Kickbike is the new black

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„Ach Herrje, was hat er denn da wieder angestellt?“ „Jetzt ist er vollkommen durchgeknallt!!!“ Diese und andere Sätze musste ich die letzten Wochen hinnehmen. Und warum?

Zu meiner Erklärung und Verteidigung möchte ich folgendes sagen:

Verehrter Herr Richter, Herr Rechtsanwalt, geehrter Herr Verteidiger, geneigte Leserschaft,

ich möchte in meinem Abschlußplädoyer persönlich das Wort ergreifen, weil Emotionen eine besondere Rolle spielen, die nur persönlich verfasst und vorgetragen, so anklingen und Sie zur Vernunft bringen, wie ich es mir erhoffe.

Vor ca 10 Jahren gab es in Münster einen wirren (sprich innovativen) Fahrradhändler, der zu der Zeit die außergewöhnlichsten Gefährte feil bot. Unter anderem auch ein Kickbike, das ich natürlich Probe fahren musste. Nicht ein Kinderteil, sondern vorne mit 28 Zoll Bereifung, Lenkerhörnchen und tollen Bremsen in hinreißender Farbe. Damit war wohl die Saat einer neuen Leidenschaft gelegt. Weil so etwas natürlich absolut sinnleer ist und man sich lächerlich macht, habe ich die Kaufidee schnell wieder Ad Acta gelegt.

2015 habe ich eher durch Zufall über einen Social Media Dienst einige Laufverrückte im Ruhrgebiet kennengelernt. Unter anderem auch einen Herrn Andreas C, aus D.

C. tauchte Wochen später bei einem Treffen wieder auf, in dem Kofferraum seines Kombis ein Kickbike. Wir kamen ins Gespräch. Es wäre ein Wettkampfroller, getunet, mit schnellen Laufrädern und gewichtsoptimiert. Hm…

Im Mai 2016 nahm ich von mir aus dann aktiv Kontakt zu C. auf, mich interessiere das Thema Kickbike weiterhin. C. bot mir darauf hin sogar eine Ausleihe an, ich hätte so die Möglichkeit, dieses Gefährt länger als eine kurze Probefahrt zu testen. Das war mein Verderben, wie der Volksmund so sagt. Diese Geschwindigkeit, diese Beschleunigung, dieser Muskelkater am nächsten Tag. Selten habe ich soviel Spaß an einem Tretroller gehabt. Dauergrinsen war angesagt. Auch mein sportverrückter Nachbar, Herr S., grinste nach der ersten Probefahrt. Nach einigen Tagen bekam Herr C. sein Kickbike zurück. Was blieb war eine gewisse Leere. Hatte ich mich doch schon mehrfach über alternative Sportgeräte informiert, mal sollte es ein Rennrad sein, mal ein Waterrower, selbst ein Crosstrainer war schon mein Eigen. – Ich war also angefixt.

Da ich für Sportveranstaltung im Bayrischen Geld angespart hatte, dort aber nicht teilnehmen konnte, ergriff ich die Chance und setzte nach intensiver Internetrecherche und telefonischer Beratung das Geld um und bestellte bei einem Händler in Hamburg mein eigenes Sportgerät. Ziel sollte es sein, eine Laufeinheit in der Woche zu streichen und nun auf einem Kickbike zu verbringen. Die Lieferung verlief reibungslos, neue Sprüche erntete ich bei meinen Arbeitskollegen, da die Lieferung in Büro ging. Ich freute mich „diebsich“, alternative Sportarten bringen schließlich zusätzliche Abwechslung, Freude, zusätzliche Fitness und Glücksmomente.

Da ist es nun: 28″ vorn, 20″ hinten, Vredestein Semislicks, Shimano Brakes, in neongrün. Ein Traum – Nach einigen (2) Wochen des Einfahrens und Gewöhnens werden nun die Strecken länger (bis zu 12km), Muskelkater an Bein und Po werden weniger. Aus Sicherheitsgründen habe ich mir sogar einen Radhelm gekauft, obwohl ich kein Freund von diesen Dingern bin.

Es ist einfach der Oberkracher, wie viel Spaß mir ein Kickbike macht. Auch Herr C. freut sich, spricht er schon von gemeinsamen Touren und Wettkämpfen. Endlich sei er nicht mehr so alleine.

Sehr geehrter Herr Richter, Herr Staatsanwalt, verehrte Leserschaft, ich bitte Sie hiermit eindringlich: bevor Sie über mich walten und Recht sprechen nehmen Sie mein Angebot einer Probefahrt an, gern auch in sportlicher Montur. Sie werden feststellen, wie der Puls steigt, vor Aufregung und Anstrengung. Wenn Sie dann nicht mit einem Grinsen zurück kehren, werde ich jede Strafe annehmen und auch schlimmste Häme über mich ergießen lassen. Bis dahin lasen Sie mir bitte meinen Spaß. Getreu meinem Motto „von der Kunst es anders zu machen“

Hochachtungsvoll,

ihr SchluppenChris

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