Ein Hermann – Zwei Blickwinkel

Zwei Blickwinkel – ist ein vielleicht spannendes neues Format, bei dem zwei oder mehr Akteure von der gleichen Sache berichten- und es doch ganz anders erlebt haben. In diesem Fall erlebt ihr die Geschichte eines Ultralaufs in der Reihenfolge aus der Sicht des Supporters (ich) und der Akteurin (Marina) und dem Akteur Ole. Holt Euch was zu knabbern, es dauert ein wenig.

Mein Laufleben wird (zum Glück) nicht langweilig. Nein ich war nicht laufen. Ausnahmsweise habe ich mich fast nicht bewegt. Und doch war es mit das spannendste Laufabenteuer, was ich bisher erleben durfte.
Wie diese verrückte Idee entstanden ist, kann ich gar nicht mehr genau sagen. Fakt ist, dass es die sogenannten Hermannshöhen gibt. Diese beschreiben einen 226 km langen Fernwanderweg über den Hermannsweg von Rheine bis zu den Externsteinen und von da aus auf dem Eggeweg nach Marsberg.
Einigen wird der Hermannslauf bekannt sein, der von Detmold am Hermannsdenkmal startet und ca. 32 km weiter in Bielefeld an der Sparrenburg endet.
Die Hermannshöhen nehmen diese Strecke mit auf, sind allerdings 157 km lang und somit ein quasi 100 Meiler, also ein Lauf über 160km – eine der klassischen Ultralauf Distanzen. Die weiteren 69 km verlaufen dann über den Eggeweg.
Marina und ich sponnen so herum. Sie wollte ursprünglich mit ihrem niederländischen Laufbuddy Elzo den Hermannsweg laufen, ich hatte mich bereit erklärt, die beiden am Ziel wieder zum Auto am Start zu shutteln.
Doch dann kam Corona. Und Elzo nicht. Denn der arme Kerl durfte nicht nach Deutschland.
Unter Freunden respektiert man sich und Marina fragte Elzo, ob sie diesen Lauf wirklich auch ohne ihn durchziehen könne. Und Elzo gab natürlich seinen Segen.
Nur allein schon wegen mangelnder Verpflegung unterwegs ist so ein Lauf allein schwer möglich. Und so heckten wir beide den Plan aus, das ich die Verpflegung mit dem Auto übernehme und ca. alle 10 km an der Strecke warte um sie zu versorgen.
Es musste ja so kommen, das Marina im Internet von den Hermannshöhen las und für die ganze Strecke brannte. Ich auch!
Ich machte mich an die Planung die 226 km in kleine Häppchen zu zerteilen, gut erreichbare Plätze zu finden und mich auf meinen ersten Ultra VP Service vorzubereiten.Genau das habe ich gerne gemacht: Karten studieren, Karten ausdrucken, Strecken zu checken, Wege zu ergründen und nach und nach hatte ich alle Informationen zusammen.
Marina derweil konnte in ihrer Lauf Community einen Mitstreiter gewinnen: Ole aus Göttingen wollte mit.

Es konnte losgehen!

Am Freitag den 1. Mai morgens um 07:45 Uhr erreichen wir den Startpunkt vor dem Bahnhof in Rheine, ich baue meine zwei rotweißen Pylone neben dem Taxistand auf und werde verwundert beäugt: was das denn geben würde, werde ich gefragt. Ich sage Ihnen, meine beiden Mitstreiter wollen nach Marsberg, hätten aber kein Geld für ein Taxi.
Zu Fuß? Ja – Stille. So still, wie es morgens an einem Feiertag sein kann. Wir drehen derweil die Musik im Auto auf und heizen uns ein. Punkt 8 soll es losgehen.
Der Countdown beginnt und um 08:00 Uhr setzen sich die beiden freudestrahlend in Bewegung.
Ich laufe einige Meter mit und übertrage das Szenario ins Internet.
Mein Job wird Verpfleger, Ansprechpartner und Moderator dieses Laufs sein. Warum auch nicht, es würden bestimmt noch Momente der Ruhe kommen, wo ich meinen Senf an deren beider Verfolger übertragen könne.

Ich lade meine Hütchen wieder ein und fahre zum Verpflegungspunkt 1

VP1 – Freitag 09:00 Uhr

Ich kann natürlich überhaupt nicht einschätzen, wie schnell oder langsam die beiden unterwegs sein würden, und so mache ich alles bereit, was man nach 10km so brauchen kann. Vielleicht doch noch eine Jacke mehr, ein Shirt weniger. Wasser und Riegel.
Und so stehe ich an einem Waldrand und warte. Ich merke schnell, dass die Zeit des Wartens viel länger wird, wenn man wartet.
Aber gegen 09:00 Uhr kommen die beiden laut tratschend an den Wagen, füllen nach und sind auch schon wieder verschwunden. So könnte es weitergehen. Wichtig ist den beiden nur die Information in wieviel Kilometern ich wieder warten werde. Ich lade meine Hütchen wieder ein und fahre zu

VP2 – Freitag 10:05 Uhr


Ich habe viele der Verpflegungspunkte an erreichbare Parkplätze oder Wanderhütten gelegt und so fahre ich meinen zweiten VP an. Der Parkplatz voll mit Autos – morgens um 09:30 Uhr. Mist, aber gut. Ich parke also ca 200m weiter mitten an der Strecke. Marina und Ole wissen ja nicht den genauen Punkt, nur die ungefähre Entfernung.
Und so baue ich mein Tischchen auf, stelle die Pylone, (ich merke später, das es viel wichtiger ausschaut wenn man den Klapptisch professionell absichert), das Wasser und die Riegel auf den Tisch und warte im Auto. Freizeitsportler aller Art kommen vorbei, schauen und staunen, was wohl passieren werden würde. Ein paar Tropfen Regen fallen auf die Scheibe des Autos, sonst passiert aber nichts.
Dann geht das Telefon: Marina fragt wo ich sei, sie wären schon mehr als die von mir angegebene Strecke gelaufen und ich wäre nicht da. Ich schildere den beiden meinen Standort und höre nur, da wären sie schon vorbei. Kann ja nicht sein, ich stehe nunmal auf dem Track und dementsprechend müssen sie gegen meinen Wagen laufen. Sind sie aber nicht.
Wir schicken uns per Handy die Standorte und ich gehe ihnen entgegen. Minuten später finden wir uns, alles ist gut.
Die Strecke verlässt die Felder und es beginnt der Pfad in den Wäldern des Teutoburger Waldes. Tisch und Hütchen lade ich wieder ein und fahre zu

VP3 – Freitag 11:40 Uhr


Der Teutoburger Wald hat wirklich malerische, schöne und einsame Ecken. So einsam, das mein Tracker, den ich an Ole befestigt und der per SIM Karte im Handynetz des magenta Riesen herum funkt nicht oder häufig kein Netz hat und ich nur ungefähr sagen kann, wann Ole und Marina bei mir auftauchen. Unterwegs erhalte ich eine Nachricht von Marina, das Kaffee total gut wäre.
Kurzerhand entferne ich mich von meinem Stützpunkt, fahre durchs schöne Brochterbeck und finde tatsächlich einen Bäcker, der am 1. Mai geöffnet hat. Ich besorge Ole und Marina zwei Milchkaffee, fahre zurück und warte wieder an der Strecke. Relativ spontan gesellt sich Sarah dazu, eine Freundin von Marina, die mit den beiden ein Teilstück laufen und ihnen einfach ein bisschen Ablenkung und Smalltalk bieten möchte. (Wieder einmal) eine tolle Geste dieser Lauf Community.
So rücken die beiden an, trinken kurz ihren Kaffee, wir machen ein paar Fotos, dann sind die drei wieder verschwunden. Tisch und Hütchen lade ich in mein etwas durcheinander geratenes Auto wieder ein und fahre zu

VP4 – Freitag – ????


Wieder einmal muss ich mir gratulieren: eine brandneue Sitzgelegenheit aus Bänken und Tisch und einladendem Häcksel herum gestreut wartet auf die beiden. Die Sonne kommt heraus, das satte Grün leuchtet und ich setze mich in die Sonne. So kann es weitergehen. Und ich warte und warte und warte. Vergebens. Marina und Ole kommen einfach nicht.
Wir verpassen uns.
Im Nachhinein sieht man auf dem Track zwei parallel führende Straßen und entweder stehe ich an der falschen, oder die beiden laufen auf der falschen Straße. Kein Problem, wir verabreden uns kurzerhand an VP5. Ich packe also Tisch und Hütchen wieder an und rausche zu

VP5 – Freitag ca 13:00 Uhr


und muss durch die Verzögerung an VP4 nur 20 Minuten auf Marina und Ole warten. Ich zitiere aus meinen Notizen: “Ein Wanderparkplatz mit vielen Autos, die beiden verpflegen sich kurz, wundern sich genauso darüber was passiert ist, aber ganz wichtig: keiner nimmt jemandem etwas übel.”
Tisch und Hütchen wieder eingepackt geht es weiter zu

VP6 – Freitag 15:00 Uhr


Mein Plan wieder einen Wanderparkplatz anzusteuern wird von einem Räucherforellen Mobil gekreuzt. Hier stehen die Leute mit Sicherheitsabstand Schlange über den ganzen Platz. Ich wende, fahre einige 100 m zurück auf einen Parkplatz eines dauerhaft geschlossenen Jugendtreffpunkts.
Marina und Ole traben heran, wechseln die Klamotten, stärken sich und sind wieder verschwunden. ich rausche zu

VP7 – Freitag 16:00 Uhr


Mittlerweile kann ich ungefähr einschätzen, wie lang die beiden unterwegs sind, bzw. wie lange ich mich beschäftigen muss. Ich mache erst einmal Haushalt. Der Wagen sieht ziemlich wild aus und räume ein wenig auf. Die durchgeschwitzten Shirts trockne ich mit einer Art Sturmwäscheklammern an der geöffneten Heckklappe und während ich mir meinen Platz für die Isomatte freimache um ein kleines Nickerchen zu machen, sprechen mich zwei Wanderer an. Ich erkläre ihnen unverblümt alles zu den Hermannshöhen und der eine berichtet stolz, das er auch schon mal einen Halbmarathon gemacht hat. Ja Halbmarathon 21km, nicht Hermannshöhen 226 km. Hört Ihr überhaupt zu???
Ich bin ein wenig genervt, vielleicht die Müdigkeit denke ich mir, bleibe aber ruhig.
Als die beiden endlich weg sind lege ich mich auf die Isomatte, mache die Augen zu und mache sie wieder auf. Ich kann hier jetzt nicht schlafen, was ist wenn sie jetzt kommen und mich brauchen…? Also bummel ich die Zeit tot, gehe meinem Reporter Job nach.
Und da kommen die beiden an, gut gelaunt und fröhlich. Vorbildlich.
Ich fahre weiter Richtung Luisenturm an

VP8 – Freitag 17:45 Uhr


Dunkle Wolken ziehen auf. Mittlerweile ist es später Nachmittag geworden, wir drei sind schon einige Stunden unterwegs.
Wieder positioniere ich mich mit dem Tisch und meinem Pylonen, die Sonne hat sich hinter dunklen Regenwolken verzogen, der Wind frischt auf ich hänge rum. Das erste Mal wird meine Geduld wirklich auf die Probe gestellt. Nicht zuletzt weil ich mit mir alleine sein wollte habe ich jetzt die Quittung. Alleine etwas schönes zu tun ist etwas anderes, als alleine nichts zu tun und zu warten. Auf lesen in einem mitgebrachten Buch habe ich keine Lust, Das Internet bietet nicht vernünftiges, so räume ich noch ein bisschen auf und installiere im Macgyver Stil eine Wäscheleine im Auto.
Ich höre Laufgeräusche und drehe mich instinktiv um: ein Läufer mit Weste schaut auf meinen Tisch. Ich frage ihn einfach, ob er etwas brauchen könne und dankbar fülle ich ihm Cola in seine Flaschen. So geht das bei uns!!! Er bedankt sich herzlich und zuckelt weiter.
Später kommen die beiden an. Wir sind alle gerade etwas angefressen. Ole und Marina dürfen das sein, ich versuche gut gelaunt zu bleiben. Was die beiden nicht brauchen können ist an ihrer VP Insel einen schlecht gelaunten Gastronom.
Auf meine Frage ob ich was machen könne sagt Marina: Pizza Margherita wäre cool. Somit ist die Aufgabenstellung am nächsten VP klar. Pizza muss her. Zum Glück ist

VP9 – Freitag 19:15 Uhr


in Halle Westfalen. Zivilisation, Menschen, Handyempfang, Dauerregen.
Zuerst schaue ich mir meinen nächsten Treffpunkt an und stehe unter einer Brücke der Bundesstraße. Hier ist es wenigstens trocken. Dafür stehe ich mitten an der Ausfahrtsstraße, vorbei fahrende Autos sind laut, durch Regen und Gischt noch lauter. Aber der Platz ist ok.
Ich fahre weiter in die Stadt rein und finde die Pizzeria Alfana, die ich hier bewusst namentlich erwähnen muss. Trotz der Tatsache, das ich nicht vorbestellt habe, wird meine Abhol Margherita vorgezogen und sie schmeckt später unglaublich lecker. Danke euch!!!
Die Schachtel wickel ich in die Isomatte ein um nicht zu viel Wärme zu verlieren. Leider ist sie bei Verzehr doch kalt.
Ich baue den Tisch auf, packe fröhlich meinen neuen kleinen Gaskocher aus und mache mir einen sonst bestimmt niemals so leckeren Instant Kaffee. Eigentlich ganz romantisch…
Dann kommen Marina und Ole und wir lassen uns die Pizza schmecken. Es wird geflucht und es wird gelacht. Teamplay at its best.
Die beiden ziehen weiter, jetzt mit Stirnlampe, denn die Dämmerung macht sich breit. Das Licht der Stadt lasse ich hinter mir und fahre weiter zu

VP10 – Freitag 20:35 Uhr


Ich stehe auf der einen Seite von Bielefeld, wieder an einem Parkplatz und warte. Warten ist eines der Dinge die ich heute schon geübt habe. Warten ist langweilig und so räume ich mal wieder meine Isomatte frei und versuche die Augen zu zumachen. – Geht nicht. Mein Kopf ist wach, voller Unruhe. Über den Tracker kann ich ungefähr sehen, wo die beiden sind und wandere ihnen entgegen.
Und da kommen sie schon: Ole hat was zu feiern: er ist das erste mal so weit gelaufen wie jetzt, die ersten 100 km sind geknackt. Ole ist glücklich und stolz. Wir freuen uns für Ihn.
Am VP werden Klamotten getauscht, Bäuche gefüllt, Getränke abgefüllt. Alles geht seinen Gang und dann sind die beiden schon wieder verschwunden.
Die anzusteuernden VP Punkte habe ich mir als Längen- und Breitengrade in meine Liste notiert und ich muss Zahlenreihen wie 51.992513 / 9.546277 eingeben. Der Unaufmerksamkeit oder schlechten Lichtverhältnisse mache ich bei der Eingabe fahre ich nicht zu VP 11 sondern

Irgendwohin.
Ich stutze – Zum Glück kenne ich mich hier um Bielefeld mit dem Track ein wenig aus und ich weiß, das ich hier falsch bin. Also gebe ich die Längen- und Breitengrade erneuert ein und fahre zu

VP11 – Freitag 22:25 Uhr


Mittlerweile ist es dunkel und ich suche mir einen Platz an einem großen beleuchteten Restaurant Schild. Ich baue mich und alles andere auf und möchte mir Wasser für ein Heißgetränk machen. Da es windig geworden ist suche ich mir ein windschattiges Plätzchen auf dem Boden und starte den Brenner. Alles geht seinen Gang und ich richte mich gemütlich ein. Als ich Minuten später nach dem Wasser schaue steht alles in Flammen und riecht scheußlich. Mir wird sofort klar was passiert ist: Um den kleinen Kochtopf ist eine Art durchsichtiger Kunststoffbehälter zur Zu- oder Nachbereitung von Speisen. Den habe ich übersehen abzunehmen und so läuft der flüssige Kunststoff über den Brenner. Blöd, aber nicht zu ändern. Den Brenner kühle ich herunter, knibbel das erstarrte Kunststoff ab und starte von neuem.
Ein dunkler Kombi fährt vor und ich denke gleich an eine Zivilstreife. Die beiden Jungs gehören allerdings zum benachbarten Restaurant und fragen erst distanziert und dann immer freundlicher was ich hier treibe. Sie sind total interessiert, ich zeige ihnen mein Roadbook und wir drei quatschen 15min über den Ultralauf Sport. Zuletzt verabschieden sie sich mit den Worten: wenn wir noch was brauchen würden, sollten wir einfach zum Restaurant kommen. Tolle Menschen vom Restaurant Habichtshöhe in Bielefeld.
Dann sehe ich auch endlich die tanzenden Stirnlampen in der Dunkelheit. Marina und Ole haben es zu mir geschafft. Die Pausen werden länger, man merkt ihnen die noch nur körperliche Erschöpfung an. Sie stärken sich, wir drei laufen gemeinsam ein Stück in die Nacht hinein und ich packe wieder alles zusammen. Auf geht es zu

VP12 – Freitag 00:00 Uhr


Oerlinghausen – meine Perle. Dachte ich. So schnuckelig das Örtchen ist, ich finde den Track nicht. Weder meine ausgedruckten Karten, die Längen- und Breitengrade noch irgendwas anderes hilft mir und so schreie ich kurzerhand mein Auto zusammen. Das hilft aber auch nicht. Stattdessen parke ich irgendwo und mache mich zu Fuß zum Ortskern. Normalerweise gehen diese Fernwanderwege immer an der Dorfkirche vorbei und so finde ich irgendwann auf einem Schild das weiße “H” auf schwarzem Grund. Ich merke mir die Stelle, gehe zum Wagen und fahre zurück.
Es ist 23:45 Uhr als ein schwarzer Twingo neben mir parkt. Ein Typ steigt aus und geht zu meinem Fenster. Oh nein denke ich, die Dorfjugend ist auf Krawall gebürstet. Doch stattdessen ist es Daniel, auch ein Freund der beiden, der sich kurzerhand entschlossen hat, mitten in der Nacht mit Marina und Ole eine Stück zu laufen. Alles so herzlich Bekloppte.
Das muss man sich vorstellen: da ist ein Typ, der im Laufe des Feiertages einen Marathon gelaufen ist und quält sich nun nachts vom Sofa zum supporten. Mega!
Sie kommen zu zweit und gehen zu dritt. Es ist Nacht geworden, ich bin müde, die Kälte kriecht in die Klamotten aber klagen möchte ich nicht. Lieber fahre ich weiter zu

VP13 – Samstag ??:??


