#Kreuzberg50 – ein magisches Wochenende

Nach so einem intensiven, positiven Erlebniswochenende, sind die Bruchlandungen in der Alltagswelt fast schon vorprogrammiert. Nichtsdestotrotz wo soll ich meine Geschichte beginnen und was sollte alles rein?

Eigentlich ist die Story zum #Kreuzberg50 schon über ein Jahr alt: da will Flo @Suppenkelle in Eigeninitiative einen 50km langen Traillauf privat organisieren und lädt dazu Menschen aus seinem social media Umfeld ein, die quasi als Prototypen dieses Event erleben sollen, auf das sich diese Veranstaltung mittelfristig als kleiner feiner Lauf etablieren möge. Und dann zerreißt es diesen Herren kurz vor knapp gesundheitlich so dermaßen, das die Veranstaltung abgesagt und 2017 neu angeschoben wird…

Und nun sitze ich hier, keine 48h später nach einem absolut grandiosem Wochenende und versuche meine Erlebnisse in Worte zu fassen. 

T -7 Tage: Ich freue mich wie ein kleines Kind auf das #Kreuzberg50 Wochenende, voller positiver Energie – gerade aus dem Urlaub kommend.

T-5 Tage: meine mich begleitende Frau unterbreitet mir Bedenken, ob ihr Mitkommen wirklich richtig und sinnvoll sei.

T-3 Tage: meine mich nicht mehr begleitende Frau unterbreitet mir, doch mit kommen zu wollen, egal was komme.

T-1 Tag: Wir reisen also Samstag morgen ab Richtung Kronach, sammeln noch kurzfristig den hier schon häufig erwähnten Christian @_Trailtiger ein und so fahren wir gemeinsam ins Fränkische. Gegen 16:20 Uhr stürmen wir den lokalen Supermarkt und kaufen noch ein paar Kleinigkeiten für die beste pastalose Pasta Party des Jahres ein. Einer der Running Gags (ha ha) etabliert sich mit dem sympathischen fränngischen: „Sammelt Sie Dreuebungte?“ Welch lustiges Völkchen diese Franken doch sind…

Wir checken noch kurz im Hotel ein und starten zum Treffpunkt: Eine  ausgeräumte Scheune, die von Flos wohlmöglichen Schwiegereltern in Spe, oder der Einfachheit halber, des „Flos Freundin Franzi der ihre Eltern“ zur Verfügung gestellten Räumlichkeit. Ein so großes und herzliches Hallo aller Beteiligten und Anhänge habe ich selten erlebt: es war einfach großartig wie sich diese Filterblase von Laufverückten mehrmals im Jahr aus ihren social media Kokons wagt und sich und das (Lauf-) Leben feiert. Neben Bier (Frankenstoff) vom Fass und Gegrilltem, gab es gute Laune und tolle Gespräche. Und mittendrin Franzis Eltern, die wie Heinzelmännchen im Hintergrund die Fäden zusammen halten und augenscheinlich selbst erstaunt sind von dem ganzen Trubel.

Dann das obligatorische Briefing, durch den angekündigten Sturm ist der Start des Laufs am Sonntag von 06:00 Uhr auf 08:00 Uhr verlegt. 

Wir verlegten unsere Körper auch relativ frühzeitig ins Hotel, etwas müde von Fahrerei und Aufregung.

T-4h. Sturm Herwart wütet draußen vor dem Fenster, das Rollo klappert, der Regen kommt von von allen Seiten, nur nicht von oben. ich verkrieche mich weiter unter die Bettdecke, kann aber nicht wirklich tief schlafen – Wettkampfmodus.

T -1h: welcher Vollidiot, denke ich mir, stellt den Wecker so knapp vor ein Rennen. Hektik kommt auf, auschecken müssen wir auch noch und dann rasen wir mit selbst verordneten Sonderrechten durch das noch verschlafene Kronach zum Start. Herwart hat sich zwischenzeitlich überlegt einen Gang rauszunehmen, es klart sogar ein wenig auf.

T -10min: die ersten Teilnehmer sammeln sich zum obligatorischen Gruppenfoto, Christian und ich „frickeln“ unsere Startnummern noch an uns bzw. das Startnummernband.

T-7min: Aufstellung zum Gruppenfoto: 1 Hund, eine Dame und 15 Herren posieren glücklich und freudestrahlend in die Objektive der internationalen Presse.

Dann endlich der Start: Wir laufen gemeinsam los, folgen Flo, der uns „seine“ Strecke mit all seinen Widrigkeiten und Schönheiten zeigt. Das Feld zieht sich schnell in die Länge, nach 3km sammeln wir uns wieder: einer fehlt! Daniel @endurange knickt nach 2km um und holt sich eine Außenbandruptur des Fußgelenks und humpelt zurück. Augenzeugen berichten später, das der sonst so redselige quirlige Kerl über eine halbe Stunde ohne jegliche Regung ein Loch in die Wand starrt…

Wir aber laufen weiter, steile Anstiege, seifige und durchgefurchte Wiesen, lange Anstiege, die zu steil zum laufen aber zu flach zum gehen sind, knöcheltiefe Seenlandschaften nicht zu vergessen. Am Basecamp werden wir von unseren Freunden und Angehörigen bestens verpflegt. Runde 1 ist durch.

