Raketentreibstoff?

An den Tankstellen kennt man es: Ultimate 100, High Performance Diesel, Super Plus 100. Und man denkt sich: kein normaler Mensch tankt doch diesen überteuerten Mist, den das Auto besser und schneller macht. Sollte es aber keiner tanken, wären all diese Produkte schon lange wieder vom Markt. Entweder ist also eine Nachfrage da, oder die Marge ist für die Konzerne doch so gut, das sie diesen Sprit einfach immer anbieten. Einen Dummen wird es wohl geben, der das macht.

Ich bin jetzt, wie auch schon andere Menschen vor mir, auf Raketentreibstoff für den Menschen gestoßen. Quasi das Ultimate Body 100. Ob das wirklich so ist, werde ich hier — absolut subjektiv — die nächsten Tage und Wochen testen. Auch das scheint mir vollkommen überteuert, aber ich probiere gern aus. So bin ich also der Überschlaue, der sich über HighTech Benzin echauffiert aber selbst Mittelchen zu sich nimmt, die im normalen Alltagbetrieb nicht ausschlaggebend sein könnten.

Das Pülverchen heißt AG1, ehemals Athletic Greens und soll ein Superduper Pulver sein, um dem Körper allerhand gutes zu geben. Was genau steht hier.

Ob man / frau/ ich es wirklich benötige, ob für mich die Sonne zur ewigen Gesundheit aufgeht, will ich einfach ausprobieren. Es gibt Blogs und Prominente, die dafür werben, es gibt Blogs und Seiten im Internet, die diese Produkt ablehnen.

Bezogen (und selbst bezahlt) habe ich es über die liebe Claudia aka SwissClaudi, die dass Pulver “influenct” Da ich Claudia allerdings ein wenig (Claudi, wie gut kennen wir uns?) kenne und ihre Meinung sehr schätze, kann ich zumindest sagen, mir wurde AG1 nicht auf der Kirmes feilgeboten oder durch sonst eine eingespülte Insta Werbung anonym aufgedrängt. Nein, ich habe es aus freien Stücken getan.

Wie macht man also eine “Studie”, die keine sein soll. Welche Eckdaten muss dem Lesenden vermittelt werden, das ich ehrlich und glaubwürdig schreiben kann, was wichtig ist?

Hm, gar nicht so einfach…

Habe ich hier weder 101 Menschen einer Placebo Gruppe, noch ein Blut Analyse Labor im Keller. Ich kann einzig und allein meine Meinung sagen und über die nächste Zeit schreiben ob oder was mir auffällt.

Legen wir also los!

Zu mir: viele werde es wissen, ich laufe zur Zeit täglich. Das Procedere sieht so aus, das morgens wach werde, 1 Glas Wasser trinke, danach meistens einen Kaffee um mich dann in meine Laufsachen zu pellen und raus gehe zum laufen. Auf den Kaffee habe ich diese letzten Zeit verzichtet – einfach um zu schauen, ob es ohne geht. Geht ;-). Ich nehme zu dem Wasser entweder eine Tablette mit Zink (Zn) oder mit Magnesium (Mg) zu mir.

Der Tipp mit dem Zink kam von meinem Zahnarzt. Man würde sich nicht oder weniger erkälten. Scheint zu stimmen. Und so nehme ich regelmäßig Zink in den Monaten, die auf “R” enden.

Magnesium nehme ich wegen der sonst ekligen Situation, nachts Wadenkrämpfe zu haben. Danke Mama für dieses tolle Erbgut. Mit Mg passiert das zum Glück nicht.

Meine psychische Gesundheit ist durch den Job und allerhand privates nicht unentspannt. Auch da soll Mg ja gut für die Nerven sein.

Zum Test von AG1 werde ich Zn und Mg in dieser Tablettenform absetzen und mich voll und ganz auf die Inhaltsstoffe des grünen Pulvers verlassen. Ehrlich gesagt, habe ich mich damit nicht beschäftigt, ob diese Stoffe überhaupt in AG1 enthalten sind. Sollte ich nachts wieder kerzengrade im Bett liegen, ist wohl die Inhaltsmenge zu klein.