Meine Originalaufzeichnungen: “Keine Erinnerungen – komisch”

Auch im Nachgang habe ich keine Erinnerungen an diesen VP. Selbst wenn ich mir die Stelle bei Google Maps in der Naturdarstellung ansehe, habe ich einen Filmriss. Geschuldet der Müdigkeit? Wer weiß…

VP14 – Samstag 03:00 Uhr


Es ist mittlerweile ca. 03:00 Uhr morgens, ich stehe an der Zufahrt zum Hermannsdenkmal auf dem Parkplatz. Hier peitscht der Wind. Es ist eklig draußen, ich suche lange nach einem Plätzchen der wenigstens ein wenig geschützt ist. Die beiden haben sich Nudeln gewünscht und so versuche ich Wasser zum kochen zu bringen. Der Brenner muss alles geben. Auf einem Tisch leuchtet eine Petroleumlampe in die Dunkelheit. Ich will den beiden ein Licht in die Dunkelheit senden. Jetzt wo es hart wird, die Müdigkeit, die Dunkelheit, der Frust und die Kälte in jede Ritze kriecht muss ich besonders für die beiden da sein. Umso mehr freue ich mich, als die beiden kommen. Die Stimmung ist rauh und wortkarg, gefühlt sage ich Marina fünf mal, sie soll auf das siedende Wasser aufpassen, doch der schnell gegriffene Schlafsack schmeißt den Topf um. Ich bin gereizt, sie ist gereizt, wir entschuldigen uns, ich stecke die beiden ins Auto für ein Power Nap und fange wieder von vorne an. Mir ist kalt. Und so fang ich morgens um Drei mit meinem täglichen Lauf an: gut zwei km lege ich auf dem Busparkplatz zurück, ehe das Wasser wieder kocht. Streak geschafft, Essen ist da, allen geht es besser.
Solche Situationen gehören einfach dazu, übermüdet sieht man ob ein Team funktioniert. Und wir drei funktionieren. Nachdem Ole und Marina sich gestärkt haben geht es weiter. Mit steifen Knochen eiern sie vom Platz und laufen langsam an. Kein schönes Bild, aber so ist es halt. Ich packe ein und fahre zum

VP15 – Samstag 05:00 Uhr


ich fahre nach Horn-Bad Meinberg. Dort endet der Hermannsweg an den Externsteinen. Das wäre also der erste Teil des Tripps.
Mein Plan, die beiden an den Externsteinen zu empfangen misslingt. Entweder führen die Straßen ins Nichts oder sind wegen einer Baustelle gesperrt. Darauf habe ich überhaupt keine Lust. Schon im Hellen macht das keinen Spaß, nachts schon mal gar nicht. Ich halte an einem Parkplatz und checke die Situation. Ich verschiebe letztlich meinen VP etwa 300m von der Strecke und teile Marina und Ole die Situation und Position mit.
Müde und genervt lege ich mich einen Moment hin.
Da klopft es auch schon wieder am Auto. Ich muss wohl doch eine knappe Stunde geschlafen haben, denn es hat angefangen zu dämmern. ENDLICH!!! Die Nacht ist vorbei. Ich behaupte: nur wer mal die Nacht durchgelaufen ist, weiß wie sehnlich man auf diesen Moment wartet, wie sehr es einem einen Schub versetzt, die Laune steigt, die Hoffnung wieder da ist und wie froh man ist. Auch mir geht es gerade so! Wir lachen wieder.
Und die beiden haben das erste Teilstück geschafft. Trotzdem frage ich ob unsere Reise hier endet oder auf dem Eggeweg weitergeht. Sie geht weiter. Ich packe meinen Kram zusammen und damit der der nächste Stop nur 6km entfernt. Ich muss mich also sputen zu

VP16 – Samstag 07:30 Uhr


Ich bin mir sicher, ich bin an der richtigen Stelle. Die beiden sind sich sicher, sie sind an der richtigen Stelle. Treffen werden wir uns nicht. Dieser VP ist an einem Ort, an dem es keinen Handyempfang gibt. Weder D1/D2 noch E Netz. Ich habe das im Nachhinein gecheckt, weil ich wissen wollte was da los war.
In meiner Not fahre ich wieder zurück nach Horn-Bad Meinberg und versuche die beiden zu erreichen. Ich drücke immer wieder auf die Wahlwiederholung – nichts.
Darauf sind wir nicht vorbereitet. Was passiert, wenn man sich bis zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht trifft…? Diese Frage wird mich noch länger beschäftigen.
Irgendwann erreiche ich Marina, verstehe sie aber nicht. Dann klingelt Ole durch, verstehen kann ich ihn aber auch nicht. Irgendwann habe ich so viele Wortfetzen zusammen, das ich weiß, das es Marina gerade nicht gut geht und so fahre ich ihnen mit dem Auto entgegen.
Ich komme am geplanten VP vorbei, steige aus und schrei ihre Namen in den Morgen. Nichts. Also fahre ich weiter und wieder einmal stehe ich vor einer Schranke, hinter dem der Weg weitergeht. Ich packe allerhand Sachen, die sinnvoll sein könnten in einen Rucksack und hole mein Faltrad raus. Das Teil wollte ich eigentlich nutzen, um einen Kamerafahrt neben den beiden zu machen, jetzt “rettet der Bock Leben”.
Eine Dose Cola und Traubenzucker später, geht es Marina wieder besser und als ob nichts gewesen wäre traben die beiden weiter Richtung nächsten planmäßigen VP
Ich bin froh, das die Übergabe funktioniert hat und fahre zum Auto. Jetzt erst merke ich, das es zu regnen angefangen hat. Ich packe alles ein und es geht zu

VP17 – Samstag 09:30 Uhr


So richtig kann ich nichts machen: es regnet und ich kann nichts aufbauen oder vorbereiten. Also warte ich brav auf die beiden, die irgendwann auch eintreffen. Mein Notizbuch liest sich so: “Marina hat sich derweil eine Blase gelaufen und “versorgt” sie auf ihre Art. Dann schreit sie auf und wenn Marina schreit, dann tut es wirklich weh.”
Aktuell ist es ein Kampf mit der Müdigkeit, mit der Kraft. Ole und Marina verlieren zunehmend ihre fröhliche Art, werden stiller. Das Ding muss jetzt mit dem Kopf gelaufen werden. Ich versuche ihnen so gut wie ich kann beizustehen. Ich weiß, machen kann ich nichts, aber ohne mich geht es auch nicht. Also geht es stillschweigend Richtung

VP18 – Samstag 11:00 Uhr


Was soll ich sagen: es regnet mittlerweile Bindfäden, die Temperatur ist auf +4 Grad gesunken, Graupel mischt sich unter. Ich sitze im trockenen Auto, weiß aber was die beiden gerade mitmachen müssen. Am Auto angelangt, tauschen sie nasse gegen feuchte Klamotten, motivieren sich mit Musik und Albernheiten. Spaß ist anders, gelacht wird wenig.
Es ist wie es ist und weiter gehts zum

VP19 – Samstag 12:20 Uhr


So langsam bin ich wirklich genervt. Es regnet, mir ist kalt, ich bin müde, das Warten macht meinen Hintern platt. Ich stehe mit dem Auto neben einem Monumental Funkturm aus den 1970er Jahren mit gefühlt 13000 Antennen dran, doch Handynetz habe ich wieder mal nicht. Auch das nervt. Ich weiß nicht wo die beiden sind, ich habe keine Unterhaltung ohne Netz und das heißt für mich warten, warten warten.
Doch dann kommt endlich mal die Sonne raus, ich geh aus dem Wagen, wechsle die Straßenseite und da ist Netz. Schnell lade ich irgendwelche Party Songs herunter und warte mit meinem mobilen Bluetooth Lautsprecher. Als ich die beiden erblicke, starte ich die lautstark die Wiedergabe. Marina tanzt, ich tanze. So geht das!! Music makes us alive.
Gleich steigt wieder die Laune! Manchmal sind es die kleinen Momente im Leben, die uns nach vorne bringen.
So traben die beiden von dannen. Ich mache das, was ich seit 30 Stunden tue, einpacken und weiter zu

VP20 – Samstag ca 13:50 Uhr


Es regnet und es hagelt. Ich stehe an einem Fernfahrer Parkplatz und die Autos ziehen eine Gischt hinter sich her. Zum Glück ruft Marinas Kumpel Elzo an und wir quatschen allerhand belangloses Zeug. Es tut gut, einfach mal ein bisschen zu reden, vielleicht auch zu jammern, wie blöd gerade alles ist. Danke Elzo!!
Irgendwann hört es auf zu regnen und ich gehe den beiden einfach entgegen, Was soll schon passieren? Abhängen werden sie mich nicht, die deutlich besseren Beine habe ich. Nach ca. 1 km kommen sie mir grölend entgegen: 200km schreien sie. Für Ole ein weiterer Meilenstein, für uns alle das Gefühl so langsam auf die Zielgeraden einzubiegen. 26km sollten doch noch irgendwie gehen. Apropos gehen: die beiden gehen jetzt immer häufiger, was die Wartezeit für mich natürlich noch verlängern wird. Marina erzählt, das sie während des Laufens wohl geschlafen hat. Das erzählen sich die Ultras immer wieder, persönlich habe ich es noch nicht erlebt. Laufen und schlafen. Ein skurriler Modus. Alles wie gehabt, allerdings wünschen sich Marina und Ole, dass der nächste Abschnitt von fast 14 km unterteilt wird. Ich mache mich an die Planung und füge einen VP ein. Es ist der

VP20a – Samstag ca 14:50 Uhr


Ich spanne einen Spanngurt zwischen Auto und Verkehrsschild, hänge nasse Sachen auf und versuche sie zu trocknen. Dann packe ich alles wieder ein und koche mir einen Instantkaffee. Dann gehe ich die Straße auf und ab. Mir ist langweilig, ich habe alles gemacht, was man machen kann. Das erste Mal will ich nach Hause. Mein Notizbuch vermeldet: die Müdigkeit klopft ans Auto, sonst keine Vorkommnisse. Ich muss konzentriert bleiben, schließlich fahre ich Auto, so döse ich noch ein paar Minuten vor mich hin, bevor es weitergeht zu

VP 21 – Samstag ca 15:50 Uhr


Ich stehe in einem Kaff, dessen Name ich hier nicht erwähnen möchte. Nur so viel: ich halte, mache die Heckklappe auf und krame in meinem Vehikel. Dabei bemerke ich, wie mehr und mehr Bürger des Ortes plötzlich auf der Terrasse rauchen, im Garten arbeiten oder einfach doof glotzen. Ich weiß schnell, die Leute wissen noch vor mir was in meinem Blog stehen wird. Naja, das Telefon geht, Marina ist leicht gereizt am Telefon und fragt, wo ich denn wäre. Wir tauschen unsere Koordinaten aus und ich sage ihr ca. 300m. Eigentlich hat sie mit den 1,5km wie sie sagt eher recht. Also fahre ich den beiden schnell entgegen, damit meine gut gemeinte Flunkerei nicht auffallen soll. Sorry Marina: Im Krieg und bei einem Ultra ist sowas erlaubt.

Das Ziel – Samstag 18:30 Uhr


Ich habe im Kopf, das unser Trip an der Nicolaikirche in Obermarsberg enden soll. Als ich auf Marsberg zu steuere, sehe ich auf einem 130 m hohen steilen Hügel aus der Ferne die Kirche. Das kann doch nicht sein denke ich mir, die beiden schreien mir das ganze Dorf zusammen, wenn ich ihnen sage, sie sollen da noch hoch. Fairerweise telefoniere ich mit Marina, was zu tun sei. Sie sagt, ich solle entscheiden.
So stehe ich mit müden Augen auf einem Kindergarten Parkplatz, recherchiere und checke Strecken. Es gibt Routen, die vor der oben liegenden Kirche enden, andere vor dem Bahnhof oder sogar dem Parkplatz eines Supermarkts. Wir entscheiden uns für die eleganteste Lösung: Die Kirche vor dem Marktplatz soll unser Ziel sein.
Ich baue also meine Hütchen mitten auf dem Marktplatz auf, schreibe mit Kreide “Ziel” aufs Pflaster und warte auf die beiden Akteure. Zusätzlich entfalte ich zwei mitgebrachte Camping Klappstühle. Getreu Marinas augenzwinkerndem Motto: “Gesessen wird erst ab 100 Meilen”, haben sie diese Sitzmöglichkeit mehr als verdient.

Ich hacke immer wieder auf meinem Handy herum, versuche den Tracker zu aktualisieren um zu wissen wo die beiden sind. Ich kann es einfach nicht mehr erwarten, gehe immer wieder die Straße herunter und schaue. Dann höre ich ihre Stimmen. Mega!! Nach fast 36 endet dieses Aben(d)teuer im Gran Finale. Ich filme die letzten Meter der beiden.
Gegen 18:30 Uhr kommen sie müde, stolz und glücklich auf den Platz, genießen abgekämpft ihren Triumph. Wir lachen über die Klappstühle, sie fallen hinein und freuen sich. Ein wenig sehen sie jetzt aus wie deutsche Touristen, die auf Grund der Corona Krise nicht in den Urlaub können und Marsberg mit Mallorca verwechseln. Herrlich! Wir flaxen rum, machen Fotos. Meine Jeans hat die letzten 36 Stunden nicht nur als Putz- und Trockentuch hergehalten und sieht dementsprechend aus. So ist es mir herzlich egal auf die Knie zu fallen um die beiden zu lobhudeln. Welch ein Moment. Nur wir drei in einem kurzes Vakuum. Der gemeine Marsberger schaut uns verwundert zu. Uns doch egal, wir haben das Ding gerockt. “Mission accomplished” wie es so schön heißt.
Dann ist der Spuk auch schon wieder vorbei, die beiden buxieren ihre geschundenen Körper Richtung Auto, ich packe alles zusammen. Ole bringen wir zum Bahnhof, der am selben Abend noch nach Göttingen kann. Marina und ich fahren heim.

Im Auto herrscht eine komische Stimmung, nicht real, schier absurd. Es ist was passiert in den letzten 36 Stunden, das spüren wir beide.

So etwas muss verarbeitet werden und so schaffe ich es auch erst über eine Woche später das Erlebte in Worte zu fassen. Für die werte Leserschaft wird es eine fast sachliche Dokumentation sein, für mich ist die Schreiberei eine emotionale Achterbahnfahrt. Mehrfach sitze ich einfach da, schaue in die Ferne und nicht nur einmal bekomme ich wässrige Augen. Daran werde ich wohl noch länger “Spaß” haben.

Ich war bei dem Lauf nicht dabei und doch bin ich ein wichtiger Teil des Teams gewesen, ohne das dieser Trip vermutlich nicht durchgeführt werden konnte. Und so nah ich dabei war, so weit war ich weg. Ich habe meinen eigenen Ultra erlebt! Es war toll und es war schön. Und ich würde es immer wieder tun. Und gedanklich sind wir drei noch lange nicht im Ziel.

Danke Euch allen, dass ich Teil dieses Trips sein durfte.

…und jetzt geht es weiter zu Marinas post:

„Project Hermann“

Es ist verrückt. Es ist verrückt wie schnell eine Woche vergehen kann.
Vor gut einer Woche befand ich mich auf einem circa 70km langen Wanderweg namens Eggeweg um die restlichen Kilometer der 226km langen Strecke der sogenannten Hermannsshöhen zu Ende zu bringen. Zeit und Raum sind wie weggeblasen. Wir befinden uns seit jeher in einem Vakuum, schwer zu sagen wo wir uns also genau vor einer Woche befanden.
Wir? Ja, wir bedeutet, Ole und ich, immer mit Christian alias Schluppe an unserer Seite. Schluppe versorgt uns mit dem allerfeinsten Kram, den ein Läufer so braucht auf dieser Reise, er schmeißt den mobilen Verpflegungspunkt.
Und just als ich diesen Satz niederschreibe, merke ich, dass ich viel zu viel auf einmal erzählen möchte. Wenn ich an das Wochenende zurückdenke, erlebe ich mich wie ein kleines Kind, dass von seinem Geburtstag schwärmt. Aber vielleicht fange ich einfach von oben an.
Vielleicht mit der Frage, was ich letztes Wochenende überhaupt gemacht habe und wie das ganze entstanden ist.

Letztes Wochenende bin ich, gemeinsam mit Ole, die Hermannsshöhen gelaufen. Die Hermannsshöhen sind ein 226km langer Wanderweg, der den Hermannsweg mit dem Eggeweg vereint. Der Hermann ist hierbei circa 100meilen lang, der Eggeweg bildet also den Rest. Zusammen gehören sie zu den Top Trails of Germany aka die 14 schönsten Wanderstrecken Deutschlands.
Nun zähle ich zu dem Typ Läufer, die immer irgendwo hin mitgenommen werden und einfach laufen, ohne wirklich zu wissen, an welchem schönen Fleckchen sie wohl gerade sind (ich weiß shame on me) . Es ist also klar, dass ich vor einem Jahr noch nie etwas vom Hermannsweg gehört hatte, geschweige denn die Hermannshöhen kannte. Dies hatte Elzo im letzten Mai allerdings geändert. Er besuchte mich aus Holland für ein Laufwochenende und brachte eine Karte mit.
„Ob ich Lust habe, auf ein Abenteuer“ hatte er damals gefragt. Ich verstand die Frage nicht.

Im Laufe des Sommers bequatschen wir das Ganze und Schluppe brachte zufälligerweise den Einwand ein, dass es doch den 100meiler bereits gäbe, organisiert von Jan Olaf. Elzo und ich brauchten also nicht lange, bis wir uns entschieden uns für den Lauf anzumelden.
Und dann? Was passierte dann? Ich denke, die Gründe, warum das Jahr 2020 von der Bildfläche verschwand, muss ich nicht weiter vorführen.
Der Lauf verschwand also in eine gedankliche Kiste. Für mich war es eh nicht so wichtig, es wäre auch eh „nur“ ein weiterer 100meiler geworden. Warum ich das so schnippig sage?
Zwei Läufe mit über 200km sind gerade abgesagt worden. Zwei Läufe, für die ich nicht nur hart trainiert hatte, sondern die auch mein vorläufiger Abschluss in der Ultraszene sein sollten.

Nun kam alles aber eben anders, als man denkt. Und wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich irgendwo eine andere. Es kam eins zum anderen und so beschlossen Schluppe und ich das ganze doch irgendwie in Angriff zu nehmen. Nur leider fehlte Elzo, da er in der aktuellen Situation nicht nach Deutschland einreisen durfte. Sein Segen holte ich mir aber und eins kann ich Vorweg nehmen, gedanklich war er die ganze Zeit mit dabei.

Bereits die Planung dieses Abenteuers war ein wahrliches Fest. Es brachte uns Licht in dieser dunklen Wettkampfzeit und noch mehr Ablenkung. Und so wurde mir schnell klar, dass ich das ganze Projekt mehr als ein Laufvorhaben sah. Ich wollte andere daran teilhaben lassen, andere Menschen in dieser Zeit motivieren einfach weiterzumachen und das zu tun, was wir alle so lieben.

