Mein #WHEW100

Eigentlich könnte ich jeden Blog Eintrag mit einem: “worauf habe ich mich jetzt wieder eingelassen…” beginnen. Doch dieses Mal ist es wirklich so. Worauf hab eich mich also jetzt wieder eingelassen?

Das es diesen 100km Lauf rund um Wuppertal gibt, wusste ich schon einige Jahre. Doch angefixt hat er mich nie. Hallo Bauchgefühl… Doch nachdem die liebe Kati @runandk ihren 100km Startplatz Anfang März abgeben wollte, habe ich diesen kurzfristig übernommen.

Meine Ultra Vorbereitungen für dieses Jahr waren bis dato nicht wirklich vorhanden, im Januar hatte ich zwar mein eigenes #RUNTZEE Spiel erfolgreich abgeschlossen, im Februar einen 50k Lauf im Teutoburger Wald mit reichlich Höhenmetern absolviert, im März dann den #SCHLEUM, also den 50km Ultra #SCHLEM in der Einfahrt, aber das war es dann auch schon.

Um auf Strecken zu kommen bin ich zwei Samstage morgens und abends gelaufen um auf 50km zu kommen und einmal den Pilgerweg durchs Münsterland bis zum Dortmunder Hauptbahnhof mit 58km. Alles andere waren kürzere, selten eher längere Streak Distanzen. Die Wochenumfänge waren regelmäßig über 75km. Mein Laufkumpel Thomas @lennetaler sagte einmal: “wer 100km in einer Woche laufen kann, der kann auch 100km an einem Tag”. Aha. Und wer “nur” 75 kann…? Ich hatte mir also was anständiges vorgenommen.

Da ich zur selben Zeit, wo das eigentliche Tapering sein sollte, auch noch umgezogen bin, blieb vor dem Lauf keine Zeit sich verrückt zu machen. Manchmal machte ich mich damit verrückt, das ich mich nicht verrückt machte. So ruhig und entspannt war ich selten. Es sollte einfach so kommen. Der einzige Plan war, genug Geld dabei zu haben um aus jedem Streckenteil mit dem Taxi heimzukommen.

Mittwoch: mir fällt auf, das ich zwischen all den Umzugssachen mal mein Laufequipment zusammen suchen sollte und mich auf den Ultra vorbereiten sollte. Von Nervosität keine Spur…

Donnerstag: ich kaufe mir für die Fahrt noch einige Flaschen Wasser und ausnahmsweise eine Dose Redbull Cola, die ich auf dem Lauf mitführen will. Abends lege ich meine Sachen raus und schmeiße sie etwas lieblos in zwei Pappkartons. Und die Nervosität? Nur wenig mehr als am Vortag.

Freitag: ich fahre nachmittags nach Wuppertal, stelle unterwegs fest, das ich mein Portemonnaie im Job liegen hab lassen. Es ärgert mich, aber ich hoffe auf das Wohlwollen meiner Laufkameraden. In Wuppertal will ich in meinem Firmen Lieferwagen an Start und Ziel schlafen und morgens dann frisch und munter zum Start gehen. Derweil hat sich Kumpel Sven @svnkswttr im B&B in Wuppertal etwa 3km vom Start einquartiert. Wir treffen uns am Hotel, ich entscheide mich kurzfristig um und übernehme Svens Doppelbettzimmer Seite. Das machen dem super lustigen Rezeptionisten klar, dessen heimat irgendwo zwischen Tunesien und Sri Lanka ist. Ob wir um 07:30 Uhr Frühstück haben wollen, fragt er uns. Sven meint lapidar: da wären wir schon lange am laufen, wir würden schließlich gegen 04:30 Uhr aufstehen. Wie weit wir laufen würden fragte der Gute uns. Sven trocken: “100km”. Man sah sein Gehirn kurz aufflackern, dann einen System Neustart, ein tiefes durchatmen. Sodann wollte er unbedingt ein Foto von uns machen und am besten nach dem Lauf auch noch eines. Er selbst wäre nicht da, aber seine Kollegin, die würde es dann machen und ihm weiterleiten. Ein wirklich lustigen und freundlichen Menschen hat B&B dort gefunden… – Sven und ich sind noch was essen gegangen und legten gegen 22:00 die letzten Sachen raus.