Somit habe ich also die Starterbox von AG1 bestellt, die nach einigen Tagen in einer wirklichen schönen Pappschachtel bei mir auftauchte. Ein Shaker, eine wertige Aufbewahrungsdose aus Metall und ein Messlöffel sind dabei. Zusätzlich noch ein Fläschchen mit Pipette und Vitamin D. Soll morgens eine Tropfen ins Müsli. Bitteschön, machen wir das auch…

Ich werde jetzt morgens also statt dem Wasser, dem Zink oder Magnesium und dem Kaffee zumindest den halben Shaker leer trinken und den Rest nach dem Lauf. That´s it. So ist der Plan. Und dann werde ich mal sehen, was passiert.

Erste Kritikpunkte: augenscheinlich kommt das Pulver aus Neuseeland (muss ich aber noch final checken). Steht zumindest so auf dem Beutel, der für einen Monat reichen soll. Dann schickt mir Athletic Greens den nächsten Monatsbeutel raus. Hallo Abo!!! Ich kann, nein ich soll das doch jederzeit pausieren oder kündigen sollen. Mein CO2 Footprint ist also mit dem Produkt deutlich ins Minus gerutscht. Ich weigere mich auch Äpfel oder Wein aus der Gegend zu kaufen. Das ärgert mich fast mehr als der Preis. Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich vermutlich nicht bestellt.

Der Preis ist schon derbe. Gut, eine Schachtel Kippen am Tag sind deutlich teurer und und ungesünder. Nein – ich rauche nicht (mehr). Zumindest gebe ich mit AG1 am Tag ungefähr nur die Hälfte wie 20 Zigaretten aus um irgendwann doch zu sterben. Naja, vielleicht kommt der Sensenmann ein paar Jahre später oder ist gnädiger bei dem Weg meines Abgangs….

AG1 hat es also nicht leicht, mich zu überzeugen. Das ist doch schon einmal eine gute Basis.

Mögen also die grünen Spiele beginnen….

Tag 1 – ich stehe also morgens in der Küche und reiße den Beutel auf. Whooof, eine grüne kleine Staubwolke tritt mir entgegen. Das Pulver ist wirklich extrem fein vermahlen. In dem Beutel finde ich einen weiteren sehr einfachen Messlöffel. Ich versuche diesen aus dem weichen Gemisch zu fischen und habe gleich grüne Finger. Als Gerne Koch lecke ich meine Finger ab, wenn ich etwas daran habe. Hier mache ich es genau so – intuitiv. Der erste Geschmack ist komisch aber nicht befremdlich.

In keinem der Blogs steht etwas über den Geschmack. Ganz klarer Kritikpunkt an Athletic Green. Man kann kein Probierpäckchen bestellen. Wenn das Pulver jetzt nach Ko.. schmecken würde, hätte ich ein Problem. Ich hatte vermutet, es würde kohliger schmecken. Es ist eher süß, nicht salzig, nicht sauer, riecht nach wenig. Es hat vielleicht ein bisschen Geruch und Geschmack von Wriggley´s Spearmint.

Den Shaker mit Wasser gefüllt, einen gestrichenen Messlöffel in den Shaker, Deckel drauf, 20 Sekunden schütteln -fertig. That seems very easy.

Ich nippe. Nicht schlecht. Nicht gut, aber auch nicht schlecht. Ich kann ohne großen Aufhebens 2/3 des Shakers leer trinken, danach den Rest. Das wars.

Während des Laufens, habe ich nicht das Gefühl, das AG1 mich irgendwie nervt.

Warten wir also ab…

Tag 2 – AG1 setzt tatsächlich Energie frei. Die, meine Küche zu putzen, weil sich im Shaker Deckel unmerklich die Silikon Dichtung aus der Fuge gelöst hat, der Deckel undicht war und meine Küche morgens früh mit grünen Tropfen sprenkelte. Da kann sicher AG1 nicht für, viel besser ist es natürlich, das man den Silikonring zum reinigen heraus nehmen kann. ich muss halt nur darauf achten, das alles dicht ist. Ansonsten keine weiteren Vorkommnisse…

Tag 3 – Hatte ich eigentlich erwähnt, das ich im Starterpaket ein kleines Glasfläschchen mit Pipette erhalten habe? Darin sind bis zu 600 Servings Vitamin D und K. Vitamin D wird ja auch das Sonnenvitamin genannt, weil der Körper dieses wohl bei Licht produziert. Was ich noch nicht herausgefunden habe: Vergleichbare Präparate sprechen von iE also internationalen Einheiten, auf meinem Fläschchen in Mikrogramm.