Mehr kann ich fast schon nicht zur Planung erzählen und beitragen, da Schluppe hier die meiste Arbeit hatte-konkludent hatten wir uns dazu entschieden er macht die Planung und ich bin für das Laufen verantwortlich. Fast schon witzig, dass ich drei Tage vor Beginn des Laufes nicht Mals den genauen Ort des Ziels kannte, oder?
Nun gut, ich erzählte einige wenige Freunde und Bekannte vorab von meinem Laufvorhaben. Und so fand ich schnell jemanden, den ich motivieren konnte das ganze mit mir gemeinsam durchzustehen. Ole war schnell angefixt und entschied sich seine bisher längste Strecke mit mir zu erleben, wie in guten so in schlechten Zeiten sozusagen. Die Ultraläufer an dieser Stelle werden es kennen.

Wir planten den Start für Freitag, den 01. Mai um 8 Uhr in Rheine. Einen Tag zuvor holte ich Ole vom Bahnhof ab und wir quatschten genüsslich bei der obligatorischen Pastaparty über die bisherigen Laufabenteuer, die wir bis dato erlebten. Wir gingen früh ins Bett, sollte uns der Wecker am nächsten Morgen bereits um 4.45Uhr wachklingeln. Dass mit dem Wecker ging auch leider etwas in die Hose, da ich ihn versehentlich auf 5.45Uhr stellte. Erste Bewährungsprobe für Ole, der mich um 5Uhr, Gott sei Dank, geweckt hatte. Wir packten unser letztes Zeug zusammen, tranken Kaffee und stiefelten los zum vereinbarten Treffpunkt. Um circa 7.45Uhr kamen wir an einem Bahnhofsparkplatz in Rheine an. Hier sollte es also in weniger als 20min losgehen. Irgendwie unspektakulär und irgendwie auch doch.
Auf Queens legendärem „Don´t stop me now” ging es um 8 Uhr für uns auf den Weg. Die Blicke der müden Taxifahrer gegenüber von uns werden unvergesslich bleiben. Und dann war es soweit, wir liefen, einen Schritt nach dem anderen. Krass, dass ich das jetzt gerade wirklich tue, hatte ich mir gedacht, lange Zeit immer wieder davon geredet und nun ist es endlich soweit. Oft, nein eigentlich immer, male ich mir vorab Gedanken aus, wie die Strecke so aussehen könnte, was man alles so erleben wird und nun werden diese Bilder im Kopf zur Realität werden.

Die ersten Kilometer liefen ausgesprochen gut. Ole und ich hatten uns viel zu erzählen. Und auch Schluppe war beschäftigt, hatte er doch meinen Instagram-Account bekommen um unsere Freunde „up to date“ zu halten. Wir blödelten und scherzen viel rum. An einer Aussichtsplattform standen einige Radfahrer, die irgendwie merkten, dass mit uns etwas nicht stimmte. Sie fragten schnell, was wir hier machten. Nachdem ich es ihnen erzählt hatte, wollten sie es nicht so recht glauben, dass wir 226km zu Fuß machten. Ich erwiderte lediglich „Ist doch schließlich Tag der Arbeit heute“- Hach, scherzen kann ich.

Auch der vorab bis ins kleinste Detail geplante Verpflegungsplan vom Schluppe schien gut aufzugehen.
Na ja, bis zum dritten VP. Nach den eigentlich geplanten 8km war nirgends eine Spur von Schluppe zu sehen. Wir hatten Angst, wir hätten ihn verpasst, sodass ich ihm kurzer Hand eine Sprachnachricht schickte. Geplante Kilometer von Zuhause aus, sind halt nicht immer reale Kilometer, manchmal passt das geplante eben nicht, manchmal zeigt eine Uhr mehr Kilometer an, als es eigentlich sind. Von da an wusste ich, das wird öfter passieren. Da Schluppe weiß wie sehr ich es hasse, wenn nach den exakt geplanten Kilometern nichts ist (stellt euch bitte mal vor, man läuft Marathon und nach 42,2km ist man aber noch nicht am Ziel), hatte er die nächsten Kilometerangaben großzügig geplant.

Es dauerte nicht lange da stoß Sarah zu uns. Sie fragte mich einige Tage vorher, ob sie uns ein kleines Stück begleiten könnte. Darauf freute ich mich sehr. Da Ole und ich noch nie zusammen gelaufen sind, wusste ich vorab auch gar nicht, ob wir funktionierten. Ihr kennt das sicherlich, es gibt Menschen, mit denen kann man einfach nicht gut zusammen laufen, irgendwie läuft der jemand in einen solchen Takt, dass es einfach nicht funktioniert, oder aber sie oder er ist zu schnell, man will aber nichts sagen, sodass man sich viel zu schnell „kaputtläuft“. Bei Ole und mir schien es aber echt gut zu funktionieren. Und auch mit Sarah war es ein wirklich tolles Miteinander. Der erste Vormittag war quasi so toll, dass ich bis vor einigen Tagen wohl oder übel vergessen hatte, dass es da bereits am ersten Tag geregnet hatte (ich weiß es immer noch nicht so wirklich, aber Schluppe hat es erzählt).

Ole und ich waren durch Schluppes Vorarbeit gut auf das Projekt vorbereitet, denn Schluppe hatte einen gpx-Track für uns erstellt, den ich auf meinem Navi während der gesamten Zeit mit mir hertrug. Es gab aber auch offizielle Markierungen, ein „H“ kennzeichne den knapp 156km langen Hermannsweg, ein „X“ den anschließenden Eggeweg. Wie es immer so ist, passt an manchen Stellen der Track mit den offiziellen Markierungen nicht. Da wir aber den offiziellen Wanderweg liefen, blieben wir, wenn möglich, auch auf diesem und folgten im Zweifelsfall dem „H“. Dies führte letztlich dazu, dass wir Schluppe beim nächsten VP verpassten. Wir liefen wohl parallel zu ihm.
Kurzer Hand rief ich ihn an und wir sagten ihm, dass wir noch genügend Verpflegung haben und wir uns am nächsten geplanten Ort treffen sollen.
Im Nachgang ist es übrigens völlig unmöglich, dass wir Schluppe an dem VP verpasst haben, der Turm an dem er nämlich stand und wartete, ist auf keiner der Strecken zu übersehen. Das berichtete auch Sarah, die die Teilstrecke am nächsten Tag nochmal lief.

Bis auf diese kleinen Vorkommnissen war das erste Drittel des Laufes schnell und kurzatmig durchlebt.
Wir liefen entspannt und hatten eine recht gute Durchschnittsgeschwindigkeit. Am frühen Abend plagte mich dann das Gefühl, dass ich arg langsam sei. Ich hatte das starke Gefühl, wir seien noch nicht wirklich weit gekommen bis dato, wusste ich doch auch nie wie viel Kilometer wir bereits in der Tasche haben. Da das Unterteilen in kleine Strecken von VP zu VP besser für meinen Kopf ist, und da ich auch Orte der Strecke nie zuordnen konnte, war ich zu diesem Zeitpunkt etwas genervt. Als Ole auf die Frage „Haben wir es noch weit bis zur 100“ mit „ja“ antwortete, war für mich dann gefühlt alles gelaufen. Erste Ängste machten sich breit. Wie soll es bloß weitergehen, wenn ich mich jetzt schon so fühle bei nicht Mals der Hälfte der Strecke? Am nächsten VP schrie ich förmlich Schluppe an, mir wenigstens zu verraten, ob wir die 60km-Marke denn erreicht hätten. Beide hielten still. Ob ich das im Nachhinein gut fand, ist schwer zu sagen.
Nach einigen wenigen Kilometern nach dem VP schaute ich versehentlich auf meine andere Uhr. Ja, ich trug zwei Uhren, eine wie bereits erwähnt für den Kopf und die andere für die FKT Seite. Genau, da habe ich doch glatt unterschlagen, dass der Lauf ein FKT (fastest known time) Versuch war. Nun gut, diese Uhr zeigte mir dann doch bereits 96,5km an. Halleluja. Ich hatte wieder Energie. Wir hatten in etwas mehr als 12 Stunden beinahe 100km gerissen mit einigen Höhenmetern. Geile Sache.
Na ja vielleicht motivierte mich auch zusätzlich die von mir gewünschte Pizza und der warme Zitronentee am nächsten VP.
An diesem VP stärkten wir uns für den heranbrechenden Abend und für die Nacht. Wir schnallten uns die Lampen um und düsten hochmotiviert weiter. Ab hier, war Ole noch nie angekommen, noch nie hatte er mehr als 100km gelaufen. Das musste ein unbeschreibliches Gefühl gewesen sein.

Am Abend konnten wir uns ein wenig mit den von uns geposteten Stories auf einigen social media Kanälen ablenken. Auch habe ich persönlich viele motivierende Nachrichten erhalten. Das hat mich wirklich sehr gefreut. An dieser Stelle natürlich nochmals herzlichen Dank an alle.
Es wurde zunehmend kälter und gefühlt noch dunkler. Als ich zufällig auf mein Handy schaute, erblickte ich die Nachricht von Daniel, der sich anbot noch einige Kilometer mit uns zu laufen. Auch dieses Angebot habe ich mit Kusshand angenommen. Leider war es gar nicht so einfach auf Daniel zu stoßen. Am ersten schnell vereinbarten Ort waren Ole und ich zu schnell, sodass Daniel anmerkte, er komme uns entgegen. Bei diesem „Entgegenkommen“ haben wir aber Parallelwege nicht mitbedacht, sodass wir uns erneut verpassten.
Ein neuer Plan musste schnell her, sodass ich ihm vorschlug, zum VP zu Schluppe zu fahren und auf uns zu warten. Schließlich trafen wir uns und liefen einige Kilometer gemeinsam. Daniel, der in Bielefeld wohnt, war ein perfekter Guide für die Nacht, Ole und ich hätten uns sicherlich dort einige Male verlaufen, wäre Daniel nicht gewesen. Übrigens ist es schon erwähnenswert, dass Daniel bereits am Morgen diesen Tages einen Marathon gelaufen ist. Die Laufgemeinschaft ist einfach großartig.

Gegen drei Uhr erreichten wir wohl das Hermannsdenkmal. Nein eigentlich waren wir schon daran vorbeigelaufen, denn als wir Schluppes nächsten VP erreichten, hatten die beiden mir dies eben genauso gesagt. Meine geografischen Kenntnisse sind der Hammer. Egal.
Wir waren alle zu diesem Zeitpunkt wohl etwas müde und leise. Die bisher so freudige Stimmung wurde zu keiner richtigen Stimmung mehr. Ole und ich schnappten uns an den VP´s nun unsere Schlafsäcke um uns in der Nacht während der kurzen Pausen etwas wärmer zu halten. Drei Mal sagte mir Schluppe, dass ich mit meinem Schlafsack aufpassen solle, damit ich den Brenner nicht umkippte. Mein Hirn muss zu diesem Zeitpunkt nicht mehr richtig funktioniert haben, denn ich erwiderte zwar mit einem „Ja“, passte aber nicht richtig auf und der Brenner mit warm werdenden Wasser fiel selbstverständlich um.
Schluppe war angefressen und packte uns mit den Worten „Ihr schlaft jetzt erstmal 15minuten“ in den Wagen. Nach zwei Minuten Stille, merkten Ole und ich aber, dass wir beide überhaupt nicht müde sind und standen wieder auf. Nur blöd, dass wir nicht aus dem Auto kamen und Schluppe gerade seinen Streak absolvierte.

Das letzte Stück des Hermannsweges brach nun an und wir freuten uns, wenn es langsam wieder Tag werden würde. Es wurde still um uns, sodass uns in der Nacht ein gemeinsamer Freund anrief, der wissen wollte, ob wir denn noch laufen würden. Wir trotteten still und liefen mal nebeneinander, mal hintereinander hinterher. Als wir die Externsteine dann endlich erreichten, war es so, als würden wir nun endlich wieder wach werden. Vielleicht lag es aber auch daran, dass es nun langsam anfing zu dämmern.
Wieder ein weitere Ritterschlag für Ole, der nun seinen ersten 160km Lauf absolviert hatte und das Ganze in knapp 22 Stunden.
Als wir auf den Eggeweg zuliefen, passierte nicht ganz so viel, wir liefen eher still nebeneinander her.
Ich weiß, dass ich im nächsten Abschnitt beim Laufen schlief, denn ich fand es ganz witzig, dass Ole dies nicht mitbekam. Allerdings habe ich deshalb auch keine Erinnerung mehr an diese Passagen.
Der Eggeweg war nicht mehr ganz so schön wie der bisherige Hermannsweg. Er glich mehr einem breiten Feldweg, der nach jedem Kilometer, wenn es um die Ecke ging, wieder genau gleich aussah. Und es wurde zwar heller, allerdings wurde es auch kälter und es regnete stark. Ole und ich hörten zu diesem Zeitpunkt jeder mit seinen Kopfhörern Musik um uns von dem Wetter abzulenken. Die drei Lagen Klamotten, die ich trug, waren durchnässt. Noch schlimmer wurde es, wenn wir an der Verpflegung eine kurze Weile Pause machten und danach wieder anliefen. Alle meiner Körperstellen waren kalt, steif und müde. Auch die Teilstrecken zum nächsten VP wurden länger, weil wir natürlich langsamer wurden. Wir hatten keine Lust mehr. Wir waren fertig. Sozusagen „done“, wie ich immer so gerne sage.
Als wir erneut Schluppe aufgrund eines Wegefehlers (vermutlich durch Ole und mir verschuldet) verpassten, war meine Laune wie weggeblasen. Ich hatte Hunger, ich hatte Durst, mir war kalt und mein Körper war müde. Noch schlimmer war es, dass wir Schluppe nicht erreichen konnten, da wir uns an dieser Stelle in einem Funkloch befanden. Bevor Ole und ich uns dann weiter ankeiften, entschieden wir uns einfach still hintereinander herzulaufen. Auch das muss man können. Stille aushalten. Wie motiviert man sich an dieser Stelle? Schwer zu sagen, ich denke man läuft einfach, einen Schritt nach dem anderen, ohne viel darüber nachzudenken. Und natürlich mit dem Wissen, dass es nicht mehr weit ist zum Ziel.

Einen neuen Motivationsschub gab es erst, als wir die 200km Marke erreichten. Wir konnten wieder lachen und scherzten herum. Die letzten 26km. Sechsundzwanzigkilometer! Das ist nichts. Aber leider hatte ich einen kleinen Denkfehler mit den nächsten VP´s, sodass ich dachte, wir haben weniger Kilometer vor uns als es tatsächlich waren.
Ich erinnere mich an dieser Stelle an ein Gespräch mit Ole, bei dem er überrascht feststellte, dass die Phasen, an denen es einem schlecht geht, viel länger anhielten, als bei einem Marathon.
„Bei einem Marathon weiß man, dass es einem zum Ende hin kurz schlecht gehen würde, aber das geht auch schnell wieder vorbei. Hier halten sich die Phasen gerne mal über Stunden. STUNDEN!“
Genau, ich hing auch wieder in so einer „schlechten“ Phase. Und auch Ole, war so müde, dass das vorletzte Stück zu einer langen Wanderpassage wurde. Höhen und Tiefen gibt es bei einer solchen Länge nun immer mal wieder. Gott sei Dank wechselten sich Ole und ich uns hier ab, sodass wir uns super ergänzten.
Am letzten Stück war es nämlich so, dass Ole so motiviert war, dass er glatt in einem 6er Schnitt laufen konnte und ich überhaupt keine Lust mehr hatte, sodass ich von allen um mich herum genervt war.
Als Schluppe dann auch noch anrief um mich zu fragen, wo das Ziel sein sollte, wollte ich nicht mehr. So überhaupt gar nicht. Soll er doch entscheiden. Mir ist es egal. Hauptsache wir laufen nicht mehr Kilometer als wir planten. Wir entschieden uns für die Kirche in Marsberg.

An dieser Stelle würde ich gerne beschreiben, wie emotional unser Zieleinlauf war. Es war aber leider nicht so. Wir waren froh und dankbar, dass Ziel erreicht zu haben, klar wir waren happy. Wir freuten uns aber auch endlich heimfahren zu können um uns ins Bett zu legen.
Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich keine Ahnung wie lange wir unterwegs waren. Am nächsten Tag erfuhr ich es waren 34 Stunden und 55 Minuten.
Es dauerte einige Tage bis ich realisieren konnte, dass ich wirklich 226km gelaufen bin, meine zweitlängste Distanz bisher und das einfach so. Es fühlte sich an als würde für ein kurzen Moment die Zeit stehen bleiben und erst dann weiter gehen, wenn wir wieder Zuhause sind. Eine solche Distanz gleicht einem einwöchigen Wanderabenteuer, vielleicht auch aufgrund der emotionalen und körperlichen Achterbahnfahrt.
Ich erhielt so viele Motivationsnachrichten, dass ich mich mehr als freute. Mein Ziel, mit diesem Projekt mindestens einen Menschen zu motivieren, hatte ich erreicht. Es war der Wahnsinn. Es war ein unglaubliches Gefühl.
Wie ich bereits zu Beginn erwähnt habe, befinde ich mich wahrscheinlich immer noch in einem Vakuum, denn dass das ganze Abenteuer schon vorbei ist, habe ich vermutlich noch nicht ganz begriffen.
Es dauert einige Tage, bis man verarbeitet, was man da geleistet hat, was WIR geleistet haben.

Vielleicht planen wir bald schon das zweite Abenteuer. Vielleicht aber auch nicht. Vielleicht wurden durch dieses kleine Projekt andere motiviert, eigene Grenzen zu durchbrechen, vielleicht aber auch nicht.
Eines kann ich mit Sicherheit sagen, ich vermisse die Wettkämpfe, weil ich es vermisse, meine Freunde zu treffen und neue Menschen kennen zu lernen. Durch das Projekt habe ich genau das gehabt, das Gemeinschaftsgefühl, das Wiedererkennen meiner Gründe fürs Laufen. Für mich wird es für eine Zeit lang erstmal so weitergehen, eigene Projektvorhaben umzusetzen und mal erforschen wie weit ich komme, wen ich kennenlernen und wen mitnehmen darf. Ich freue mich auf diese Pause. Ich freue mich, dass ich Laufen kann, wo und wann ich will. Außerdem freue ich mich darauf neue Abenteuer zu erleben. Run free, run wild.

Und weiter geht es zu Oles Impressionen:

Projekt Hermannshöhen

Nun schreibe ich auch einmal meine Gedanken zu unserem Projekt Hermannshöhen nieder. Ich finde es immer sehr schwer meine Läufe, Wettkämpfe oder Abenteuer in Worte zu fassen.  Aber dieses Projekt ist es wert niedergeschrieben zu werden.

Ich möchte einmal damit anfangen warum ich überhaupt Ultras laufe. 

Ich habe früher nie an Wettkämpfe gedacht, war in der Schule nie der Wettkampftyp, sondern bin einfach nur gerne und lange in die Natur gegangen. So ist es heute noch. Dies ist vielleicht der Grund warum die Corona Zeit mir wenig ausgemacht hat und ich gemerkt hab, dass ich sportlich nochmal einen richtigen Sprung gemacht habe. 