Samstag: das Hotelfenster geht nach vorn zu einer stark befahrenen Straße heraus und nachdem ich endlich eingeschlafen war, weil Sven meinte den letzten Rest Hambacher Forst abzusägen, wurde ich schon wieder wach von diesem Geräusch, wenn Autos durch Regen auf nassen Straßen fahren. Wir frühstückten ausgiebig unser Mitgebrachtes im Snackbar Bereich des Hotels, tranken mehrere Becher Automatenkaffee, flaxten herum und wurden gegen 06:00 Uhr von Marina und Elzo (einem niederländischen Luna Sandals Läufer abgeholt). Gegen 06:20 Uhr waren wir dann am

Start: Pünktlich um 07:00 Uhr fiel der Startschuss zum 100 km Lauf und neben diversen Run&Bike Manschaften waren auch 12 Lastenbikes mit cooler lauter Musik im Pulk und verbreiteten Stimmung. Das Feld zog sich nur langsam auseinander und Marina und ich hatten uns vorgenommen zusammen zu laufen.

Nach ca. 15km wurde Marina wegen gesundheitlicher Wehwehchen stiller und grantelte kurz fast unmerklich neben mir. Es würde ein hartes Stück Arbeit für sie heute werden, das war klar… Das Wetter zeigte sich derweil abwechslungsreich mit Sonne, Hagel, Regen und ein paar Schneeflocken.

Bei km 25 wollte Marina, das ich vorlaufe, sie könne das Tempo nicht so wie gewünscht mitgehen, ich aber blieb bei ihr. Ich sagte ihr, sie müsse schon böse werden und mich wegschicken, sonst würde ich bleiben. Wir laufen zusammen, so das Credo.

Km 35 Marina steckt sich ihre Musik in die Ohren und läuft stillschweigend neben mir her. Sie beißt.

Bei etwa km 40 laufen wir auf einen älteren Herren mit Radbegleitung auf, der seinen rechten Arm die ganze Zeit über hängen lässt und nur mit dem linken Arm die typische Bewegung macht. Ich schaue mir das einige hundert Meter an und traue mich dann doch ihn zu fragen. Das schöne ist ja, das beim laufen alle gleich sind und wir duzen uns. Und dann erklärt er mir:

Er hatte vor neun Jahren einen schweren Unfall, ist auf seine Schulter gefallen und die Nervenstränge seines rechten Arms seien abgetrennt worden. So hätte er nun auch keine Steuerungsmöglichkeit dieses Arms mehr. Er habe sich geschämt dafür, immer mehr eingeigelt, wäre immer dicker geworden und hätte auch geraucht. Vor sechs Jahren dann, wäre er mit dem Laufen angefangen, hätte sich langsam aus der Dunkelheit heraus gezogen, immer wieder überaus positves Feedback aus der Laufwelt bekommen und somit mehr und mehr Selbstvertrauen. Er erzählte weiter, das er mittlerweile diverse Marathons in Europa gefinisht hätte und er wäre bei seinem 100km Debüt heute immer noch auf PB Kurs – und lachte.
Sein mitradelnder Freund!!! hatte ihm beim letzten VP aus Spaß ein Stück Schokolade in die Hand gegeben, es war ihm aber nicht möglich diese winzig kleine Last anzuheben. Da musste auch ich ein paar Mal schlucken. Ich zollte ihm meinen aller allerhöchsten Respekt, sagte ihm, das ich ihn nun als Vorbild nehmen würde, wenn es bei dem Lauf schwer werden sollte und wir liefen langsam an ihm vorbei…

Puh!!!