Ich habe von “…braucht man nicht, draußen ist es selbst im grauen Winter hell genug, das der Körper Vitamin D selbst produzieren kann” bis “gescheiter Gemütsaufheller” alles gelesen. Auch da gehe ich entspannt heran. Morgens einen Tropfen ins Müsli – wird mich nicht umbringen und da es draußen gerade echt nur grau in grau ist, scheint meine Sonne aus meiner Müsli Schale.

Tag 4 – Heute könnten die Inhaltsstoffe erstmals wirklich gefordert werden. Ich bin ziemlich lang gelaufen und jetzt sollte es sich zeigen ob ich, wie sonst, Wadenkrämpfe bekomme oder ob es “friedlich” bleibt. Ich weiß natürlich nicht ob die lieben (triggernden) Worte von Freund Christoph dazu geführt haben, das ich heute vor dem Frühstück einen echt langen Lauf heraus gehauen habe oder Ag1 sich so Dynamik steigernd in meinem Körper ausgebreitet hat. Aber nach vier Tagen? Nein, es war Christoph… 😉

Tag 12 – ein wenig frustriert habe ich heute wieder mal meine Küche versaut. Das war das dritte Mal. Daraufhin habe ich den AG1 Online Chat Support kontaktiert und “Carola” schickt mir einfach einen neuen Shaker zu. Rotzig könnte ich sagen, bei der Marge habe ich nichts anderes erwartet, aber! ich sage: super unbürokratisch – kein warum oder wieso, sondern einfach machen.

Nebenbei trinke ich deutlich weniger Kaffee, warum auch immer. Und gefühlt esse ich weniger Schrott – und das kann ja nur gut sein.

Tag 17 – DingDong, die Post ist da. Athletic Greens hat mir ein Paket geschickt: einen neuen Shaker. Aber auch noch eine coole grüne Metalldose und einen schweren Metall Dosierer. Was will man mehr. Natürlich weiß ich nicht, ob andere Hersteller das auch so unkompliziert gehändelt hätten. Aber Live Chat, schnelle Lieferung etc. muss natürlich auch alles (re-) finanziert werden.

Tag 28 – DingDong die Post ist schon wieder da. Athletic Greens hatte sich vor einigen Tagen per mail gemeldet das ich über meinen Account Lieferadresse etc. deligieren könne.

Heute kommt also ein neuer frischer Beutel AG1 in einem ziemlich lieblos zerfledderten DHL Luftpolster Umschlag an. Das macht mir keine Freude, bei dem hohen Preis erwarte ich eine Pappschachtel (meinetwegen gefaltet) und nicht so etwas instabiles und nicht stichsicheres. Schade.

Nebenbei geht es mir nicht schlecht mit dem Pulver. Es macht sich Routine breit, morgens einen Shaker zu mischen und zu trinken. Nur mit dem Preis komme ich nicht klar. Wenn ich das aufs Jahr hochrechne…? Gesundheit und Vitalität sind sicherlich nicht umsonst zu bekommen und ich werde sicher im Alter ordentlich draufzahlen müssen, falls ich mich nicht jetzt schon darum bemühe. 12 x 87,00 EUR = 1044 EUR im Jahr klingen schlimm. 2,86 EUR pro Tag schon wieder nicht. Dabei schlürfe ich meinen Soja Latte für 4,30 EUR….

Tag 65 – da ist mir ja was ganz blödes passiert: Augenscheinlich habe ich mein AG1 Kundenpasswort vergessen und mich irrtümlich ein zweites Mal zu einem Abo hinreißen lassen. Somit kamen jetzt hintereinander meine Monatsration und ein neues Welcome Paket an. MIST! Somit war ich auf der AG1 Homepage auf der Kontaktseite zum Chat und habe tatsächlich und sofort einen echten Menschen an der Strippe gehabt. Ich habe Latifa das Problem geschildert. Die normale Reaktion hätte ja sein können: Tja, Pech gehabt Blödmann, jetzt musst du zahlen. Aber der Service hat einfach einen Account gelöscht und setzt eine Lieferung aus, weil die ja doppelt gekommen ist. Großartig! Das hat keine 5 Minuten gedauert und somit ist (hoffentlich) dieses Problem aus der Welt.