Aber irgendetwas fehlte dann doch. Ich konnte mich selbst nicht zu einem „richtigen Projekt“ motivieren oder bewegen.

Ich merkte, dass doch etwas fehlt. Die Erinnerungen an meinen letzten sehr erfolgreichen Wettkampf im Februar kamen immer öfters hoch. Dort lernte ich Marina kennen. Was heißt kennen lernen, es waren eher fünf Minuten Smalltalk. 

Am Ende Mai hatten wir eine Konversation über Instagram in der Marina erzählte Sie wolle den Hermannsweg laufen. Großartig dachte ich mir, aber nichts für mich. 100 Meilen ist nicht meine Distanz. Da warte ich lieber noch etwas. Aber viele werden es kennen, wenn sich ein Gedanke erst einmal im Kopf herumschwirrt usw.

Die Zeit verging ich hatte durch Corona viel Zeit für Sport. Zehn Tage vor dem Projekt läutete Marina ihr Vorhaben mit einem Instagram Post ein. Doch ein Hashtag verriet, das es 226KM werden sollten. Damit war ich endgültig raus. 226 Km unmöglich für mich. Hermannsweg und Eggeweg kombiniert auf keinen Fall.

Zum Glück hat Marina nicht locker gelassen. Drei Tage später war ich dank der Überzeugungsarbeit von zwei Menschen, überredet mitzukommen. So richtig überzeugt war ich allerdings noch nicht. Das war eine Woche vor dem Lauf. Manchmal macht man sich Wochen vor einem Lauf verrückt, stellt sein Training um oder beginnt mit dem Tapern und ich soll jetzt einfach so laufen?

1 Mai. 2020

 Ich stehe mit zwei mir fast unbekannten Personen am Bahnhof in Rheine. Kein Problem wir sind alles Ultraläufer, wir wissen, wir haben die gleiche Basis. Das funktioniert in den meisten Fällen blind. 

Aber kann das auch über anderthalb Tage gutgehen? Ich versuche alle Gedanken, die mir durch den Kopf schwirren zurückzustellen. Ich weiß ich darf nicht viel bei diesem Lauf denken. Ich muss ein Vakuum in mir schaffen. Wir laufen los. Ich bin unsicher, soll ich viel reden oder weniger. So trotten wir los. Die ersten Km laufen flach, ja schon eher langweilig, gut um schon einmal in einen Trott zu kommen. Die Navigation pendelt sich ein. Marina, die den Hauptteil der Navigation Arbeit übernommen hat macht einen guten Job. Und wenn wir mal einen Abzweig verpassen, meldet sich die Uhr und wir korrigieren. Am ersten VP wartet Schluppe wir haben Spaß und machen unsere Scherze. Ich fühle mich wohl. So geht es immer weiter. Die Strecke wird schöner hat immer mehr kleine Anstiege und Downhills. 

Marina läuft immer von VP zu VP und weiß nicht die gesamten Kilometer. Ich nehme mir vor auch nicht mehr auf die Uhr zu schauen. Eigentlich gar nicht meine Art. Ich liebe es zu wissen wie weit es noch ist und wie viele Höhenmeter noch kommen. Aber ich versuche es, stelle auf der Uhr die Uhrzeit ein. Lustig meine Uhr zeigt nur die Uhrzeit an denke ich zwischendurch. 

Die Landschaft fliegt weiter an mir vorbei. Wir haben beste Laune. Kurz bevor Sarah uns auf der Strecke trifft, erreicht uns ein kurzer Regenschauer. Aber zum Glück ist es kurz danach wieder sonnig. Die Kilometer mit Sarah machen wirklich Spaß. Allerdings sind da zwischendurch immer wieder dies kleinen fiesen Anstiege. Ich merke das wird hart werden. Die bringen keine Höhenmeter machen aber trotzdem müde. Egal kühlen Kopf bewahren und langsam machen. 

Es klappt zwischen uns richtig gut. Die Phasen, in denen wir Blödsinn machen und in denen wir einfach nebeneinander herlaufen sind sehr ausgewogen. Zwischendurch freue ich mich immer wieder auf Schluppe, der mit seinen mobilen VP fast alle 10 km an der Strecke positioniert hat. Die orangen Warnhütchen haben mir immer ein lächeln ins Gesicht gezaubert. Irgendwann sagt Marina, dass Sie gerne Musik hören möchte. Ok denke ich und setze meine Kopfhörer auch auf und versuche mich auszubremsen. Musik macht mich schnell das kann ich hier nicht gebrauchen. Die Musik dröhnt ich habe das Gefühl dass wir beide beste Laune haben.

Dann schaue ich dann doch ausversehen auf meine Uhr. 70 km Uff… fühlt sich komisch an, ganz schön viel, aber doch so wenig. Bin aber doch froh zu wissen, wo wir sind und dass wir nicht zu langsam unterwegs sind. Ich versuche alle Gedanken zu verdrängen. Anscheinend denkt Marina genauso. Irgendwo bei Kilometer 73 fragt sie mich ob es bis zu den 100 km noch weit sein.

Was soll ich jetzt sagen? Ja bis 100 km ist es noch ganz schön weit oder lieber ne sind ganz nah dran…

Ich weiß nicht mehr was ich gesagt hab aber irgendeine Mischung war es wohl. Beim nächsten VP. bei Km 82 fragte Marina sichtlich genervt Schluppe ob wir den wenigsten schon 60km haben.  Man merkt, dass es ihr nicht gut geht.

In diesem Moment habe ich nur gedacht „Scheiße was hast du getan. Das wollte ich auch nicht. Wie komme ich aus der Situation wieder raus?“ Ich hatte mir ungefähr ausgerechnet, dass wir für die 100km 12h benötigen würden. Viel schneller, als das was ich erwartet habe. Wir waren voll im Soll.

Zum Glück fragte Schluppe uns, ob wir etwas am nächsten VP etwas wünschen.

Marina antwortet sofort; „Pizza“ Puh dachte ich nur. Der Gedanke an das Essen lässt sie hoffentlich die Kilometer vergessen. Also weiterlaufen. Weiter zur nächsten Verpflegung hangeln und die Laune hochhalten. Hat wunderbar geklappt. 

Zu diesem Zeitpunkt hat mich schon ein ganz schönes Vakuum umgeben, ich habe gemerkt, wie ich immer ruhiger wurde und in mich gekehrter. 

Der Gedanke was nach den 100km kommt setzte sich in meinem Kopf fest. Auf einmal holte Marina mich aus meiner Gedankenwelt. Sie hatte auf Ihre zweiten Uhren geschaut und die gesamten Km gesehen. Fast 100. Zack da war die Laune trotz strömenden Regen wieder da 😊 

Kurz vor den 100km wartete Schluppe mit Pizza und Tee unter einer Brücke auf uns. Wie romantisch.

Auf dem nächsten Teilstück erwartete uns ein schöner Sonnenuntergang und wirklich schöne Aussichten. Zum Glück gibt es heute Social-Media. Immer wieder wurden wir beide von ganz lieben oder sehr motivierenden Nachrichten abgelenkt. Das hat und beiden zu diesem Zeitpunkt wirklich sehr geholfen.

Nun kommt die Nacht. Bisher bin ich nur zwei Mal in die Nacht hineingelaufen. Ich war gespannt was uns erwartet. 

Marina verabredete ein Treffen mit Daniel.  Am vereinbarten Treffpunkt war er noch nicht. Er wollte uns entgegenkommen. OK kein Problem meine Laune war gut. Etwas Abwechslung und das auch noch nachts tut gut. 

Wir kommen an eine Weggabelung. Der GPS Track von Marina sagt Links. Ich habe einen Einwand, da die offiziellen Wegweiser nach rechts zeigen. Marina gibt nach.  Also laufen wir rechts. Aber sicher bin ich mir auch nicht, nach ein paar hundert Metern merken wir, dass wir vom Höhenkamm abkommen. Mit dem Gedanken das sich Daniel auf dem parallelen Weg oberhalb befindet, checkt Marina ihr GPX Gerät und Handy. Da passiert es. Ein Stock schiebt sich zwischen Marinas Zehen, da sie in Sandalen läuft, ist auch gleich die Haut an einem Zeh komplett weg. Ich fühle mich scheiße, nur weil ich mal wieder nicht den Mund halten konnte. Wie oft haben wir an diesem Tag schon erlebt, dass Wegweiser falsch aufgebaut waren.  Ich bin unglaublich wütend auf mich selbst. Zum Glück nimmt Marina, zumindest nach außen, alle sehr gelassen. Und so treffen wir Daniel am nächsten VP und er läuft ein gutes Stück der Hermannlaufes mit und unterhält uns sehr gut. Vielen Dank dafür.

Es wird sehr kalt in der Nacht. Am Hermannsdenkmal beginne ich das erst mal zu frieren. Es ist in der Nacht viel kälter als erwartet und der Kalorienverlust tut sein Rest. Das loslaufen nach den kurzen Pause und der guten Versorgung von Schluppe fällt zunehmend schwerer. Egal machen wir ja alles freiwillig und außerdem sind die Externsteine nicht mehr weit. Ich kannte im Voraus nicht viel von der Strecke oder Gegend. Aber die Externstein sind mir ein Begriff und ich wollt da immer mal hin. Ok wieder mal einen kleinen Happen Motivation gefunden.  Sehr gut ich merke das ich mich immer noch freuen kann. 

Angekommen an den Steinen beginnt die Morgendämmerung, geil ich schalte meine Lampe auf volle Stufe und beleuchte den ganzen See und die Steine. Genauso wie ich es schon auf unzähligen Bildern gesehen habe. Hier hat mein Onkel schon einmal Polarlichter gesehen und unglaubliche Fotos gemacht. Diese Bilder habe ich im Kopf.

Schluppe wartet 300 Meter entfernt auf uns. Beim Zähneputzen fragt er uns, ob wir weiterlaufen wollen. Zu diesem Zeitpunkt haben wir den Hermannsweg mit seinen 156 km geschafft. Da denke ich gerade nicht mehr dran. Aber es geht uns vergleichsweise gut, also warum sollten wir aufhören? 

Nun geht es auf den Eggeweg. Ich weiß das es nicht mehr weit ist bis zu den 100 Meilen.

Es wird zunehmend heller und ich begreife, dass das Wetter am zweiten Tag sehr schlecht werden wird. Ok hilft ja nichts. Wir laufen in ein kleines verlassenes Tal. Kein Netz schlechtes GPS Signal, unverständliche Beschilderung.  Ich habe keine Ahnung wie wir uns verpasst haben und wo wir anders hätten Laufen müssen. Wir hatten nur kurz telefonisch zu Schluppe Kontakt. Um zu ihm zu kommen, hätten wir ca. 500 meter zurücklaufen müssen. Marina war zu diesem Zeitpunkt sehr angefressen. Zurücklaufen war für sie keine Option, also weiter den Berg hoch.

 Ich hatte auf der Karte gesehen, dass nun endlich ein längerer Anstieg auf uns wartete. Sehr gut, den Berg hoch stapfen kann man immer. Zwischendurch mal die Uhr angeschaut.  Bäääm 160km voll. Innerlich Feuerwerk und Freude. Nach außen lieber nichts zeigen, ich weiß nicht wie Marina reagieren würde. 

Ab jetzt beginnt eine Phase, die ich schwer beschreiben kann, ja sogar ein ganzer Tag. Ich hatte erwartet, dass mich irgendwann die Schmerzen einholen. Bis jetzt tat irgendwann immer etwas weh. Aber irgendwie kam kein Schmerz. Natürlich der Körper wurden müde, aber es tat nichts richtig doll weh. Also keine Pain Cave für mich. Ich war eher wie in Trance, einfach immer weiterlaufen. So langsam begriff ich, was ich hier überhaupt mache. Ich habe allerding viele Stunden vom zweiten Tag ausgeblendet. Und sie sind auch im Nachhinein nicht mehr da.

Irgendwann kamen die 200 km dieses Mal habe ich mich gefreut, denn das Wetter wurde besser und Marina wusste die Distanz. Jetzt noch 26km das muss doch machbar sein. Naja gut, wir haben nur noch 6-7 km in der Stunde gemacht. Macht noch über 4h bloß nicht dran denken. Weiter Party machen, ob man es glaubt oder nicht wir waren zwischendurch immer noch lustig drauf.

Bei Km 203 wartet ein 3km langer Anstieg. Nicht richtig steil, aber auch nicht flach so 10% Steigung. Ich schlafe immer wieder beim Gehen ein und sehe Waldarbeiter im Wald, um kurz später festzustellen, dass dort niemand ist. Am höchsten Punkt bei Km 210 entscheidet sich meine Uhr den Lauf zu beenden und abzubrechen. Ich bin unglaublich wütend.

 Marina meint zu dem Zeitpunkt, dass es nur noch 7 km sind. Zum Glück liest sie nicht die Wegweiser, die mir verrieten, dass es noch 16 km sind. Egal einfach weitermachen. 

Bei Km 215 machte Marina eine kurze Pinkelpause. Ich weiß bis jetzt nicht was mich da übereilt hat. Jedenfalls fing ich zu rennen, den Anstieg hoch, die Uhr zeigte 5:30min/km an. Oben angekommen hatte ich ein schlechtes Gewissen, wir hatten uns 33h nicht aus den Augen gelassen, immer Sichtkontakt und jetzt laufe ich einfach so weg? Auf der anderen Seite merkte ich das meine Beine, die durch das Tempo entstandene Dehnung brauchten. Sie fühlten sich wieder etwas mobiler an. Auch hier verzeiht Mariana mir wieder einmal. Eine bessere Laufpartnerin kann man sich nicht wünsche, dachte ich mir.

Nun kamen noch Zwei Dörfer, 9 km. Harter Asphalt und Wellig. Ich fing an die Km anzusagen. Irgendwann überkam mich ein Gefühlt der Freude, aber nicht für mich, sondern für Marina. Ich dachte mir wow gleich hat sie ihren Lauf geschafft und ich darf sie auf den letzten Kilometern begleiten. Ich begriff nicht mehr das ich Teil dieses Projekts war. Es fühlte sich einfach wie einer dieser Trainingsläufe nach einer Partynacht an. Kotzübel und Müde aber man freut sich, dass man laufen darf. Dieses Gefühl hat bis ins Ziel angehalten.

Nach 226 km und 34 h, 55 min erreichten wir Marsberg. 

Das sind die Gedankenfetzen, die ich noch von diesem Lauf habe. 

Ich kann mich gar nicht oft genug bei Schluppe und Marina für dieses Wochenende bedanken. Es hat mich mit so viel Glück erfüllt wie schon lange nichts mehr. 

Und was bleibt? 

Wir werden wohl noch öfters zusammenlaufen. Das war das Chapter One von den TToG .

Danke Dir Marina, dass Du mir erlaubt hast, Deine Geschichte hier zu veröffentlichen. Und Danke dir Ole, du hast mir gezeigt, was man schafft wenn man die “Eier hat” über seinen Schatten zu springen. Und auch Du mir deine Gedanken zur Verfügung gestellt hast.

Im Märzen der Läufer…

Zu allererst einmal muss ich was loswerden:

ALLES WIRD GUT!

Ich finde es sehr beeindruckend, das sich das Volk doch so langsam an die Kontaktsperren hält und so hart es auch ist, durch diese etwas einsame Zeit wandelt.

Denjenigen, die es immer noch nicht kapiert haben muss ich sagen, das ihr u.U. dafür verantwortlich seid, das Menschen umkommen. Und vielleicht ist der nächste Mensch ja Deine Lieblingsoma.

UND MEIN ALLERGRÖSSTER RESPEKT GEHT AN DIE VIELEN VERKÄUFER*INNEN, DIE DEN LIEBEN LANGEN TAG DAS GEMECKERE DER KUNDEN ANHÖREN MÜSSEN. DANKE!!!!!

Was ist sonst noch passiert?

In den Staaten gibt es einen unter Läufern ziemlich bekannten Videoblogger: der Ginger Runner macht immer mal wieder mit Tests, Läufen und Experimenten auf sich aufmerksam. Eine Sache hat mich doch wirklich beeindruckt: Seine “100 Mile Training Week”, also 160km in einer Woche.

Ich habe mich schon des längeren mit dieser leicht verrückten Idee beschäftigt und letzte Woche war es dann soweit. Es öffnete sich genau ein Zeitfenster, bei der meine Frau morgens um 5 aufstehen musste und so konnte ich passend und früh meine Laufsachen schnappen.

160 km können bedeuten: 7x 23km oder 1x 30, 5x 20 1x 30k, oder oder oder…. Ich lief einfach los.

Montag schaffte ich in 2 Durchgängen insgesamt 34km, Dienstag 21km. Mittwoch quälten mich erste graue Gedanken Wolken bei fast 23km, Donnerstag waren das dann dramatische 5km. Kopf und Bauch fochten energisch mit- und gegeneinander, der Kopf wollte weiter, der Bauch (mein treuer Lebensberater) sprach ernst zu mir: Das was ich hier gerade veranstalte, ist Verrat an den gesunden Menschenverstand. In einer schwierigen Zeit, bei der das Immunsystem wichtiger denn je ist, laufe ich hier nicht in Maßen, sondern einem verrückten sinnleeren Ding hinterher.

Das beschäftigte mich wirklich den ganzen Tag und so beschloss ich folgendes: ich würde am Donnerstag Abend noch eine Runde drehen und wenn der Bauch weiter rebelliert, würde ich die Aktion einstampfen und vertagen. Nun ja: 14km sind es Abends noch geworden, ich war zurück im Spiel. Jubelnd kam ich zu Hause an, duschte und konnte nicht einschlafen. Na toll… In wenigen Stunden würde der Wecker gehen und mich zur nächsten Einheit herausklingeln.

Freitag kamen dann weitere 19km zusammen, Samstag dann fast 33km. Am Sonntag dann holte ich mir meinen Triumph ab und brachte voller Stolz das Ding nach Hause. Sehr cool eigentlich!!!!!

Heute am Montag habe ich mir die minimal erforderliche Streakrunde von 1,6km verordnet. Und vielleicht morgen und übermorgen auch. Gönnen wir dem Körper und Geist ein wenig Ruhe.

Hä, Geist? Ja genau! Auch für meinen Kopf war es eine unruhige Woche. Ich bin mittlerweile so dem Streak “verfallen” das mir solche Trainingsforderungen fast schon zu wider sind. Lieber laufe ich so wie ich will. In meiner Routine: aufstehen, zwei Glas Wasser, einen dünnen Kaffee und los!

Und jetzt bitte ich Euch noch um zwei Kleinigkeiten: lauft wirklich nur in euren Limits, wenn Covid-19 den nächsten Stern attackiert, ist genug Zeit für Blödsinn. Und bedankt euch mal mit ein paar Blumen oder einer Schachtel Merci bei den vielen Menschen da draußen, die für uns den Ars… hinhalten, damit du in Ruhe schei… kannst.

Glück auf. Hände waschen nicht vergessen!

