gegen 12:00 Uhr ging dann meine persönliche Sonne auf. Isabell @laufspatz und ihr Mann waren plötzlich aufgetaucht um nach dem Rechten zu sehen. Isa, die ich in Rodgau auf ihrer letzten Runde begleitet hatte, supportete jetzt uns. Ein wirklich feiner Zug von ihr.

Da das Rennen aus 100 Runden besteht, muss einer der Teilnehmer 1 Runde mehr laufen (33+33+34=100) und da weder André noch Daniel in der Laune (Verfassung) waren dieses zu tun habe ich mich „bereit“ erklärt. So gingen erst Daniel, dann André auf ihre letzte Runde und man sah ihnen ihr Glück an, es geschafft zu haben. Dann waren meine letzten Zwei Runden dran. Es hieß weiter Tempo aufrecht erhalten, die nächst Platzierten hingen uns schon die letzten Stunden/ Runden im Nacken. Und wieder schoss der Graupel ins Gesicht. Mit nasser Brille, immer eine Hand am Geländer lief ich meine zweitletzte Runde und kämpfte mich hoch zum Wendepunkt. Dann kam sie: meine letzte Runde. Nein ich habe sie nicht wirklich genossen, ich war müde, lustlos, bedankte mich aber trotzdem herzlich und per Handschlag bei den THWlern am Wendepunkt, die die ganze Nacht dort ausharrten und zum Glück nichts zu tun hatten.

Am Anfang der Treppe sitzt das „Treppenmaskottchen“ Clara, ein Mädel welches dort wohnt und seit jeher und ein kleines Sträußchen und die Medaillen an die Teilnehmer verteilt, die es geschafft haben. Ich bekam lobende Worte und ein Lächeln. Es ist wirklich alles so liebevoll in diesem Rennen arrangiert.

Mit meinen Sträußchen und drei Medaillen um den Hals klimperte ich wie eine Almkuh die Steigung hoch und oben nahmen mich applaudierend meine zwei KCHNCRW Buddies in Empfang. Wir liefen gemeinsam ins Ziel und waren stolz und glücklich. Und k.o. Und stolz. Und Glücklich. Gemeinsam hatten wir es geschafft. Nach 14h 18min waren wir am Ziel und hatten die Höhe des Mt. Everests erklommen. Die ganzen Gefühle und Bilder werden wohl noch einige Zeit in meinem Kopf umher schwirren.

Umgezogen verabschiedete ich mich von meinen Jungs und setzte mich gegen 15:00 Uhr wieder ins Auto um die 500km heim zu fahren. Sehnlichst erwartet von Nina, meiner Frau und meinem Bett :-).

 

Was bleibt zu sagen: Wer sich mal auf etwas Dummes einlassen will, ist beim METM bestens aufgehoben, Top Orga und grandioses Wetter machen die Veranstaltung aus. Vielen Dank an alle die da waren, die ich vergessen habe zu erwähnen, die applaudiert, angefeuert und supportet haben. Danke Ulf und Maty!! Und besonderen Dank an Euch beide: André und Daniel!! Das nimmt uns keiner mehr. Egal wie das Leben wird, dieses Abenteuer bleibt in unseren Herzen. Und die alle „#bekloppt Messlatte“ haben wir drei wieder ein bisschen höher geschraubt.

Ich geh mal grinsen!

 

Der grausame Eulenkopflauf

Nachdem mich ein belgischer Laufveranstalter verärgert und ich meinen Start zurück gezogen hatte, musste natürlich Frustrationsbewältigung betrieben werden. Der heiße Tipp kam von Crewmitglied Thomas @lennetaler beim „grausamen Eulenkopflauf„, einem Freundschaftslauf rund um Wuppertal mitzumachen. Trailige Strecke, 42km lang, 900hm. Also ratzefatze angemeldet und den Kopf damit beschäftigt, was denn wohl einen sog. Freundschaftslauf ausmachen würde.