Und eigentlich kann ich jetzt meine wortfüllende WHEW Story abschließen, denn das ist eh nicht mehr zu toppen! Das hat mir gezeigt, das man immer wieder auf unfassbare tolle Schicksale bei diesen Läufen stößt, das ich mich nicht so anstellen sollte, wenn es mal nicht (schneller) geht (in meinem Leben) und so schließe ich mit den Worten: Sven hat gefinisht, Marina hat mich bei km 50 weggeschickt, ich selbst bin gut durchgekommen, sie hat sich bis ins Ziel durchgebissen und kam etwa 50min später ins Ziel. Und der Rezeptionist bekam noch sein Foto…

Ich ziehe meinen Hut vor diesen Menschen, die ihr Schicksal in die Hand nehmen, sich aus dem tiefsten persönlichen Loch heraus ziehen und aus eigener Kraft anfangen ihr Leben neu zu sortieren.

Ich wünsche mir und ich wünsche euch, das wir die Kraft haben und finden werden uns aus dem Sumpf des Lebens heraus zu ziehen und so straight das neue Ziel zu verfolgen, wie der ältere Herr, von dem ich leider weder Namen noch Startnummer habe. Hoffentlich denke ich an ihn, wenn es mir mal dreckig geht.

Danken möchte: Sven für seine Gastfreundschaft im Hotel und seine lockere Art – Marina, die mir mal wieder gezeigt hat, was der Körper kann, wenn der Kopf will – Kati, die mich mit Fred im Ziel so herzlich empfangen hat – den 12 Soundbike Kapitänen für die unentwegt gute Stimmung – allen Helfern an den VPs, die den ganzen Tag bei Wind und Wetter für uns da waren und natürlich Guido dem Veranstalter.

Und für alle die, sich auf einen langen detaillierten Laufbericht gefreut haben, tut es mir leid. Vielleicht beim nächsten Mal. Passt auf euch und denkt an den älteren Herrn vom WHEW, wenn es mal gerade nicht so geht wie ihr wollt…

Glück auf!

#RUNTZEE – Wir machen doch nur Spaß…

Damit meine Streakerei gerade in den Wintermonaten nicht zu langweilig wird, kam mir Mitte Dezember eine im nachhinein ziemlich bekloppte Idee. Mit diesem Aufmacher kann ich wahrscheinlich keinen mehr überreden weiter zu lesen. Doch in diesem Fall lohnt es sich wirklich. 🙂 Also am 01. Januar 1 km (1,6 km als Streak Erhalt) laufen, am 2. Januar 2 km laufen, am 03. Januar 3 km laufen, … bis zum 31. Januar und dann halt 31 km laufen. Nicht mehr, nicht weniger. In erster intensiver Klausur stellte ich eine kleine Überschlagsrechnung der Wochenumfänge an und stellte fest, dass die erste Woche mit 28 km locker machbar wäre, die zweite Woche mit um die 70 km so lala, die dritte Woche mit mehr als 120 schwerst machbar, Woche 4 zumindest für mich nicht möglich. Der daraus resultierende Gedanke war nun, die Laufkilometer so zu setzen, wie ich kann und will, aber immer nur einmalig. Ergo am 03. Januar z.B. 12 km, am 22. Januar 4 km, … Somit sind 12 und 4 km in dieser Challenge “verbrannt” und können zwar noch gelaufen, aber nicht mehr als Ergebnis genutzt werden. Es erschien mir wie eine Art “Kniffel”-Spiel zu sein. Da wir alle so schrecklich modern denken (ich größenwahnsinnig gleich an was Globales wie den Marcothon dachte) und sich die globale Kniffel Bezeichnung “Yahtzee” schimpft, habe ich meine Challenge #RUNTZEE getauft. “O.k. Runtzee! What is the next goal to run?” Sounds, äh klingt doch gut…