It´s me – an Einsiedler

Ich bin müde, ich kann und will es nicht mehr hören. Man könnte natürlich sagen, ich wäre desinteressiert. Mag sein…

Seit einigen Tagen habe ich die Twitter App von meinem Handy gelöscht. Und ja, ich leide. Ich vermisse diese lustige Dumm- und Dümmerquatscherei, das Necken und die Diskussionen über Equipment Gadgets. Aber viel mehr hat mich das ständige Gemeckere genervt. Es nervt einfach. Es ist mittlerweile gefühlt alles falsch was im Kleinen wie auch im Großen passiert und jeder muss mit 280 Zeichen seinen Senf dazu geben. Das hat mich gestresst.

Jetzt ist es ruhiger, nicht immer besser, weil ich viele meiner virtuellen Kontakte wirklich mag und ich vermisse sie. Aber es wurde mir zu viel…

Instagram habe ich auch vom Handy gelöscht: übertriebene vielleicht sogar falsche gute Laune – auch damit komme ich nicht mehr klar.

Die letzten Tage war ich vermehrt auf Facebook unterwegs. Auch da fange ich an, die “Nerver*innen” aus meinem Followerkreis zu schmeißen. Es wird also einsamer.

Dann bleibt da noch das Sport Portal STRAVA – warum zwiften die Menschen jetzt quer durchs Land? Früher ging man raus….

Ich will und muss hier nochmals ganz klar darstellen: mir ist es nicht egal, wie es der Welt geht, wie es den Menschen geht, was in der Politik los ist und nach den Dramen in Thüringen bin mehr als froh, durch eine eher linke Pubertät gegangen zu sein und jetzt stolz sagen zu können: Die AFD und der ganz braune Mopp ist eine Gefahr für dieses Land und muss verboten werden.

Und doch wird es leiser um mich. Erleide ich gerade einen Social Media Kollaps? Ich weiß es nicht genau. Mir geht es gut und ich bin (prinzipiell) ausgeglichen, also nicht ein meckerner Mitvierzieger, der den Kids das Fußball spielen verdirbt und den Ball einsackt. Es wäre toll, wenn es mal wieder mehr Kids gäbe, die Dreck fressen, Regenwürmer untersuchen und bei Regen durch Pfützen springen. Diese Eltern, die mit ihren Hygiene- und Desinfektionstüchern ständig hinter ihrem Nachwuchs herputzen. Ein Grauen!

Zum Glück ist dieser Blog mein Blog und ich kann und darf sagen, was ich will, quasi als Therapieventil. Und wer mich kontaktieren will kann das gerne über die verlinkte Email Adresse des Blogs tun. Ich würde mich auch sehr über Kommentare und Ideen freuen. Und es wird der Tag kommen, an dem ich wieder da bin. Oder auch nicht… 😉

Ich bin ja nicht weg! Email, Whatsapp, Threema und co. sind bei mir.

Passt auf Euch auf!

#RUNTZEE – Wir machen doch nur Spaß…

Damit meine Streakerei gerade in den Wintermonaten nicht zu langweilig wird, kam mir Mitte Dezember eine im nachhinein ziemlich bekloppte Idee. Mit diesem Aufmacher kann ich wahrscheinlich keinen mehr überreden weiter zu lesen. Doch in diesem Fall lohnt es sich wirklich. 🙂 Also am 01. Januar 1 km (1,6 km als Streak Erhalt) laufen, am 2. Januar 2 km laufen, am 03. Januar 3 km laufen, … bis zum 31. Januar und dann halt 31 km laufen. Nicht mehr, nicht weniger. In erster intensiver Klausur stellte ich eine kleine Überschlagsrechnung der Wochenumfänge an und stellte fest, dass die erste Woche mit 28 km locker machbar wäre, die zweite Woche mit um die 70 km so lala, die dritte Woche mit mehr als 120 schwerst machbar, Woche 4 zumindest für mich nicht möglich. Der daraus resultierende Gedanke war nun, die Laufkilometer so zu setzen, wie ich kann und will, aber immer nur einmalig. Ergo am 03. Januar z.B. 12 km, am 22. Januar 4 km, … Somit sind 12 und 4 km in dieser Challenge “verbrannt” und können zwar noch gelaufen, aber nicht mehr als Ergebnis genutzt werden. Es erschien mir wie eine Art “Kniffel”-Spiel zu sein. Da wir alle so schrecklich modern denken (ich größenwahnsinnig gleich an was Globales wie den Marcothon dachte) und sich die globale Kniffel Bezeichnung “Yahtzee” schimpft, habe ich meine Challenge #RUNTZEE getauft. “O.k. Runtzee! What is the next goal to run?” Sounds, äh klingt doch gut…

Nun noch ein bisschen Mathematik: unter der Suche “der kleine Gauß” findet man eine Formel um die Summe eine Zahlenreihe schnell zu errechnen, hier die maximalen Gesamt Kilometer. Man muss also nicht 1+2+3 +4 … addieren sondern nutzt die Formel und tataaa: es kommen unglaubliche 496 km dabei heraus. VIER! HUNDERT! SECHZUNDNEUNZIG!
Ganz klar, soweit kann man ( kann ich ) nicht laufen, ich werde also streichen müssen.

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist Gau%C3%9Fsche-Summenformel-Beispiel.jpg

Sodann habe ich mir für das #RUNTZEE Spiel folgende Regeln “erarbeitet” (wer sich auf den Schlips ge-gender-t fühlt, kann sich gerne melden):

  1. Der Spieler kann so häufig oder selten im Monat laufen, wie er mag. Sollte er mehrmals am Tag gelaufen sein, geht die zuerst gelaufene Km Leistung als Wertung in den für alle Teilnehmer sichtbaren Spielplan ein.
  2. Gewertet werden dabei nur abgerundete km (15,8km –> 15km)
  3. Jede Eingabe gibt es exakt einmal also 1x 1, 1x 2, 1x 3,… (Januar 31, Februar 28…)
  4. Sollte der Spieler mehr als 31km gelaufen sein (z.B. Marathon) werden maximal 31km am entsprechenden Marker gewertet
  5. Das Ranking dient ausschließlich dem persönlichen Vergleich und darf zu keiner Zeit negativ gegen andere Spieler verwendet werden. Wie immer gilt beim laufen und eintragen absolutes “fair play”
  6. Jeder Spieler kann so viele Tage streichen ( X ) wie er mag oder muss (Kniffel Gedanke)
  7. Spieler können natürlich vorzeitig aussteigen, aber auch später einsteigen. Der Einstiegstag gilt als Mindestwertungstag
  8. Es können alle Kilometer Marker bis zur gelaufenen Strecke genutzt werden: 15 gelaufene Kilometer kann z.B. als “14” platziert werden, wenn 15 schon vergeben ist.
  9. Alles bei #RUNTZEE dient dem persönlichen Nutzen, der Motivation und dem Spaß. Es dient in keinster Weise dazu, sich oder andere zu schaden, zu kränken oder anderweitig übel mitzuspielen.

So einfach und so gut.

In der Theorie…

Ich habe meinen Laufbuddy Sven @svnkswttr angesprochen, der mir freundlicherweise eine tolle Tabelle konzipiert hat, in die man nur das aktuelle Datum an den jeweiligen Kilometer einträgt und der Rest wie Gesamtstrecke, Ranking, etc. angezeigt werden. Danke Dir Sven.

Wo ich schon bei Sven bin: ich habe Sven und seine Freundin Elli dazu überreden können, sich als Tabellentester zu herzugeben, habe die jetzt häufiger erwähnte (wahnsinnige) Marina und auch meine Frau ködern können, dort mitzumachen. Meine Frau allerdings in der Sonderwertung Rad fahren.

Und dann kam der 1. Januar…

Alle Teilnehmer waren hochmotiviert und eifrig dabei, die jeweiligen Läufe einzutragen. Sven und Elli im Trainingsmodus für die 50km in Rodgau preschten mit schier absurden Umfängen vorne weg. Uns blieb nur das Nachsehen. Sven war, wie nicht anders zu erwarten auf Platz 1 des Rankings, knapp dahinter Elli. Meine Frau, Marina und ich tauschten und wechselten die Plätze.

Da keiner mit einer gescheiten Taktik ans Werk ging, wurden die kleineren Kilometer fleißig aufgefüllt, man ließ sich die größeren Umfänge offen um dieses ggf. zu streichen. Ist ja alles nur Spaß.

Marina und ich liefen am 6. Januar die 45km in Bielefeld und durften somit stolz die “31” streichen, Sven und Elli zogen nach, da sie noch einen langen Lauf als Trainingsvorbereitung für Rodgau machten. Die beiden zogen es beängstigend durch. So beängstigend, das ich Sven zwischendurch sagte, das ich die Challenge nicht dafür erfunden hätte, das er sie gewinnen sollte. Sven winkte aber gleich ab, da die Rodgau Vorbereitungen sich dem Ende näherten.

Ich hatte richtig Lust auf #RUNTZEE, war es doch ein kleines Spiel um Taktik und eigener Genugtuung, nach dem Lauf wieder eine Zahl zu streichen.

Was ich nicht bedacht hatte, war die Tatsache, das immer mehr lockere Läufe “verbraucht”, aber noch viele größere Weiten übrig blieben. Ich holte mir Motivation bei Marina, die einmal mehr voller Schwung war und alles super fand…

Circa 10 Tage später:

Meine Frau fährt tapfer Rad, selbst weitere Strecken, die sie sich nicht zugetraut hat, absolviert sie und ist stolz über ihre Motivation. Marina und ich verfallen in den ersten Trashtalk und versuchen durch liebesvolles Bitten und um Sorge des Anderen Gesundheit doch einfach mal ein bis zwei Tage zu streichen. Doch unsere Bitten bleiben unerhört. Jeder versucht seine Läufe zu absolvieren und der Linie treu zu bleiben. Ist ja eh alles nur Spaß.

Weitere fünf Tage später:

Sven und Elli machen ihr Ding und sie laufen, so wie es ihnen beliebt. Meine Frau macht ihr Ding und sie fährt so, wie es ihr beliebt. Marina nervt mich mit ihrer Lustlosigkeit, ich nerve sie mit meiner Müdigkeit. Noch immer hat keiner ein “X” gesetzt. Das stimuliert das natürlich ungemein, will man sich doch nicht die Blöße geben, negativ gedacht könnte es sein, das es nur ums verheizen geht. Klar, Marina kann alles und nichts laufen, ist aber selbst am Limit, Sport, Beruf und Privates unter einen Hut zu bekommen. Ich schlafe seit einigen Tagen jede Nacht im Prinzip 60 – 90 Minuten weniger als üblich, so das ich die langen Läufe noch vor der Arbeit platzieren kann. Ich erwische mich immer häufiger dabei, dass die Tageszeitung unberührt bleibt und dass das Frühstück aus zwei Hand salzigen Erdnüssen und ein Kaffee im stehen besteht. Für mehr ist keine Zeit. Nur Spaß? Eher leicht nervöses Zucken.

In der dritten Woche laufe ich insgesamt 162km. Das sind 45km mehr als meine “ewige” Bestleistung aus dem November. Alles verrückt. Jetzt bloß keinen Infekt, umknicken oder sonstiges. Schon lange habe ich mich, haben wir uns davon verabschiedet, einen Lauf zu streichen. Das Battle zwischen Marina und mir ist in vollem Gange. Und doch sind wir große Sportsgeister, bleiben fair und gehen ehrlich miteinander um.

Einen Morgen schreibt mir Marina, das sie mir zu meinem Sieg gratuliert, weil sie eine Muskelverhärtung hätte und sie sich einen Husten (sie nennt ihren Husten Ralph [mit ph!!] ) eingefangen hätte. So will ich nicht gewinnen. Ich biete ihr an, das ich auch einen Tag streiche, sie widerum schiebt alles auf mich und sagt ich solle es für uns beide zu Ende laufen – noch am gleichen Tag knetet sie ihr Physiotherapeut halbwegs zusammen und sie läuft fortan mit Ralph. Respekt Marina!! Irgendwo zwischen Wahnsinn und Irrsinn ist sie zu Hause..

Immer häufiger krame ich beim laufen motivierende Sprüche raus, muss mich selbst einmal zum weiterlaufen anschreien. Die mich beobachtenden Rehe müssen sich schwer gewundert haben, das da ein Mensch mit Stirnlampe plötzlich stehen bleibt, sich an schreit und dann langsam weiter trabt. Alles bekloppt. Jetzt haben nur noch die Rehe Spaß.

Am vorletzten Tag stemme ich dann eine neue virtuelle Tür auf: dadurch, das ich nicht immer nur die Mindest Kilometer gelaufen bin, komme ich am 30.01.2019 um 08:07 Uhr an den Punkt, an dem ich die 500 km Schallmauer durchschreite. Marina muss zu diesem Zeitpunkt auf Grund eines weiteren Ultras im Januar ca. 540 km auf der Uhr haben. Mit normalem Spaß hat das alles wenig zu tun. Selten freuen wir uns aber so auf den Februar, fragen uns aber auch was wir mit der ganzen Zeit anstellen sollen. Naja, zugegeben, es ist einiges liegen geblieben und ich freue mich besonders auf ein Frühstück im sitzen.

30.01.2019 21:32 Uhr: morgen soll ich also den letzten #RUNTZEEE Lauf machen, einundzwanzig winzige Kilometerchen* um das Ziel der maximalen 496km zu bestehen. Na dann, gute Nacht. – *Wie verächtlich, oder? Ich muss mich bei all denen entschuldigen, die einmal in ihrem Leben von einem Halbmarathon Finish träumen.

31.01.2019 – Ich werde gegen 03:10 Uhr wach, nervös liege ich im Bett und versuche wieder einzuschlafen. Ich wälze mich hin und her. Wenn ich um 04:15 Uhr loslaufen und gemächlich die letzten 21km laufen würde, wäre ich um 07:00 Uhr aus der Dusche, könnte meine Frau wecken und mit ihr frühstücken. Mein Körper heizte sogleich an, von liegen bleiben war eh keine Rede mehr. So zockelte ich um 04:07 Uhr los durch den frisch gefallenen Schnee, blieb immer wieder stehen, schaute mir die Spuren der Tiere an, zeichnete “WER SCHNEE FÜR SICH ALLEINE HABEN WILL, DER MUSS FRÜH AUFSTEHEN <3 ” in den Schnee und filmte das ab. Gib mir Schnee und ich bin Kind – herrlich. Im Stadion lief ich mit den Hasen eine Ehrenrunde und zuckelte dann weiter. Ich musste mich etwas ranhalten, damit mein Frühstücksplan aufgehen sollte…

Gegen 06:30 Uhr war es dann soweit, etwa 1500m vor zu Hause durchlief ich den 21. Kilometer, blieb kurz stehen, lächelte und machte mich wieder auf. So schnöde das hier steht, war es auch. Kein Jubel, kein Sekt, keine Raketen. Einfach laufen, laufen, laufen laufen, laufen….

Ich habe im Januar insgesamt 525 km in 50h 34min absolviert – reine Laufzeit, in den letzten drei Tagen alleine 70km, Geschätzte 40h davon waren morgens im Dunkeln, mal mit Regen, mal klar und kalt. Dazu noch das An- und Ausgeziehe, Gedusche und was auch alles dazu gehört. Ich glaube, das war alles ziemlich bekloppt, bin mir aber nicht sicher. Doch wenn ich rechne, wie lange der “gemeine” 3x die Woche 8km Jogger für die Strecke benötigt, nämlich gute 5 Monate zuckt meine Oberlippe kurz und ich grinse in mich hinein. Für mehr bin ich zu müde.

Und nun, wer ist hier der Sieger? Keiner? ALLE!!! Meine Frau ist ist im Januar so viel Rad gefahren wie noch nie im Januar, vielleicht auch in ihrer ganzen Streak-Radel-Zeit. Und somit ganz klar Siegerin. Elli ist Siegerin, weil sie in Rodgau durch Fleiß und Können ihre Bestzeit um gut 10 min unterboten hat und danach nicht schlapp gemacht hat. Sven ist Sieger, weil er die Tabelle erstellt hat und gerade am Anfang durch seine Läufe Schwung in den Laden gebracht hat. Marina ist Siegerin, weil sie es trotz privatem Trubel und Ralph so hammerhart durchgezogen hat und insgesamt noch mehr Kilometer gemacht hat. Sehr geil, krank und verrückt. Ja und ich bin auch einer. Warum? Denken Sie sich etwas aus…

Welch ein Schwachsinn, welch Gaudi, welch Drama. #RUNTZEE ist besser als jede Seifenoper, sie fordert und fördert. Ich, nein wir alle haben alles gegeben. Ob ich noch einmal in meinem Leben in einem Monat so weit laufe (12,5 Marathon Strecken) so weit in einer Woche (162,5 km), so viel laufe (ungefähr 51 Std. netto) weiß ich nicht. Jetzt muss ich erst mal ausruhen, den normalen Lauf Alltag einkehren lassen, Kraft tanken und erholen. Bis morgen lieber Streak… DANKE EUCH ALLEN!!! GEILE FÜNFER BANDE! Es war mir ein Fest. Ein besonderer Tripp und ein Erlebnis. Und Ralph verzieht sich jetzt, sonst gibt es mal richtig Ärger…

Nach 500 km ist man in Paris, in der Schweiz oder in Polen…

Die Streakerei…

Angefangen ist es vor gut 250 Tagen. Ich wollte eine sog. Peak week machen und möglichst viele Kilometer in einer Woche zusammen bekommen. Warum weiß ich gar nicht mehr, bestimmt um mich für eine andere Verrücktheit vorzubereiten. Dann kam halt noch eine Woche hinzu und noch eine. Ob man wohl vier Wochen täglich laufen könne, das fragte ich mich. Das funktionierte. Und so bin ich mehr und mehr in diesen Trott gekommen und bin mal weiter und mal weniger weit gelaufen. “Schlimm” war der Tag nach dem 110km Lauf in Köln. Da bin ich in Schneckentempo eine kleine Runde gelaufen. Und erstaunt, wie gut es ging. So mit hat mir die tägliche Lauferei den Allerwertesten gerettet. Einige meiner Laufbekannte sind nach Erfüllung ihres Traumziels in ein Loch gefallen und haben in eben diesem länger verbracht, als ihnen recht war. Ich hatte direkt nach meinem 100km Traum eine Aufgabe zu bewerkstelligen und kam so gar nicht erst auf dumme Gedanken. Es hat alles gemildert und abgefedert…

Um in meinem Hirn etwas aufzuräumen und auszumisten, habe ich die mir wichtigen Gedanken zu diesem Thema einfach niedergeschrieben. So ist Platz für neues….