Ok. Keine Startnummer, keine Zeitmessung aber gemeinschaftliches Laufen. Gemeinschaftlich? Es gibt also eine kollektive Geschwindigkeit, die einzuhalten ist. Hmm… Wie schnell oder langsam mag die sein? Komme ich da mit, bin ich etwa zu schlecht, zu langsam? Bin ich Ballast und alle warten? Das setzte mir zu. Mein Kopf hatte also die Möglichkeit zu grübeln. Thomas machte mir Mut…

Zum Glück kam alles anders. Der Veranstalter nennt seinen Lauf oberdramatisch grausam. Mit einem großen Augenzwinkern. Denn auf der Homepage gibt es die grausame Ausschreibung, die grausame Anfahrt, den grausamen Kontakt…

So starteten am Laufsonntag der o.g. Thomas, Laufkumpel Jens @jtinline und ich Richtung Wuppertal um uns den Kopf freizupusten und mal wieder gemeinsam zu laufen.

Die Orga war toll: unsere Wechselsachen wurden in einem Raum eingeschlossen und das angrenzende Ganzjahresfreibad mit wohligen 30 Grad Wassertemperatur (gespeist mit Abwärme der anliegenden Müllverbrennungsanlage) durften wir abschließend nutzen. Es gab mehrere Streckenguides in Laufschuhen und Mountainbikes die auf ihre Herde aufpassten so das die Chance verloren zu gehen relativ gering war.

Punkt 10:00 Uhr ging es los, rauf und runter auf Straßen und Wegen. Von Trail war wenig zu sehen und zu spüren. Dafür ein Highlight: Wir liefen über eine öffentliche Fußgängerbrücke des Wuppertaler Zoos und hatten das Glück einen Tiger zu sehen. Ich glaube er sah in uns eher eine Reihe bunter Gummibärchen die man stapeln und vernaschen könnte… Weiter ging es.

Dann sah ich das allererste Mal in freier Wildbahn eine zutiefst seltene Schwebebahn. Das war großartig. Schon als Kind wollte ich einmal nach Wuppertal fahren und einmal Schwebebahn fahren. Einfach so. Jetzt sah ich also sogar drei der neuen hellblauen Wagen. Sehr schön!!

Es gab immer wieder Engstellen und Verpflegungspunkte mit Blechkuchen, heißem Zitronentee und angeblich einer Flasche Amaretto (was ich weit von mir weise) wo  dann die Gruppe wieder zusammen geführt wurde, so das die etwas Langsameren wieder aufschließen konnten.

Bei Km21 stießen dann die Halbmarathonis zu uns. Mit Fahrgemeinschaften und einem Shuttlebus wurden sie zum ausgemachten Treffpunkt gebracht und klatschten uns Eintreffenden fröhlich zu. So wurde die Gruppe größer und wurde auf den jetzt kommenden wirklich wunderbaren Naturpassagen wie eine Perlenschnur auseinandergezogen. Die Guides passten auf das alles glatt ging.

Unterwegs sprach man mal hier ein Wort und da ein Wort mit mir Fremden und Bekannten. Irgend jemand nannte die Veranstaltung einen „hektischen Sonntagspaziergang“. Das Tempo war ok, von Spaziergang möchte ich aber Abstand nehmen.

Der aller letzte Anstieg zum Ziel am Freibad hatte es nochmals grausam in sich. Wer laufen wollte, lief, wer gehen wollte ging. Mit einer schwarzweiß karierten Fahne und einem Tröööt aus einer Gashupe wurden wir empfangen. Teilnehmer klatschten und sich ab, der Chefguide gratulierte allen per Handschlag. Tolle Geste!!!! Und das alles für unglaubliche 12 EUR. Dieses Herzblut findet man auf keiner großen Veranstaltung. Für die 99 EUR in Berlin hätte ich 8,25 Läufe dieser Art machen können. Aber man lernt ja nie aus.

 

Epilog:

So liebe Leserschaft Das war es wohl, mein Laufjahr 2016. Mega erfolgreich und eigentlich nicht zu toppen. Vielen Dank fürs Lesen, kritisieren und loben, für die Zeit und Aufmerksamkeit. Passt auf Euch auf euch auf lebt jeden Tag. Ich für meinen Teil werde es 2017 mal etwas ruhiger angehen lassen. Am 08. Januar geht’s los…

 

Berlin laufen und sterben

…schreibt…

…löscht.

…schreibt…

…löscht wieder.