Und sonst so? Die PR Abteilung von AG1 möchte ja gern, dass ihr Produkt zu einer Morgenroutine wird. Ich soll mich abhängig machen und zahlen. Haha – tue ich auch. Ich stehe jeden Morgen auf und der erste Gang ist in die Küche um einen Shake zu machen. Zeitweise mit dem Saft einer halben frisch gepressten Zitrone – dann ist es imho noch leckerer. Ich habe seit dem Beginn kein zusätzliches Magnesium oder Zink eingenommen. Auch der Kaffeekonsum ist reduziert. Spielt sich vermutlich alles in meinem Kopf ab. Nun gut, wenn es hilft….

Ich mache noch ein bisschen weiter 🙂

Tag 141 – ich habe mich entschlossen, meine AG1 Phase auslaufen zu lassen.

Diesen Entschluss möchte ich kurzerläutern: Es ist mir schlichtweg zu teuer. Ich bin nicht gewillt monatlich 87 EUR für dieses Produkt zu zahlen. Bei dem Gedanken daran, welche Summen ich über 5 oder 10 Jahre ausgeben würde, wird mir schwindelig. Natürlich habe ich jetzt nicht einen Euro mehr in der Tasche oder stopfe 87 EUR in eine Spardose. (Eigentlich eine gute Idee…) Somit habe ich meine Lieferung unterbrochen. Athletic Greens geht vermutlich davon aus, das ich noch mal wieder komme. Ich erst mal nicht.

Doch wie geht es nun weiter? AG wirbt mit seinen 75 Inhaltsstoffen. Da kann kein konkurierendes Produkt mithalten. Vielleicht reichen aber auch 40. 40 tolle Stoffe gemixt in Deutschland klingt doch auch verlockend. Nur der Name ist selten dämlich. Erinnert er mich doch an eine mehr als schwachsinnige Boulevardzeitung. Aber gut…

Ich habe mich für den Volksshake entschieden. Der Name ist doch wirklich dämlich. Aber mir gefällt das restliche Marketing. Wenig Hokus Pokus, keine teuren Spitzensportler, Zutaten tw aus Deutschland und nicht einmal um die Welt aus Neuseeland geflogen.

Und wie ist er nun der Volksshake? Es staubt beim umfüllen in die Metalldose genauso wie AG1, es bleiben nach Genuss ein paar mehr Schwebstoffe im Shaker. Da scheinen die Mühlen der AGler noch ein wenig feiner zu mahlen. Das Produkt selbst schmeckt wiesiger, ein bisschen mehr nach grünem Tee. Muss man mögen – kann man sich aber auch dran gewöhnen.

Woran ich mich gewöhnt habe ist allerdings die Routine mir morgens einen grünen Shake reinzuziehen um dann in den Tag zu starten….

Tag keine Ahnung – der Volksshake ist tot, es lebe die grüne Mutter. Ich habe den Volksshake jeden Morgen routinemäßig getrunken – auch im Urlaub. Wenn man sich an den wiesigen Geschmack gewöhnt hat, ist er wirklich gut trinkbar.

Also ist jetzt das nächste Produkt gelandet. Bleiben wir bei bescheuerten Namen: Grüne Mutter. Hä? Warum???? Wie kann man ein Produkt so nennen? Aber was weiß ich schon. (Schublade auf: ich habe weder Oberlippenbart noch weiße Tennissocken) Ich bin sehr gespannt, was mich erwartet.

Das Pulver ist grün, sehr fein vermahlen und der Geschmack ist deutlich süßer. Ein bisschen wie ein Wrigleys Juicy Fruit. Der gefühlt 38te Inhaltsstoff ist Stefia, wahrscheinlich liegt es daran. Und der erste Gedanke: ich will meinen Volksshake zurück.

Es bleibt also spannend….

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