  1. Wann ist man genau ein Streaker? Diese Frage habe ich auch mal Lutz @unserweg gefragt, seine Antwort: theoretisch schon am zweiten Tag. Doch dieses Gefühl habe ich nach gut 250 Tagen immer noch nicht. So wie ich kein Läufer bin, sondern laufe und so wie ich kein Streaker bin, sondern streake. Ich laufe und ich streake gerade zufälligerweise.
  2. Wie lange streake ich noch? Darauf kann ich keine Antwort geben. Vielleicht wache ich eines Morgens auf und irgendwas sagt mir: Junge es ist vorbei… Ich hoffe auf diese Stimme, dann wäre es ein Impuls tief aus mir drinnen und keine Krankheit oder Verletzung. Ich stehe morgen auf und werde wohl laufen äh streaken.
  3. Was hat sich geändert? Geändert hat sich das Gefühl und die Grundeinstellung zum laufen. Früher war es vielleicht die Erfüllung des Trainingsplans, die Umsetzung und das Aufreiben an persönlichen Bestzeiten. All das ist zur Zeit nicht der Fall. ich genieße diese Stresslosigkeit einfach laufen zu gehen, so lange, so schnell, so weit ich will oder kann. Es müssen halt 1600m sein, die tagtäglich da stehen und “abgearbeitet” werden müssen. Das ist leider auch gleichzeitig die Kehrseite der Medaille. Im November bin ich in eine Art Streak Depression gefallen. Es machte mir überhaupt keinen Spaß mehr zu laufen. Ich war müde, kaputt, genervt von der Lauferei. Das tägliche laufen brachte mir keine glücklichen Momente mehr. Ich überlegte, was ich tun könnte und kam auf die (nachträglich) glorreiche Idee, eine Woche lang wirklich nur täglich 1 Meile zu laufen. 800m hin und 800m zurück. Dabei merkte ich schnell, das ich körperlich ausgelaugt war. Der Kopf war vollkommen frei und zufrieden, nur waren die Umfänge in letzter Zeit für mich zu hoch, das der Körper in den restlichen 23h zu wenig Möglichkeit und Raum hatte, zu regenerieren. Schon nach einer Woche der Erholung, gingen meine Umfänge wieder nach oben, Körper und Kopf waren wieder im Einklang und zogen an der selben Seite. Ich kenne somit hoffentlich in der nächsten Krise eine Möglichkeit, mich aus dem Schlamassel wieder heraus zu ziehen. Geändert hat sich auch der Raum zu Hause, den die Streakerei einnimmt. Ich bin jetzt morgens einfach mal eine Runde drehen und das halt um den Streak am leben zu halten. So langsam bekomme ich auch einen “Überblick” über die Strecken. Zu Anfang dachte ich schleicht weg, das dieses Gelaufe in immer selben Runden super langweilig sein muss. War es auch. Wenn man immer die selbe Runde dreht, sieht man immer das selbe, man achtet auf die Pendler, die Schulbusse, wundert sich das der Zeitungsmann in seinem Smart nicht da ist und und und und. ABER mit der Zeit entwickelt die immer gleiche Routine etwas beruhigendes, geradezu meditatives. Es ist jeden Morgen: 2 Gläser Wasser, einen dünnen Kaffee und ab in die Laufsachen. Dann geht es auf die Laufrunde. Aktuell variiere ich mal weit mal kurz, mal schnell, mal langsam. Doch wenn ich 3-4 Tage die selbe Strecke laufe, bin ich schnell in einem Flow Zustand, ich habe schlichtweg alles gesehen und kann mich auf meine Gedanken konzentrieren, auf den Atem, die Haltung oder auf nichts. Ich werde 2km weiter wieder “wach” und wundere mich, was ich in der letzten zeit gemacht haben könnte. Diese Momente sind der Hochgenuss. Einfach weg sein… Geändert hat sich erstaunlicher Weise auch meine Regenerationsfähigkeit. Höhere Intensitäten stecke ich viel besser weg, obwohl ich keine wirklich langen Läufe absolviere. Das freut mich natürlich sehr. Und mein Trainingszustand, scheint ganz ok zu sein, habe ich doch im Advent mehrfach weitere Strecken hinter mich gebracht.
  4. Was ist geblieben? Geblieben ist das Laufen als solches. Das Equipment, das schlechte Wetter, der Schweinehund, die Müdigkeit, die seltene Lustlosigkeit. Aber auch das Glück, die Entspannt- und Ausgeglichenheit. Und das hilflose Gesuche nach der Stirnlampe, der Mütze oder sonstigem, weil ich es einfach nicht schaffe mein Laufleben so zu managen, das alles an seinem Platz ist.
  5. Was kann ich besser machen? Wie schon gerade kurz angedacht: mein Textil- Lampen- Schlüssel- Handy- Orgamanagement ist noch nicht optimal. Mittlerweile haben Stirnlampe, Mütze und Handschuhe einen eigenen Platz- es wird.
  6. Wie ich mich motiviere? Da dieses Gelaufe (immer) noch nicht in meinen vollständigen Automatismus übergegangen ist, gibt es unterschiedliche Ziele, die mir helfen. Laufbuddy Sven @svnksswttr sagte mir mal, seine längste Streakreise waren 73 Tage – die wollte ich unbedingt knacken. 74 Tage sind ja schon fast 100. Also: nächste Haltestelle 100 Tage. Und so hangel ich mich immer weiter und denke mir kleine Spiele aus, die mich fordern.
  7. Ist das nicht gefährlich? JA, ist es. Wie alles, was zu exzessiv angegangen wird, ist auch die Streakerei ein Ding, was Körper und Geist in Mitleidenschaft bringen kann. Ich habe ja selbst schon gemerkt, das mein Körper mit den zwischenzeitlichen Laufumfängen nicht mehr zurecht kam und rebellierte. Ich vertraue da meinem Bauch, der nicht nur sehr sensibles Organ, sondern auch ein feiner Antwortengeber ist, dem wir aber im allg. immer weniger Aufmerksamkeit schenken. [Werbung: Ich empfehle hier das Buch “Darm mit Charme” von Gulia Enders].
  8. Ist Streaken auch was für mich? Weder bin ich Pädagoge, Lehrmeister, Sportphilosoph oder sonstiger Messias. Aus meiner jetztigen Erfahrung heraus würde ich sagen, das jeder, der sich bewegen kann auch Streakrunner werden kann und es auch einmal probieren sollte. Es kann weder schaden, noch was kaputt gehen. Und wie bei allem: nicht übertreiben.
  9. Kann ich Streaken in meinen Laufplan einbauen? Warum nicht! An den lauffreien Tagen einfach die Schuhe schnüren und die 1600m bewerkstelligen. Aus eigener Erfahrung sind 1600m einfach lästig und das An- und Ausgeziehe dauert genauso lang, wie der Lauf.

Diese Zeilen sollen weder ein How to sein, Streaker zu werden, noch werde ich es wagen mich als erfahren in diesem Gebiet zu bezeichnen. Es sind einfach ein paar Gedanken die ich zu meiner aktuellen Leidenschaft los werden wollte und auch sicher nicht vollständig sind. Danke für die Zeit, die Du dir zum lesen genommen hast. Bei Fragen oder Anregungen melde dich einfach. Und sorry, wenn du eine spannende Laufgeschichte erwartet hast, dieses Mal nur Gedankenschnipsel.

Kreuzberg50 – reloaded

Mittwoch morgen 02.42 Uhr – ich liege bauchlängs auf meinem Hotelbett in Weimar und mein Kopf dröhnt. Viele Bilder rasen durch meinen Kopf. War ich doch heute an der Gedenkstätte in Buchenwald und habe mir angesehen, wozu Menschen fähig sind. 

Ob es jetzt eine gute Idee ist, mich an den sog. #Kreuzberg50 zu erinnern um mich auf andere Gedanken zu bringen…?

Drehe ich meine Geschichte auf den 29. Juni zurück: der Kölnpfad und somit für mich längste Lauf ever liegt hinter mir und ich bin zum Glück seit ca 40 Tagen am streaken. Gemeint ist damit ein tägliches Laufen von mindestens einer Meile, also 1,6km. Warum? Lutz Balschuweit @unserweg, der das schon Jahre lang vollzieht würde sagen “weil ich es kann”. Und ich? Ich habe daruf noch keine abschließende Antwort gefunden. Aber es lässt mich nach Köln nicht in ein Loch fallen, es konfrontiert mich häufiger mal mit dem Schweinehund, aber lässt mich auch zu Ruhe kommen in hektischen Zeiten. 

Der Job läuft ok, aber mein Pa muss Ende Juli ins Krankenhaus. Sein Alter fordert Tribut, der menschliche Akku ist leer, so das er sich von den Strapazen des Lebens nicht mehr erholen kann und so stirbt er am 15. August im Beisein meiner Mutter so friedlich ein, wie man eben friedlich entschlafen kann. – In der ganzen Zeit streake ich. Meine Akkus selbst mittlerweile am Limit, bin ich doch jeden Abend nach dem Job noch im Krankenhaus, komme gegen 22.00 Uhr erst nach Hause, schlafen, aufstehen, streaken, arbeiten. Ich laufe häufig nur 2km, die kleinste Runde die es bei mir zu laufen gibt. Aber ich laufe….

Laufen gibt mir die Kraft, zumindest halbwegs die letzten Wochen zu verarbeiten. Laufen gibt mir Zeit für mich. Ich genieße es, nicht mehr nach Trainingsplänen zu laufen, sondern so wie ich es will. Sonntags morgens um 04.30 Uhr zum Long Run? Geschichte. Tempoläufe? Geschichte! Ich genieße vollends meine läuferische Freiheit und durch das tägliche Laufen habe ich Wochenumfänge von ca 60 – 70 km. Beste Wochenleistung waren 92. Warum? Weil ich es kann… 

Sprung: Anfang Oktoberber steht also auch wieder dieser #Kreuzberg50 an – ein Lauf der uns letztes Jahr glücklich, scheinbar selig gemacht hat. Wer den K50 2017 nochmal erleben will, kann gerne in mein Archiv schauen. 

Mir war es wichtig, an dem Vorabend dabei zu sein, alte Freunde wieder zu sehen, neue Leute kennenzulernen und diese spezielle Stimmung aufzusaugen. Aber dort mitlaufen? Keine Ahnung. Kann ich das (noch)? So weit, mit etlichen Höhenmetern oder bin ich raus, weil zu wenig Training? Ich war mir die ganze Zeit nicht sicher. Und erst am Freitag, Stunden vor der Abreise erwische ich mich dabei, wie ich mein Equipment checke, Wetterberichte studiere und das passende Zeug rauslege. Mein Kopf scheint augenscheinlich zu wollen, mein Körper weiß davon nichts. Ich motiviere mich also, das es schon gut gehen wird, mein Kopf wird mich durch den Lauf tragen, egal wie schnell, wie langsam…

Der Vorabend ist wieder unfassbar. Unsere Herbergseltern Steffi und Norbert ( Flo’s Quasi Schwiegereltern) sind mit Seele dabei – Steffi wuselt akribisch im Hintergrund, Norbert mit seiner Trompete und den Freunden samt Blaskapelle im Vordergrund. Spaß haben alle, Die Band, die Teilnehmer, Flo und Franzi, die die Race Directors sind. 

Ich komme zeitig und mit deutlich weniger Frankenstoff, das Bier unseres Hauptsponsors, als letztes Jahr ins Bett und freue mich zu laufen.

Sonntag morgen 07.00 Uhr – Norbert und Steffi geben ihr Eß- und Wohnzimmer her, damit wir dort frühstücken dürfen, haben Spaß und sticheln uns gegegnseitig. Laufen bräuchte hier keiner, zusammen sitzen, reden, essen, leben. Das sollten wir. Doch das Rennen will es, das sich ca 15 Teilnehmer am Start einfinden und wir uns pünktlich um 08.00 Uhr jolend auf die Strecke treiben.

Die erste Runde laufen wir verhalten an. Es gibt kleine Änderungen in der Strecke, die möchte ich mir erst einprägen. Vorne preschen die Schnelleren davon, ich befinde mich im Mittelfeld.

Die erste Runde ist um, ich kehre in die Verpflegungszone und Norbert, die gute Seele, steht wieder an seinem Törchen, lässt jeden rein und schickt jeden mjt einem Lächeln in die nächste Runde. Ein Ritaul der aller feinsten Sorte.

Meine zweite Runde gebe ich Gas – immer Druck auf dem Schuh, ich lasse es krachen. Es machg einfach Lust durch die Kühle des Morgens zu laufen und die Frische einzuatmen. Ich lebe und genieße. Rauf und Runter geht es am Kreuzberg durch die Trails. 

Natürlich rächt sich das.

Natürlich überpace ich.

Natürlich habe ich zu viel Laktat in den Beinen.

Und natürlich quäle ich mich durch die dritte Runde. Vorbei ist es mit gazellenartiger Leichtigkeit, vorbei mit der Agilität. Würde man einen Seismografen an der Strecke installieren, könnte man mein Gestampfe auf der nach oben offenen Richter Skala deutlich wahrnehmen.

Rums – da liege ich schon auf der Nase. Unachtsamkeit und Gedankenlosigkeit auf dem Trail führt dazu das ich über ejne Wurzel stolpere, mich mit den Händen auffange, doch in der linken habe ich die Handheld, aus der es nun Isogetränk fontänenartig spritzt. Lehm und Dreck am Mundstück, dreckige Knie. Egal, ich rappele mich wieder auf. Weiter geh… Rums, liege ich schon wieder. Ich mache meiner eigenen Blödheit ein wenig Luft, viel schlimmer ist allerdings, das diese zwei Stürze mein Kopfkino ermutigt haben kurz über die Sache des Laufens nachzudenken und alles mehr als dämlich zu finden. 

In mir ist jetzt richtig was los. Mein Kopf rebelliert lautstark und will auf der Stelle aussteigen. Bescheuert, doof, dreckig, albern. Alles. Die ganze Veranstaltung… zu guter Letzt gehen mir plötzlich wieder Bilder von meinem Pa durch den Kopf. Keine schlimmen Bilder, aber das bremst mich vollends aus. Ich gehe, ich hadere, ich grübele, laufe wieder an, bleibe wieder stehen… Quäle mich aber weiter. In mir tobt ein Sturm und ich beschließe nach 3 Runden, ergo 30km auszusteigen. 30km sind schließlich ein toller Erfolg und auf Grund meines nicht vorhandenen Trainings im Vorfeld ein tolle Leistung.

Norbert erwartet mich wieder am Törchen, ich stampfe Richtung Scheune, wo der Verpflegungstisch ist, schnappe mir was zu futtern und setze mich auf die Stufen. Ekläre Flo was gerade mit mir ist und er ignoriert mit stoischer Ruhe meine Pläne. Auch meine Frau kommt hinzu, redet mir gut zu und bearbeitet Körper und Kopf. Ich hasse gerade den ganzen Scheiss… Alles. Und das schlimme ist, das es Flo egal ist. Meine Frau betüdelt mich weiter, ich reiß mich am Riemen und gehe doch in die nächste Runde. Norbert am Törchen, Steffi im Gewusel und der Rest im Applaus. 

Auf der ersten Steigung hadere ich weiter mit mir. Vielleicht 500m habe ich jetzt geschafft und denke gerade darüber nach doch aufzuhören. Einfach umkehren, ich könnte humpeln, wäre ungeknickt – kann doch passieren…? Da kommen mir ca 30 Wanderer entgegen. Aus dem Nichts. Umkehren und an denen vorbei laufen? Wie blöd ist das denn denke ich mir, also mache ich weiter. Ich stackse weiter, komme aber nicht wirklich in den Lauf. Minuten später sitze ich an einer Wiese im Gras und sinniere vor mich hin. An laufen ist zur Zeit nicht zu denken. Umkehren und aufgeben ist jetzt das Mittel der Wahl. 

Als ich mich also dazu entschließe gegen die eigentliche Streckenrichtung wieder heim zugehen, kommt mein Lauf Buddy Christian aka @_trailtiger mal wieder und wie so oft in meinem Laufleben ins Spiel. Da Christian knapp hinter mir liegt würde ich ihm quasi in die Arme laufen und müsste mir sein ‘Singsang’ vom in die falsche Richtung laufen und aufgeben auch noch anhören müssen. Bah, wie ätzend. Also gibt es für mich nur die Flucht nach Vorn. Danke Christian, das du mir mit deiner Nicht Anwesenheit so in den Hintern getreten hast, das ich weiterlaufe!

Trotzdem stakse ich mehr oder weniger rum. Gedanklich schreibe ich schon meinen Blogartikel vom famosen #Kreuzberg40 und bin mit mir zufrieden. 40km sind schließlich ein toller Erfolg und auf Grund meines nicht vorhandenen Trainings im Vorfeld eine tolle Leistung.

Norbert und alle anderen erwarten mich wieder. Mich #Kreuzberg40 Bezwinger, mit mir im Reinen, alles so gut gemacht zu haben und jetzt Wetter und später auch Dusche zu genießen… Blöd nur das Flo und meine Frau Nina das ganz anders sehen. Wer 40km läuft kann auch 50 laufen, aufgeben wäre jetzt keine Option, wie doof, dumm und albern wäre das… und überhaupt: das macht doch keiner! Doch ich – denke ich mir. Einfach mal machen. Die beiden ‘nerven’ aber so lange, das ich mich auf die letzte Runde begebe.

Und was jetzt passiert ist natürlich klar: so bald mein Kopf wieder Ruhe gibt, laufe ich wieder ruhiger und entspannter. Es ist nicht so, das es leicht läuft, rein körperlich habe ich schon 40km und gute 1000 Höhenmeter in den Knochen, aber es geht halt irgendwie. 

Ich mache immer mal wieder Gehpausen, das Anlaufen fällt schwer aber ich will! diese Runde jetzt auch zu Ende bringen…

Auf dem letzten langen Gefälle höre ich Laufschritte hinter mir, schnell näher kommend gleichförmige Schritte, die ich ganz genau denke: der Tiger läuft auf mich zu, ich halte ihm meine linke Hand raus, er klatscht mich kurz ab und knallt an mir vorbei. Ich rufe ihm ” Lauf, mein Pferdchen, lauf!” hinterher, ein anwesendes Pärchen muss schmunzeln. 

Sein Temoo kann ich ungefähr 14m mitgehen, also lasse ich ihn ziehen..

Etwa 5 Minuten später als er komme ich ins Ziel. Norbert am Törchen, die Menge jubelnd, Flo nimmt mich kurz, meine Frau lange in den Arm und der #Kreuzberg FÜNFZIG ist Geschichte.

Wir warten noch die restlichen famosen Teilnehmer ab, nehmen die Siegerehrung mit und fahren weiter nach Weimar, wo wir uns eine Tage einquartiert haben…

Was bleibt? 

Ich muss allen Teilnehmern, Mithelfern, Anwesenden und natürlich meiner Frau den größten Dank aussprechen. JedeR von euch kann stolz und glücklich sein, ein Teil dieses tollen Wochenendes zu gewesen zu sein. Danke an Steffi und Norbert für eure schreckilich unkomplizierte Art und Danke Franzi und Flo, ihr habt einen tollen Job gemacht. Nina, du sowieso.

Was bleibt mir? Die Erkenntnis das mein Kopf mal wieder und immer noch Streiche mit mir spielt, das ich immer noch laufen kann, das ich weiter streake, das ich ein Stück mehr den Tod meines Pa verabeitet weil darüber geredet habe. Gute, sehr gute Erkenntnise.