…schreibt anders…

löscht.

starrt Löcher in die Luft…

schreibt folgendes:

Was ist zwischen 2015 und 2016 mit mir oder ohne mich passiert? Darüber grübele ich die ganze Zeit. 2015 die Chance auf den Marathon in Berlin, Trainingsfleiß, 11 Tage vor dem Start der Muskelfaserriss, offizielle Rückgabe des Startplatzes, Tränen und Wut. 2016 die erneute Möglichkeit ohne Auslosung der Teilnahme. Aber ohne Lust. Nicht ausgebrannt, aber die Flamme, das Feuer für den Berlin Marathon scheint irgend jemand oder irgendwas eingedämmt zu haben, so das nur ein Teelicht übrig geblieben ist. Also der Versuch ohne Trainingsplan. Einfach frei raus, Marathon ginge immer, sagen die Ultras. Bin Ich einer? Nein, bestimmt nicht. 3x dieses Jahr jenseits der 42 km unterwegs gewesen zu sein macht aus mir noch keinen harten Kerl. Mein Berlin Marathon Highlight ist die Pasta Party des #twitterlauftreffs und einige der Livebands auf der Strecke. Die Party auf einem Balkon, die die ganze Straße mit Boxentürmen beschallt haben und Peter Fox spielten als ich vorbei kam. Und doch: Spaß? Euphorie? Fehlanzeige.

Leere. Vielleicht auch weil ab km 13 alles nervte: die Masse der Läufer, die lt. Berliner Morgenpost beschriebenen 1.000.000 Plastikbecher auf den Straßen, die penetrante Werbung an allen Ecken und Enden, die persönliche Abholung der Startnummer – ein Geniestreich der Tourismusindustrie, die übervolle Messe.

Die Zeit die ich mit allen möglichen Menschen verbracht habe sind einzelne Highlights, Goldsplitter im dreckigen Schürfsand… Die Anfeuerungen der Menschen die meinen Namen schrien, obwohl sie mich nicht kannten: Balsam für die Seele.

Und doch: Berlin, ich habe mit Dir abgeschlossen. Vielleicht habe ich es mir anders vorgestellt, vielleicht die Hoffnung einmal im Leben den Marathonmegakracher zu erleben zu können zu groß gewählt, enttäuscht vom Event, von mir, wer weiß.

Nein ich bin nicht niedergeschlagen, ich freue mich wirklich über diese fette Medaille die jetzt neben den Anderen hängt und einfach etwas größer und wuchtiger ist. Ich strahle wenn ich mein Finisher T-Shirt anhabe, weil ich weiß was ich geleistet habe. 42,195km sind immer noch kein „Pappenstiel“, nur wenige Menschen schaffen so etwas…

Somit trete ich mehr genussvoll die letzte Glut des ehemaligen Feuers aus. Wie das olympische Feuer welches verlischt, verlischt auch bei mir das Feuer für Berlin. Vielleicht bin ich ein anderer Mensch geworden, vielleicht habe ich mir falsche Vorstellungen gemacht. Vielleicht freue mich 2017 beim Start der TV Übertragung, das Ding 2016 gerockt zu haben, vielleicht lösche ich diesen Text auch irgendwann, wer weiß das schon.

 

Und jetzt melde ich mich irgendwo an 🙂

 

 

 

 

Aus! Aus! Aus! Der ZUT ist aus!!

Sich im Kopf von etwas zu lösen ist meist leichter als es zu verkünden. Und so sitze ich jetzt doch hier mit einem Kloß im Hals und versuche zu schreiben bzw. zu verarbeiten was eben noch so klar schien.

Am 24.04. habe ich erfolgreich meinen dritten Hermannslauf bestritten, mir allerdings bei km 20 von 31 den linken Fuß lädiert. Umkehren ging nicht, Aussteigen auch nicht. Also bin ich irgendwie ins Ziel geeiert und deprimiert mit Finishermedaille um den Hals Richtung Auto gehumpelt. Was genau der Auslöser war, kann ich im Nachhinein nicht sagen. Fakt ist nur der Hermann hat keine Schuld. Den werde wieder laufen. Ich glaube eher, das ich mir 4 Tage zuvor beim Treppentraining im lokalen Stadion eine Reizung unter dem linken Fuß an einer Sehne zugezogen habe und diese dann mit Voltaren im Zuge froher Wettkampfstimmung weggelächelt habe. Das ist also die Quittung!