Es bilden sich kleine Gruppen und so laufen Christian und ich gemeinsam in die nächste Runde. An einer der Anhöhen läuft Chris Herzog @chrshrzg zu uns auf, den ich lachend mit einem: „Tschsch Tschsch! Geh weg! Wir wollen dich nicht“ vertreibe. Der Trailtiger kommt aus dem lachen nicht mehr raus, ich aber entschuldige mich schnell bei Chris und wir lachen gemeinsam. Die beiden harmonieren heute toll, ich muss zusehen, das ich dran bleibe. Während ich mich quäle, scherzen die beiden und gehen mir mit ihrer Lockerheit zunehmend auf die Nerven. Am Basecamp steht der Hausherr mit einem Lächeln am Gartentörchen, macht uns auf und empfängt uns warmherzig. Wir werden wir von unseren Freunden und Angehörigen bestens verpflegt und umsorgt. Runde 2 ist durch.

Die nächste Runde starte ich allein, bin nicht wirklich zu Späßen aufgelegt und will meine Ruhe haben. Ich acker mich voran, sehe die beiden Christians weit hinter mir, ich muss mich sputen das sie mich nicht einho – RUMMS da liege ich auch schon im Dreck! Schnell rappel ich mich wieder auf, das Malheur hat weiter Sekunden gekostet. Da sind sie wieder! Gut gelaunt quatschend sind sie da, überholen mich, nerven mich. Einerseits will ich dran bleiben, andererseits geht mir die Laune dieser Spaßvögel auf die Nerven und raubt mir Kraft. Ich lasse die Christians ziehen. Knicke zwischenzeitlich im Acker um, rappel mich wieder auf und beiße. Mein Kopf hat endlich was gefunden um den Körper zu bearbeiten. Doch am Basecamp steht der Hausherr  weiter mit einem Lächeln am Gartentörchen, macht uns auf und empfängt uns warmherzig. Wir werden wir von unseren Freunden und Angehörigen bestens verpflegt, umsorgt und aufgepäppelt. Der Trailtiger empfängt mich mit offen Armen, ich bleibe einige Sekunden umarmt an ihm stehen. Wir sind keine Konkurrenz, wir sind Freunde, die sich zu schätzen wissen und uns gegenseitig fordern aber auch fördern. Meine Frau hingegen sorgt sich sich, mein Körper ist schwach und meine Augen leer. Und das nach 30km – das hatte ich mir auch anders vorgestellt. Der Hausherr entlässt mich wieder. Einfach klasse.

Die vierte Runde bleibt mir als Ätzrunde in Erinnerung. Die beiden Christians sind vor mir, hinter mir, ich weiß es nicht. Zwei mal knicke um, schreie auf, und verfluche Himmel und Erde lauthals. Wie schön, sowas ist nur im kaum besiedelten Kronacher Umland möglich. Ich gehe viel. Laufe abwechselnd. Ich ackere mich durch die Runde, jetzt fängt es auch noch an zu regnen. Was hab ich denn nur getan? Aber dann hat das Schicksal ein Einsehen, denn der schon früher ausgestiegene Sascha @trailrunnersdog läuft mir die letzten Meter entgegen und begleitet mich ins Basecamp, wo wen wundert es ein sichtlich gut gelaunter Hausherr das Gartentörchen für seine Gäste öffnet und ich von unseren Freunden und Angehörigen bestens verpflegt, umsorgt, aufgepäppelt und verwöhnt werde. Der Hausherr entlässt mich mit einem Lächeln.

Die letzte Runde starte ich durch: nicht mit kenianischer Pace sondern mit der Genugtuung mich von den Teilabschnitten zu verabschieden. Oben angekommen zeige ich der langen Steigung wahrlich den Mittelfinger, winke dem Segelflugterminal zu, grinse den Stein an, über den ich gefallen bin und freue mich einfach nur auf den Hausherren und sein Gartentörchen. Ich habe keine Ahnung, wie viele Teilnehmer noch im Rennen sind, wo, wer… So langsam habe ich wieder Spaß und denke sogar über eine weiter Runde nach. Den Tiefpunkt überstanden, bin ich jetzt im Kilometerfresser Modus. Wie schnell oder langsam – egal. Die letzten 300 m läuft Sascha wieder mit, erklärt mir das alle auf mich warten. Ich stutze. Ich bin der Letzte? Nein, er korrigiert mich: ich bin einer von Vieren, die überhaupt die 5 Runden durchgelaufen sind. Wahnsinn!!! Ich freue mich wie doof, als alle im Gartentörchen stehen und mir zujubeln und mich beklatschen. Das hat sich wie ein Tattoo in meinem Gehirn. genagelt. Sollte ich einmal auf einer Laufstrecke untergehen, werden ich mich an diesen magischen Moment erinnern. Nach 6h 32min bin ich endlich im Ziel. Ein Denis und 3 Christians. Krasses Ding. Ich habe viel gelernt über mich.

Wir feiern noch ein bisschen, gerädert geh ich duschen und lasse mir den Dreck von der Haut waschen. Ich bin für mich und grinse…

 

Epilog:

Mein besonderer Dank geht an Flo, Franzi und Franzis Eltern. Ich habe an diesem Wochenende soviel Menschlichheit, Höflichkeit, Freundlichkeit, Repekt und Wärme erfahren. Ihr wart toll.

Mein Dank geht aber auch an den Rest der Bande: ohne euch wäre das ein verregnetes langweiliges Sturmwochenende geworden. Grau in grau. Dadurch aber wurde es unglaublich bunt und herzlich. Ich würde es jederzeit wieder tun. Und ich weiß: Ihr auch. Also bis 2018…

Und: Danke Dir Nina, das du dich eingelassen hast, dieses Spektakel mitzuerleben :-*