Und das ich mich am Vorabend des Laufs dazu habe hinreißen zu lassen mit Flo im April 2019 ein Wanderung zu machen. Über ein ganz paar Kilometer…. *hust

Ob das so richtig war, wird die Zeit zeigen. Wie alles…

Der (Lauf-) Weg zum Glück

Eigentlich wäre die Story zum Kölnpfad schnell erzählt: Christian @_trailtiger und ich  laufen beim Kölnpfad Ultra nicht die volle Strecke von 171km sondern die nächste Kleinere von 110km, kommen ins Ziel, sahnen die Gürtelschnalle ab und Tschüss.

Wenn da nicht noch ein paar Kleinigkeiten zu erwähnen wären:

Nachdem der Tiger und ich 2017 im Rahmen des Kölnpfads die sog. Kölsche Nachtschicht mit 75km gelaufen sind, war mir relativ schnell klar, das ich mich ein Jahr später an den 110km versuchen wollte. Allerdings sollte es mein Projekt werden, wollte ich doch keinen Druck von außen, sondern in Einzelkämpfer Manier triumphieren. Geht natürlich nicht! Irgendwann, irgendwo verplappert man sich und letztlich waren Sarah @bySarahSi, der Tiger und meine werten Freunde der Kuchencrew KCHNCRW André @AndreNO und Daniel von endurange.com im Boot. Fachliche Kompetenz und Wahnsinn gleichermaßen.

Die Tage gingen ins Land und ich stellte meinen Laufplan für 2018 auf: 50km Lauf in Rodgau mit hoffentlich neuer persönlicher Bestleistung (PB), Treppenwitz METM und dann der Kölnpfad sollten tolle Momente ergeben.

Nachdem ich wirklich Rodgau mit neuer PB gemeistert und den METM bravourös gemeistert hatte, war mein Selbstvertrauen so hoch, das ich ohne wirkliche Sorgen an die Vorbereitungen zum längsten Lauf meines Lebens gehen konnte.

Wären da nicht einige dunkle Wolken aufgezogen. Wolken in Form von Gedanken, die vermochten mich nicht vollends hinter das Projekt zu stellen, Gedanken die mich zögern ließen. Durch den METM hatte ich erstmalig das Gefühl in dieser Ultra Welt angekommen zu sein. Der außenstehende Betrachter wird sich zu Recht wundern: Rodgau, der doppelte Hermann, die Nachtschicht sind doch alles tolle Ultra Läufe. Du bist also ein Ultra. Nur ich hatte nie diese Gefühl. Erst der METM macht mich, so meine Meinung, ein Stück weit zu dem der ich immer sein wollte. 

Ich veränderte also meine Gedanken bezüglich Ultralaufen wie folgt: Der Kölnpfad sollte nicht nur Saisonhighlight sondern auch so etwas wie ein Schnitt und Abschluss in meinem weiteren Ultra Laufweg sein. Ich wollte nicht mehr nach einem riesigen Trainingsplan laufen, wollte nicht mehr Sonntag morgen um 04:00 Uhr aufstehen, wollte nicht mehr ein schlechtes Gewissen haben wenn aus den geplanten 35km nur 27km würden. Es reichte mir. War ich satt? War ich müde? Ich wusste es nicht. 

Ungefähr 2 Monate vor dem Kölnpfad bin ich dann eher durch Zufall mit dem sog. Streak Running angefangen. Streaken bedeutet täglich mindestens eine Meile (1600m) zu laufen. Das kam mir entgegen: lange laufen = Streak, kurz laufen = Streak, gar nicht laufen = 1600m laufen = Streak. Ich konnte so geschickt zwei “Welten” miteinander verbinden. Dieses Streak Running sollte mein Auffangnetz für die Zeit nach Köln werden, ohne in ein Loch fallen zu müssen, ohne sich wieder aufzurappeln und Glückseligkeit in der nächsten Wettkampf Anmeldung finden zu wollen…

 

Der Tag war endlich da: Samstag 05:09 Uhr klingelte der Wecker, aufstehen, frühstücken, Tiger abholen, nach Köln fahren, Startnummer abholen, Shuttlebus zum Start am Rhein Energie Stadion, Tom Eller, der Veranstalter, schickt uns mit einer kleinen Rede auf die Reise und somit auf den längsten Lauf meines Lebens. Unterwegs gesellte sich der liebe Sven noch zu uns und am Sonntag um 02:30 Uhr liefen wir als 5ter, 6ter und 7ter gemeinsam ins Ziel. Müde. Leer. Fertig. – Schnell die Gürtelschnalle als Medaille abholt, geduscht, Tiger weg gebracht, heim gefahren und 24h später machte ich den Motor des Autos um 05:09 Uhr wieder aus. Der Kölnpfad war Geschichte.

Wie jetzt? mag sich sich der geneigte Leser denken. Das ist die Kölnpfad Story? Klares JA.

Mein Gedanken und Erlebnisse sind so wie ein Tisch voller Urlaubsfotos. Zu jedem Bild gibt es eine Anekdote, eine kleine Geschichte. Aber welches Bild nun in das Album darf und welches nicht, werde ich in einem anderen Blog Post klären. Es ist alles zu frisch für mich.

Aber eine kleine Geschichte soll hier erwähnt werden: kurz vor dem Verpflegungsposten in Bensberg komme ich an einem Irish Pub direkt an der Strecke vorbei. Die Tür steht offen, man hört einen Fussball Kommentator reden. Ich gehe rein, der Wirt schaut mich an, als ob ich ein Alien wäre und ich bestelle die vermutlich allerbeste große Spezi meines Lebens. Totales Glück für 2,70 EUR. Die Kohlensäure kribbelt an der Nase, die feuchte Kälte des Glases in meiner Hand, der bezaubende Geschmack kreiert von der Lebensmittelindustrie und das Klackern der Eiswürfel zunächst am Glasrand, später dann unter meiner Mütze sind eines der ganz großen Momente die ich auf diesem Lauf erlebt habe. Häärlisch!!!

 

Am Sonntag Abend schnappe ich mir meine Laufsachen und laufe 1600m. Nicht schnell, nicht rund, aber so will es nun mal das “Streak Gesetz”.

Ich freue mich jetzt sehr auf die Zeit, in der der Trainingsplan nicht mehr das Maß der Dinge ist, wo ich (hoffentlich) wieder mehr gemeinsame Zeit für meine Frau haben werden kann. Und ich werde mich sicher weiter Sonntags morgens davon schleichen um 35km zu laufen. Und wenn es dann nur 27km werden ist das auch Recht. Viele würden sich danach sehnen, einmal in ihrem Leben einen Halbmarathon zu laufen. Ich sollte also entspannt sein.

Was bleibt?

Der Blog vom Kölnpfad kommt. Wenn alles gedacht, sortiert und abgeheftet ist. Oder wie ein deutscher HippHopper mal sang: “In einem schwarzen Fotoalbum mit ´nem silbernen Knopf, bewahr´ ich all diese Bilder im Kopf…” Und ich werde berichten, wie es für mich war, diese 110km zu laufen. Doch jetzt werde ich mich erst einmal mehr auf die nächsten tollen und wichtigen Laufmomente konzentrieren. Ich weiß auch nicht, ob das Streak Running mein Endziel ist oder wie lange ich es durchhalte. Ich habe geliefert und ich bin aus dem Tiefsten mit mir zufrieden. Ich habe mir gezeigt, das ich was kann. 

Und während ich die Zeilen so schreibe, kommt so langsam die Glückseligkeit dieses “längsten Laufs meines Lebens” in meinem Kopf an. Ich werde sicher noch einige Male von diesen Gefühlen übermannt werden und die ein oder andere Träne vor Freude über die Wange kullern lassen.

(so wie jetzt gerade…)

Alles neu macht der Juni

Diese Überschrift ist so ziemlich alles, was von meinem eigentlich Blog Post zum Köln Pfad 2018 und zum Streak Running übrig geblieben ist. Als ich das letzte Mal schaute, war ich bei 1100 Wörtern. Hatte mir die Seele frei geschrieben und am Ende kullerten sogar ein paar Tränen. 

Es ist müßig zu fragen, warum die automatische Sicherung nicht funktioniert hat. Ich könnte auch das Laptop aus dem Fenster werfen. Es würde sich nichts ändern…

Ich habe 3h Zeit versenkt. Und trotzdem fühle ich mich befreit, als ob ich dem Wirt an der Theke morgens um Drei mein Leben erzählt hätte.

…fange ich halt von vorne an.

Anders, vielleicht besser. 

Was mich wundert, ist diese Gelassenheit und Ruhe in mir. Ich kenne mich eigentlich ganz anders. Hat vielleicht mit dem zu tun was ich eben dem Wirt erzählt habe.

Gelassenheit ist schon was cooles, das wünsche ich Dir für heute!!!!

Ich geh jetzt erst mal einen Milchshake trinken…

Glück auf

 

Trepp trepp hurra

In dieser hoffentlich kurzweiligen Folge soll es um den Mt. Everest Treppenmarathon #METM im beschaulichen Radebeul bei Dresden gehen, wo seit 14 Jahren die Höhe des Mt. Everests bestiegen wird- und das nicht aus einem 4500m hohen Basislager sondern aus Meeresspiegelhöhe. Gut, die Luft ist deutlich dicker als auf dem realen Gipfel und auch Yetis und tibetanische Gottheiten stellen sich einem bei dem Aufstieg nicht in den Weg. Um diese Höhe in unseren Gefilden zu realisieren benötigt nur einen Bauunternehmer der die Möglichkeit hat, eine Treppe mit 39700 Stufen zu bauen. Jeder Statiker wird jetzt abwinken und jeder Mathematiker wird sagen: dann lauft doch eine Treppe mit 397 Stufen 100x rauf und runter, dann habt ihr es doch schon.

Das dachte sich wohl auch ein gewisser Ulf Kühne der in seiner ursprünglichen Heimat aus dem Küchenfenster sah, die Spitzhaustreppe zwischen idyllischen Weinbergen betrachtete und genau dieses Abenteuer erfand. Und da der Ulf so ein Zahlenjongleur war verlängerte er die Strecke auf ein Maß von gut 84km. Also 84km in der Horizontalen und dabei 8848m in der Vertikalen. Fertig ist der #METM.

2017 hatte ich schon einmal das Vergnügen in einer Dreier Gruppe mit Daniel @endurange und André @andre_No von Twitter diese Besteigung zu wagen. Es war ein tolles Erlebnis, was uns drei mächtig zusammen geschweißt hat.

Wir spielten alle schon mit dem Gedanken der Alleinbesteigung in diesem Jahr, doch hatten wir alle nicht Recht den Mumm es auch durchzuziehen. Wie es aber dann doch passierte ist eine kleine eingeschobene Geschichte wert: Ich weiß es noch genau, das ich auf dem Bett saß und mit dem Laptop spielte und sich das Anmeldefenster zum #METM 2018 erst abends um 22:00 Uhr öffnen würde. Doch um 21:40 Uhr konnte ich warum auch immer schon meinen Namen eintragen. Hm. Ein Klick weiter meine Adresse und weitere Daten. Hmmmmm. “…kann ja nichts schiefgehen” dachte ich mir, ist ja noch nicht 22:00 Uhr. Der nächste Klick dann “VIELEN DANK DAS DU DICH BEIM MT. EVEREST TREPPENMARATHON AM 21.04.2018 ANGEMELDET HAST…” Ach! Du! Sch….e!!! Mir zog es mein Bett unter den Füßen weg und ich meldete mich bei meinen Freunden. Und echte Freunde reagieren selbst in brenzligen Situationen wohl gesonnen und machen genau das Richtige. Keine 10min später waren André und Daniel auch angemeldet….

Die Vorbereitungen gingen ins Land, wir treppten und trainierten hier und dort. André musste auf Grund zu großer beruflicher Belastung leider zurück ziehen, bot sich aber als Supporter an um uns beide den Berg hoch zubringen. Jeder Alleingänger darf und sollte einen Edelhelfer mitbringen, der auf einen Acht gibt, aufpasst das man trinkt und isst, vllt ein bisschen ruht und der Seelenmülleimer sein muss. Meiner war und ist Christian @_Trailtiger, mit dem ich schon häufiger “Blödsinn machen konnte” und den ich bei seinem Versuch des 160km Laufs als Nachtbegleiter unterstützen werde.

Der Tag war gekommen: Christian und ich fuhren am Samstag morgen auf einer mal wieder sehr kurzweiligen Fahrt Richtung Radebeul um unser Camp Bereich herzurichten uns mit vielen alten und ein paar neuen Gesichtern zu treffen und das Briefing um 14:30 Uhr mitzumachen. Nacheinander wurden wir aufgerufen und mussten unsere Teilnahme (oder besser die Vollbeklopptheitsklausel) unterzeichnen und dann ging es um 16:00 Uhr bei traumhaftem Wetter für die Zuschauer los. Die Sonne knallte auf unsere Köpfe, Teile der Strecke waren windstill und der Sandstein der Spitzhaustreppe reflektierte die Wärme wieder nach oben. Meine Überlebenstaktik die ich mir zur Recht gelegt vor Folgende: Ich laufe nicht 100 Runden, sondern ich laufe immer 10 und mache dann eine Pause im Zelt, ich esse und trinke bei jeder Runde etwas um nicht in ein Loch zu fallen und vom unteren Wendepunkt zurück zur ersten Treppenstufe gehe ich anstatt zu laufen so uncool gehen ist. 

Die Sonne bemühte sich leidenschaftlich uns Teilnehmern den Akku so schnell wie möglich zu entleeren. Zum Glück wehte ein angenehmes Lüftchen und mit der Sonnencreme Lichtschutzfaktor 30 sollte auch nicht viel passieren. 

Nach 40 Minuten der erste (unfreiwillige) Boxenstop: durch die Wärme hatte ich in meinen FiveFingers Zehenschuhen so ein feuchtes Klima, das ich Sorge hatte mir schnell Blasen zu laufen.

Mein Edelhelfer Christian zeigte sich beeindruckt von meiner Konstanz. Ich lief immer ähnliche Zeiten. Manchmal hängt man einfach wie 6 LKWs auf der Autobahn hinten dran und kann nicht überholen, weil von oben zu viel Gegenverkehr ist. So schaut man seinem Vordermann oder Frau auf den Allerwertesten oder eben auf die Schuhe. Da ist wirklich alles vertreten: der geneigte Ultraläufer zeigt sich gern mit Hoka OneOne, sehr leichten Schuhen mit übermäßig dicker Sohle. Andere laufen in Salomon Speedcross, die auf harten Boden toll dämpfen, deren Profil nach einem Treppenwettstreit aber wohl glatt sein mögen. Einer lief in weißen Turnschuhen, wohlmöglich aus später DDR Fertigung. Und Kurt Hess, mit 65 Jahren ältester Teilnehmer und Zweitplatzierter über alles (124 Runden in 24h) lief mit zwei unterschiedlichen Schuhen. Er muss es ja wissen…

So verging Runde um Runde, die Sonne ging langsam unter und es kühlte sich auf angenehme Temperaturen ab. Die Nacht sollte trocken und klar werden, war es doch letztes Jahr das Vergnügen teilweise bei Schnee- und Graupelschauern zu laufen. Jetzt sollten also meine Sternstunden kommen. Ralf @ribscher sagte zu mir, wer die Nacht übersteht, hat gute Chancen die 100 Runden voll zu machen. Ich sagte ihm, das ich die Nacht ja lieben würde und er antwortete nur mit einem “wir werden sehen…”. Ich bin schon mehrmals mit dem Trailtiger durch die Nacht gelaufen, habe den #SCHLEM allein in der Nacht bewältigt und freute mich auf dieses Monotone auf und ab in der Nacht. Ich habe mich sogar mehrmals dabei erwischt irgendwelche Lieder zu summen, wenn das passiert ruhe ich in mir.

Über dem Wendepunkt lief eine große Stoppuhr mit dem Countdown zu Sonntag 16:00 Uhr herunter. Das war das einzige, was ich an Zeit wusste. Mir war es schlicht egal, ob es nun 01:45 Uhr, 02:27 Uhr oder wann auch immer war. 10 Runden, dann Pause. Das war der Deal. Die Pausen sahen dann so aus, das Christian genau passend wartete und mich aus dem laufenden Verkehr abholte, mich fragte wie es mir ging und was ich denn gern hätte. Auch da immer das gleiche Prozedere: ich holte mir einen Kaffee, smalltalkte kurz mit den durchweg unglaublich lieben und hilfsbereiten Versorgungshelfern, setzte mich dann ins wohl beheizte Teilnehmerzelt, nahm jeweils 3 Salz- und Magnesiumtabletten, eine herzhafte Brühe mit Nudeln, einen halben Becher Malzbier. Zurück ging es am Versorgungszelt vorbei um noch ein paar Krümel Sandkuchen zu vertilgen. Leider hat meine Pulsuhr mich zweimal im Stich gelassen, aber Ralf sagte mal das dieser Lauf ungefähr 9000-10000 kcal verbraucht (meine Uhr meinte sogar für die gemessene Teilstrecke von 65km sogar 11000 kcal zu bemessen).  Theoretisch könnte man also immer essen. Nur muss es leicht verdaulich sein, Energie bringen und dann auch noch schmecken. Ich habe mich während der 10 Runden immer mal wieder von einer Handvoll salziger Erdnüsse und ein paar Gummibärchen ernährt – man kann das irgendwann nicht mehr sehen. Aber was sein muss, muss sein…

Um die Nacht herum zu bekommen, habe ich mich die ganze Zeit auf das erste Vogelgezwitscher gefreut. Die Piepmätze können gerade im Frühling ja auch laut und nervig sein, aber das ist eine so wunderbare Melodie wenn man irgendwann den Ersten hört. Das ist dann DAS Zeichen, das es bald wieder Tag wird. Und dann war es wirklich soweit: erst Einer, dann viele. Das ist Musik in meinen Ohren gewesen. “Junge noch ´ne halbe Stunde, dann dämmert es (mir).” Und dann ging wirklich am oberen Ende der Spitzhaustreppe wieder das Licht an. Ein so toller Moment…

Viele der TeilnehmerInnen haben nachts auf den super bequemen vom Veranstalter zur Verfügung gestellten Feldbetten mal kurz geschlafen um sich zu erholen. Warum ich das nicht gemacht habe, weiß ich nicht. Irgendwie ging es. Was dieses Mal auch ging war mein Kopf. Der Trailtiger weiß es zu Genüge: wenn ich jammere und hadere bin ich in meinem Element. Diesen Wunsch konnte ich ihm dieses mal nicht erfüllen. Einer der Teilnehmer hüstelte und räusperte sich nachts immer wieder auf Treppe. Normalerweise konzentriere ich mich darauf und finde das irgendwann so nervig das mich alles “ankotzt”. Jetzt aber dachte ich mir nur er macht es ja nicht um mich zu ärgern, sondern weil er ein Problem hat. Ich habe es an einfach als sein persönliches Geräusch wahrgenommen und so wusste ich ob er gerade vor oder hinter mir war.