Seit dem sind drei Wochen vergangen.

In der ersten Woche habe ich mich mit Dr. Google versucht, allerhand Homöopathisches genommen, Eisflaschen gerollt, Igelbälle gequält und meine Frau mit dem herum liegenden Krempel in den Wahnsinn getrieben.

In der zweiten Woche habe ich mich mit Prof. Google versucht, allerhand Chemisches genommen, Eisflaschen gerollt, mir eine Massagekiste mit Schotter gebaut und meine Frau mit den herum liegenden Steinchen in den Wahnsinn getrieben. Am Donnerstag dann der Einbruch. Es war der tiefste und schwärzeste Tag. Der physische Schmerz hatte sich tief in meinen Kopf eingenistet, die Gewaltherrschaft übernommen und mich zu einem mentalen Wrack werden lassen. Ja, ich würde sterben…

Zu Beginn der dritten Woche ließ Gevatter Tod weiter auf sich warten und ich so beschritt neue Wege. Ich grübelte. War es nicht dieser glücklich machende und friedliche Zustand im Kopf weswegen ich lief? Warum ich mich der Gewerkschaft #twitterlauftreff angeschlossen hatte und für eine bessere Welt kämpfte? Ich musste also beim Glücklich werden ansetzen und fand mich einen Morgen auf meiner Jogamatte wieder, aufrecht sitzend und konzentrierte mich auf meinen Atmen. Einmal-  zweimal-  dreimal. Dann nervte dieses bebend laute Tick Tack der Küchenuhr meine Sitzung. Ich war schon drauf und dran dieses Ding ruhig zu stellen. Aber Ich probierte weiter die Kunst des Nicht Denkens weiter. Manchmal erschruck ich weil ich dachte, das ich gerade nicht gedacht hätte. Ein holpriger Weg. Fast ein geistiger Traillauf. Nicht vom Weg abkommen, fokussiert sein auf das geistige Ziel die Entspannung zu finden. Nicht leicht für einen der  sich nicht immer so unter Kontrolle hat wie Bundeskanzlerin.

Mittlerweile habe ich die Muße gefunden, mich morgens eine halbe Stunde auf meine Matte zu setzen und mich auf meine Atmung zu konzentrieren. Mal schweife ich ab, mal denke ich über den Tag nach oder auch übers Laufen. Ich habe sogar probiert mich von außen zu beobachten. Sehr spannend…

Bei dieser ganzen „Nicht Denkerei“ bin ich zur Einsicht gekommen meinen Zugspitz Ultra Trail ZUT über 39km DIESES JAHR sausen zu lassen. Ich löste mich von dem Gedanken und es fühlte sich irgendwie sogar gut an. Es nützt keinem und schon gar nicht mir halb fit den ZUT zu versuchen mich ggf. wieder oder noch mehr zu ruinieren. Mein Mantra in dieser Zeit kommt von meinem lieben TRRCRW Crewfreund Thomas der @lennetaler: „Geduld ist der schärfste Zahn des Tigers.“ Da ist leider etwas wahres dran!

So gibt es ein paar Sachen über die ich mir auf meiner Matte im Klaren geworden bin:

  • ich bin doch noch jung, laufe ich das Ding halt das nächste Jahr
  • ich kann geduldig, was ich nie von mir gedacht hätte
  • ich kann tatsächlich eine 1/2 Std auf einer Matte hocken und entspannen
  • ein DNS ist das bessere DNF
  • ein DNS nimmt mächtig viel negativen Druck aus dem Rekonvaleszenzkessel
Ob ich diese Art der Entspannung weiter verfolge, wohlmöglich sogar vertiefe und etwas als einen Teil der zu mir oder zu meinem Tagesablauf dazu gehört weiß ich nicht. Was ich aber weiß ist die Tatsache, das mir mein ruinierter Fuß etwas Neues positives gebracht hat: 30Minuten morgendlicher Frieden auf meiner Matte. Und das ist doch nicht zu unterschätzen.
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P.S.
Wenn ich dieses Esoterikgequatsche einmal ausschalte, tut es mir echt! Leid um dieses Abenteuer. Katrin @katitria und Stephan @Rennmps, ich hätte Euch soo gerne endlich persönlich kennengelernt. Ich hätte die Berge wieder gesehen und hätte eine klasse Zeit gehabt. Wäre stolz wie Bolle nach Hause gekommen und meine Medaille wahrscheinlich eine Woche getragen. Aber et is wie et is…
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 .
Und da ist er wieder der Kloß im Hals….

Hommage an Euch

Noch vor 3 Jahren war ich ein einsamer Werwolf, ein lonesome Cowboy. Ein einsamer Krieger in dieser läuferischen Welt. Mein damaliger einziger Laufkumpel hatte sich in einer alkoholseligen Nacht dermaßen auf die Schulter fallen lassen, das Laufen plötzlich nicht mehr in seinem Mittelpunkt stand. Also war ich allein. So manchen Wettkampf hatte ich angegangen, doch wusste ich nicht ob der Möglichkeiten, die das (Lauf-) Leben wirklich bunter machen könnte.

Doch dann habe ich von dieser verbotenen Twitterfrucht genascht. Erste sinnleere Tweets in die Welt gesendet und mich dem Sog der Twitterdroge hingegeben. Was solls… Mehr und mehr fand ich Follower die augenscheinlich auch gerne die Laufschuhe schnüren und sich über dieses Medium austauschen. Nicht nur Laufen stand und steht im Mittelpunkt. Tagtägliche Dabatten über Gesundheit, Technik und Lebensfreude finden sich dort. Ich wurde nach und nach Teil dieses Twitterlauftreffs, bei seinen Jüngern und Vertrauten eingeführt und aufgenommen, etablierte und platzierte Meinungen, war dankbar für jeden Tipp.

Heute bin ich Mitglied in der geilsten Laufcrew, der TwittRunnerRuhr TRRCRW, habe bei Twitter viele Gleichgesinnte und noch viel Wahnsinnigere in der Timeline,  freue mich über die ganzen Verrückten dort. Zwischen Bildern von Böden diverser Wartezimmer und Läufen über ganze Inseln bin ich wortwörtlich gelandet. Aber eines der besonderen Merkmale dieser Menschen ist der Respekt vor der erbrachten Leistung des anderen und sich selbst. JedeR feiert JedeN, alle freuen sich wenn die persönliche Bestleistung verbessert wird, Schmerz und Leid wird geteilt, Ratschläge und Tipps getauscht. KeineR wird auch nur ein bisschen abfällig behandelt. Eine wunderbare Interessensgemeinschaft.

Aus wagen Bekanntschaften über 140 Zeichen, bin ich bei so manchem hinaus. Freue mich wirklich die Menschen hinter den Nicknames persönlich kennen zu lernen oder zu kennen. Bei einigen ist man dicker, bei anderen nicht. So what… Aber alle teilen diese sportliche Leidenschaft, die Jagd nach PBs und Medaillen, den Kick etwas neues zu erleben.

Natürlich können diese Menschen nicht Beziehungen zu Freunden und Familien ersetzen, können nicht wirklich auffangen wenn man fällt. Und doch kann man seinen persönlichen Frust hinaus in die Welt blasen, man bekommt Zustimmung oder halt nicht. Professionelle Therapie geht nicht in 140 Zeichen.

Und eines verrate ich noch:  Vor dieser Zeit wäre ich wohl deutlich schwerer im Stande gewesen, mir quasi unbekannte Menschen zu herzen, umarmend zu begrüßen oder Glück zu wünschen. Mich mit Ihnen wirklich zu freuen oder mich mit ihnen zu ärgern. Ich habe mich wohl ein Stück weit geöffnet. Und es tat gar nicht weh…

Ach Ihr Twitterer, ihr seit mir ans Herz gewachsen. Gerne laufe ich noch den einen oder anderen Wettkampf mit Euch, mache #allebekloppt -heiten mit und freue mich schon auf ein Wiedersehen. Real oder elektronisch!!!

Das musste einfach mal gesagt werden 🙂