Als der Tag dann endlich angebrochen war gibt es diesen “lichten” Moment, wo die Straßenbeleuchtung abgeschaltet wird. So etwas kann man dann feiern, wie einen tollen großen Moment und den vollbrachten Beweis, die Nacht überstanden zu haben. 

Man sagt, das man bei Ultraläufen irgendwann nicht mehr denkt, weil es einfach nichts mehr zu denken gibt. Probleme hast du angegangen und entweder eine Lösung gefunden oder halt nicht. Das Gehirn schaltet auf Schongang und so kann ich mich einfach nicht an jede Runde erinnern. Aber es waren immer wieder die tollen Momente die einen gepusht haben: ein Lächeln von den Helfern oder die das Schmunzeln über die eigene Blödheit weil man die in der Hose gebunkerten Erdnüsse bei dem Versuch der Entnahme im Treppe abgehen neben seinen Mund führt und sie kullern zu Boden oder sich mit der Faust so verheddert das man den Taschenbeutel einfach auf links zieht und gar nichts mehr hat. Aber eine Runde später hat man neue Möglichkeiten…

Zum Vormittag gab die Sonne wieder Gas, nur der Wind bleib aus – es wurde merklich wärmer und es sollten laut Wetteraufzeichnung bis zu 24 Grad gewesen sein. Ich war sehr froh über das mitgebrachte weiße Laufshirt und die weiße Mütze, die regelmäßig in das Becken mit den Schwämmen tauchte und mir Kühlung brachte. Irgendein Engel verteilte zwischenzeitlich Eiswürfel. Eiswürfel im Mund und unter der Mütze können ein tolles Gefühl sein…

Als die achtzigste Runde anbrach, kam mir erstmalig das Gefühl auf, dieses Ding wirklich zu rocken, was aber gleichzeitig die Ungeduld heranzieht und mit der Wärme eine gewisse Zähigkeit in den Runden aufkommen lässt, die einen verzweifeln lassen. Es gibt bei Youtube den Filmemacher Billy Yang der mit seiner eindrucksvollen Art Ultraläufe in den USA filmt und selbst läuft. In  seinem Film “The Why” läuft er selbst einen 100 Milen Lauf und sagt bei einer Verpflegungsspause zum Team: “Give me 60 seconds to feel sorry for myself” (16´29″). Dieses Gefühl musste auch bei raus. Ich saß nach 90 Runden in meinem Gartenstuhl, setzte die Brille ab, zog meinen Buff über die Augen und die Tränen kullerten. Eine Runde Selbstmitleid. Der Trailtiger ganz nah, wahrte die Distanz und wartete einfach ab. Nach 90  Sekunden war der Spuk vorbei, ich zog den Buff ab, setzte meine Sonnenbrille wieder auf. Kaffee, Brühe, 3 Salz- und Magnesiumtabletten, ein halber Becher Malzbier und am Versorgungszelt ein paar Kuchenkrümel. Weiter geht es.

Die ersten Läufer kamen mir mit ihren Medaillen und traditionell mit einem Kirschblüten Sträußchen, die sie am unteren Ende von #METM Maskottchen Clara bekommen. Das pusht, das will man auch. Und so wie man diesen Läufern gratuliert und sie abklatscht will man das GENAU SO!! Nur leider ist das Gehirn auf Schongang. Und so habe ich mich mit der letzten Runde vertan und es war meine Vorletzte. Also nochmal alles mobilisieren und die wirklich aller aller allerletzte Runde, die sog. Lächelrunde angehen. Bedanken bei den THWlern die die ganze Nacht aufgepasst haben, bedanken bei Clara, die mir das Sträußchen und die Medaille übergibt. Clara ist übrigens 15 und wohnt mit Ihren Eltern direkt an der Treppe. In den ersten Jahren war sie das Maskottchen in einer Wiege, später dann wohl an der Hand ihre Eltern bei der Medaillenvergabe dabei. Mittlerweile so groß, das sie die Übergabe selbst macht. Viele der Wiederholungstäter kennen sie von klein auf.

Du kommst also mit deiner Medaille die letzten 300 nochwas Stufen hoch, die anderen Teilnehmer gratulieren dir international und oben warten die Zuschauer und deine Freunde und feiern dich. Über die Lautsprecher hörst du Deinen Namen und alle freuen sich. Herz was willst du mehr. Mehr geht wahrscheinlich nicht. Ein unbeschreiblicher Moment. Gut 20h, 39700 Stufen runter, 39700 Stufen hoch, dazu 84km in der Horizontalen. Nicht in Worte zu fassen und wahrscheinlich der Grund für die Wiederholungstäter. Stand heute: ich nicht.

Ich muss mich jetzt erst einmal erholen, Kraft tanken, Emotionen einsortieren und werde wohl noch etwas an Zeit benötigen um dieses Abenteuer zu verarbeiten.

Das hab ich gut gemacht 🙂

 

 

Learning by doing – Der ERWEL

Der Emsradweg ERW ist ein Fernradweg von 375km Länge beginnend in Hövelhof in der Senne und endend in Emden, wo die Ems dann in die Nordsee fließt. 

Was wäre also, wenn man den ERW nicht mit einem Fahrrad und Muskel- oder Elektrokraft sondern per pedes erläuft oder erwandert…?

Wie lange sich diese Idee wohl schon in meinem Kopf aufhält musste ich selbst schmunzelnd erfahren, nachdem ich im Internet gesurft habe und recherchierte, ob es schon jemand vorgemacht hat. Dabei stieß ich in einem Unterpunkt eines Radforums auf einen Eintrag aus dem Jahr 2014, bei dem ein gewisser Chrissi1 genau diese Frage stellte. Spannend las ich seine Beiträge und die etwas misslungenen Antworten der Forumsteilnehmer. Und so langsam graute es mir: Chrissi1 war ich selbst :-). Verdrängt durch Antworten “warum sollte man das tun etc…” betrat ich das Forum nicht mehr und vergaß. Das Internet vergisst allerdings nicht und so weiß ich jetzt das die Idee aus dem Jahr 2014 stammt…

Irgendwann in Frühjahr 2017 grub ich also die Idee wieder aus und plante und formte an den Basics. Große Dinge der Welt brauchen ein Schlagwort oder neudeutsch Hashtag unter dem alles vereint wird. Und so war #ERWEL17 (Ems Rad Weg Etappen Lauf 2017) geboren.

Ich experimentierte zunächst mit dem Equipment welches ich mittlerweile über die Laufjahre zusammen gesammelt hatte. Unter anderem einen 25l Deuter Bike Rucksack mit spezieller Zirkulation im Rückenteil. Gefüllt mit ca. 5kg Gewicht lief ich los. 1,8km! weiter brach ich das Experiment ab.  Ein schmerzendes und brennendes Gefühl machte sich auf den Schulterblättern breit. Der Blick im Spiegel verriet Wundstellen. Krass! Nach nicht mal 2km war mein Rücken k.o. Fein, dachte ich mir: brauche ich wohl einen neuen Rucksack. Nichts ist schöner neues Equipment zu kaufen wenn es einen wirklichen Grund dafür gibt. Später wurde ich bei Salomon mit dem Peak 20 fündig…

Nächster wichtiger Punkt war die Überlegung der Bleibe: Möglichkeit 1 ein Tarp (ein Zelt ohne Boden verspannt zwischen 2 Bäumen oder auf Trailstöcken) oder Möglichkeit 2 ein Bivy (ein wetterfester Schlafsacküberzug). Ich habe mich länger mit der Möglichkeit eines Tarps beschäftigt und in der Folge aus Neugier und Wissenshunger ein Tarp selbst genäht und darunter im Garten übernachtet. Letztlich habe ich mich aber doch aus Gewichtsgründen für ein Bivy von Millet entschieden. Als Isomatte kam nur die Thermarest Zlite in Frage. Unkaputtbar gegen Glut, Dornen etc. hat sie sich bei mir etabliert. Feintuning blieb dann bei den restlichen Sachen wie Pro/contra Kocher, Powerbank, Ersatzklamotten etc. Wer da Fragen hat, kann sich gerne melden…

Meine Ausrüstung komplett inkl. diverser Riegel und 1,5l Wasser lag dann bei 6200gr. Ob das viel oder wenig ist muss ein jeder selbst beurteilen. Leichter geht immer habe ich gelernt. Besonders leicht wird dabei das Portemonnaie.

Und dann kam endlich der Tag der Tage: der Schnupperkurs #ERWEL17 begann. Meine Frau setzte mich nachmittags in Telgte (dem nächsten Punkt der Ems zu unserem Heim) ab. Die Sonne und das Wetter konnten nicht besser sein und so war ich auf mich gestellt. Wow!!! Ich setzte mich erst einmal auf eine Bank, atmete tief durch und sammelte mich. Jetzt sollte es also losgehen! Die ersten Meter wandernd, schaltete ich irgendwann auf Laufschritt um. In Ultralauf Tempo ging es langsam stadtauswärts und ich genoss die Freiheit.

Erstes wirkliches Highlight (so ein “da wollte ich schon immer mal hin!”) war die Kanalüberführung der Ems. Unten Ems, oben drüber im rechten Winkel der Dortmund Ems Kanal. Man kann quasi unter dem Kanal herschauen und die Ems sehen, Wahnsinn dass das immer so geht, hält und funktioniert.

Gegen Abend kam ich dann 26km später in Greven an. Als Unwissender hatte ich mir zu wenig bzw. zu spät Gedanken über meine nächtliche Bleibe gemacht und mehr und mehr übermannte mich die Dunkelheit. Als ich einen tolles Plätzchen gefunden hatte stellte ich fest, das es eine Zufahrt zum örtlichen Golfplatz war. Schmuntzelnd stellte ich mir vor, wie mich morgens ein älterer Herr in Bonbon farbigen Carohosen in seinem Caddy aufgegriffen und mir mit seinem Eisen3 Schläger Beine machen würde. Hier konnte ich also auch nicht bleiben. Letztlich fand ich eine Stelle an einem Maisfeld, halbwegs Sicht geschützt. Aber! neben einem leckeren Apfelbaum. Ich baute mein Nachtlager auf und schlief bald ein. Es war eine unruhige Nacht. Bei jedem Rascheln lauschte ich und wartete darauf ob eine Wildschwein Rotte meinen Weg kreuzen würde…

Ich überlebte. Der Sonnenaufgang war toll und ich kochte mir einen Kaffee auf meinem Esbitkocher. Hmmmm. Die Edelstahltasse war so knall heiß das ich mir gleich mal die Lippen verbrannte. Jetzt war ich wach! Ich packte meine Sachen zusammen und machte mich bald auf den Weg zum erstbesten Supermarkt. Frühstück im Backshop und Getränke bunkern. Dann ging es auch endlich los.

Einen erlebnisreichen Ort erreichte dann mit dem sog. Sachsenhof. Eine Rekonstruktion eines Hofplatzes aus dem 6. – 8. Jhd n. C. mit einem unglaublichen schönen Kräuter- und Nutzpflanzgarten. Hier wächst u.a. Hirse, Linsen, Buchweizen und Emmer. Endlich konnte ich mal die Pflanzen die sehen die teilweise morgens im Müsli habe. Aus Ton gebaute Öfen, Schmiedestellen, Webhäuser uvm. rundeten das Bild ab. Toll!

Auf dem Weg zur nächsten Ort nach Emsdetten durchquerte ich eine wunderschöne zugewachsene Hügellandschaft mit vielen Kiefern. Auf einem Schild war zu lesen, das ich mich auf Binnendünen befände. Sand, die der Wind am Ende der Eiszeit vor ca 10.000 Jahren hier her gepustet hatte, hatte Dünen von bis zu 20m Höhe aufgetürmt. Warum also ans Meer fahren, wenn das Schöne ist so nah. 

In Emsdetten selbst sprach mich eine Frau an, die wohl beobachtete, wie ich etwas hilflos auf mein Telefon starrte. Sie erklärte mir, das ich gerade in Emsdetten wär (aha!) aber viel wichtiger, wo der nächste Supermarkt zum Wasser auffüllen wäre. Sehr freundlich von ihr.

Den Emsradweg Organisatoren muss ich hier einmal ein großes Kompliment machen. Toll ausgeschildert mit einem ineinander verschachtelten “E” kann man sich auf dem Emsradweg auch quasi ohne Karte oder Navi nicht verlaufen. Ich schon! In Träumer Modus hatte ich eine Abbiegung verpasst und war vom Weg abgekommen. Zum Glück gibt es die Karte in Offline Modus als App fürs Handy. Diese hatte ich mir schon vorab runter geladen und konnte den nächsten Wiedereinstieg finden. 

Ich hatte mir in meiner Fantasie ausgemalt, wie ich an der Ems entlang laufe und immer wieder den Fluss sehe. In der Realität ist das (zumindest auf meinem Teilstück) eher weniger der Fall. Man läuft vielfach landwirtschaftliche Wege gesäumt von hoch stehendem Mais und tollen westfälischen Höfen. 

Auf dem Weg nach Rheine fing es dann an zu regnen. Ich schlug mich in einen Wald, schaltete das Handy vom stromsparenden Flugmodus in den normalen Betrieb und schaute in einer Wetter App. 30min. sollte es dauern. Ich setzte mich auf meinen Isomatte und kochte mir einen Tee. Der Becher war heiß, das wusste ich jetzt und so stand der Becher Tee vor mir und kühlte erst mal wieder ab. Tee kochen und dann nicht trinken – kann ich. Und auch über die linke Wade kippen. Autschi…

Ich juckelte weiter. Mal laufend mal marschierend kam ich Reine immer näher. Dort angekommen kaufte ich neues Wasser im DM und zwei ca. 12 Jahre  alte Jungs beobachteten mich, wie ich aus allen möglichen Rucksacköffnungen Flaschen rausholte, umfüllte und mischte. Dann gab es Eis. Eis kann nie schaden, NIE!

Mein Wunschziel innerhalb dieses “Ausflugs” war es die niedersächsische Landesgrenze zu erreichen. Als Zielpunkt setzte ich mir also Salzbergen. Weitere 11km Strecke, würde ich also heute die 50km voll machen… Etwas schlecht in Gänge kommend kam ich an der Klosteranlage Bentlage vorbei. Ich stellte mir vor wie dicke Mönche mir bemitleidenswerten Rastlosen ein Mahl mit Klößen und Braten reichen würden. Ich wartete. Und wartete. Aber nichts. Es kam weder Mönch noch Braten. Statt dessen die Information dass das Kloster ein Kulturportal sei. Mist!!

Auf dem Weg nach Salzbergen haben die findigen Gastronomen immer wieder Schilder aufgestellt: “Hunger? Noch 5,6km bis in unsere gemütliche Altstadt.” Oder “Lust auf Kuchen? Noch 4,2km bis in unsere gemütliche Altstadt”. Das ist eine Frechheit. Wenn man den ganzen Tag von energiereichen Riegel und Iso Getränken lebt ist das Folter pur…

2,7km vor Salzbergen fand ich eine gemauerte Schutzhütte die mein Nachtlager sein sollte. Ich merkte mir die Stelle genau, hier könnte ich bleiben… Weiter Richtung Ortskern kam ich an einem Sole-Pumpenhäuschen vorbei – daher hat Salzbergen wohl seinen Namen. 

Als ich endlich den Ortskern Salzbergen erreichte drückte ich gegen 16:30 Uhr meine Uhr ab; 54km mit 6kg Gepäck. Ich gratulierte mir und suchte mir eine Gastronomie mit Außeneinheit aus um schwer verschwitzt zu rasten. Bei einer großen Spezi und einem kühlen Alster kam die Müdigkeit. Irgendwie war die Luft raus. Ich hatte mein Ziel erreicht! Ich genoss meine Pause und überlegte lange, wo ich denn die nächste Nacht bleiben sollte. Schlussendlich ging ich den direkten Weg zur Schutzhütte zurück und saß da nun rum. Und genau hier wurde mir bewusst, das die Idee einen Emsradweg zu erlaufen keinen Sinn ergibt. Entweder läuft man ca. 4-5h pro Etappe und langweilt sich die restlichen 8h des Tages herum (natürlich kann man sich etwas ansehen oder bummeln, dann sind es noch 6h zur Überbrückung) oder man läuft so wie ich 7,5h, ist abends total alle und hat keine  Kraft für den nächsten Tag. Vielleicht sieht das zu zweit oder in einer Gruppe ganz anders aus, alleine ist das schon sehr speziell. Und man muss Ziele haben ähnlich wie Pilger auf dem Jacobsweg, die am Abend an einer speziellen Bleibe sein wollen. Dort angekommen sind dort andere Pilger und Unterhaltung. Essen, Duschen und Verpflegung.

Ich hatte noch gute 3h bis es dunkel sein würde und so saß ich also in einer gemauerten Schutzhütte darauf wartend das es Dunkel würde. Etwas geknirscht. 

Ich googlete ob es möglich sei, von Salzbergen mit dem Zug nach Hause zu kommen. Bingo: für 14,40 EUR käme ich noch diesen Abend nach Hause. So packte ich all mein Kram wieder zusammen und machte mich auf zum Bahnhof. Müde vom Tag, müde eine andere Bleibe zu finden war ich mit mir im Reinen. Um 22:00 Uhr stand ich unter der besten Dusche seit langem.

Was bleibt ist die stolze Erkenntnis, mal wieder etwas in Angriff genommen zu haben; eine “spinnerte” Idee umzusetzen und viel, sehr viel, zu lernen. Das was ich hier alles aufgesogen habe, kann ich sicher noch mal gebrauchen. Das Equipment habe ich jetzt, wenn ich eine neue Idee bekomme: ich bin dabei. Auch wenn ich mir das Finish zugegebener Weise deutlich glücklicher vorgestellt habe: 82km (26 + 54km) sind eine mega Leistung mit dem ganzen Gepäck. Ich habe tolle Sachen erlebt. 

Und ein Wort an Euch: macht mal was blödsinniges! Seit ein bisschen wie Kinder die vor der Herdplatte stehen und die Mutter sagt “es ist heiß!”. Und trotzdem ist diese Lust da, dieses Verlangen da drauf zu fassen und sich wahrscheinlichst zu verbrennen. Es ist einfach zu viel öder Alltag da draußen. Man muss ja nicht gleich nach Uganda um ein kleines Abenteuer zu erleben. Kommt und gebt eurem Leben einen Spritzer Farbe. Was habt ihr zu verlieren? Im nachhinein werdet Ihr stolz sein auf das Geleistete. So wie ich mit dem ERWEL. Es war spannend und ein bisschen aufregend!

Auf die Plätze, fertig, LEBT!!!!

Nachtrag: 20min später Twitter ich dem @trailrunnersdog: “Jetzt wo ich weiß wie es geht, kann ich jederzeit “ausbrechen” und mir ne 24h Auszeit nehmen”. DAS IST ES WOHL!!!!!