Nun noch ein bisschen Mathematik: unter der Suche “der kleine Gauß” findet man eine Formel um die Summe eine Zahlenreihe schnell zu errechnen, hier die maximalen Gesamt Kilometer. Man muss also nicht 1+2+3 +4 … addieren sondern nutzt die Formel und tataaa: es kommen unglaubliche 496 km dabei heraus. VIER! HUNDERT! SECHZUNDNEUNZIG!
Ganz klar, soweit kann man ( kann ich ) nicht laufen, ich werde also streichen müssen.

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist Gau%C3%9Fsche-Summenformel-Beispiel.jpg

Sodann habe ich mir für das #RUNTZEE Spiel folgende Regeln “erarbeitet” (wer sich auf den Schlips ge-gender-t fühlt, kann sich gerne melden):

  1. Der Spieler kann so häufig oder selten im Monat laufen, wie er mag. Sollte er mehrmals am Tag gelaufen sein, geht die zuerst gelaufene Km Leistung als Wertung in den für alle Teilnehmer sichtbaren Spielplan ein.
  2. Gewertet werden dabei nur abgerundete km (15,8km –> 15km)
  3. Jede Eingabe gibt es exakt einmal also 1x 1, 1x 2, 1x 3,… (Januar 31, Februar 28…)
  4. Sollte der Spieler mehr als 31km gelaufen sein (z.B. Marathon) werden maximal 31km am entsprechenden Marker gewertet
  5. Das Ranking dient ausschließlich dem persönlichen Vergleich und darf zu keiner Zeit negativ gegen andere Spieler verwendet werden. Wie immer gilt beim laufen und eintragen absolutes “fair play”
  6. Jeder Spieler kann so viele Tage streichen ( X ) wie er mag oder muss (Kniffel Gedanke)
  7. Spieler können natürlich vorzeitig aussteigen, aber auch später einsteigen. Der Einstiegstag gilt als Mindestwertungstag
  8. Es können alle Kilometer Marker bis zur gelaufenen Strecke genutzt werden: 15 gelaufene Kilometer kann z.B. als “14” platziert werden, wenn 15 schon vergeben ist.
  9. Alles bei #RUNTZEE dient dem persönlichen Nutzen, der Motivation und dem Spaß. Es dient in keinster Weise dazu, sich oder andere zu schaden, zu kränken oder anderweitig übel mitzuspielen.

So einfach und so gut.

In der Theorie…

Ich habe meinen Laufbuddy Sven @svnkswttr angesprochen, der mir freundlicherweise eine tolle Tabelle konzipiert hat, in die man nur das aktuelle Datum an den jeweiligen Kilometer einträgt und der Rest wie Gesamtstrecke, Ranking, etc. angezeigt werden. Danke Dir Sven.

Wo ich schon bei Sven bin: ich habe Sven und seine Freundin Elli dazu überreden können, sich als Tabellentester zu herzugeben, habe die jetzt häufiger erwähnte (wahnsinnige) Marina und auch meine Frau ködern können, dort mitzumachen. Meine Frau allerdings in der Sonderwertung Rad fahren.

Und dann kam der 1. Januar…

Alle Teilnehmer waren hochmotiviert und eifrig dabei, die jeweiligen Läufe einzutragen. Sven und Elli im Trainingsmodus für die 50km in Rodgau preschten mit schier absurden Umfängen vorne weg. Uns blieb nur das Nachsehen. Sven war, wie nicht anders zu erwarten auf Platz 1 des Rankings, knapp dahinter Elli. Meine Frau, Marina und ich tauschten und wechselten die Plätze.

Da keiner mit einer gescheiten Taktik ans Werk ging, wurden die kleineren Kilometer fleißig aufgefüllt, man ließ sich die größeren Umfänge offen um dieses ggf. zu streichen. Ist ja alles nur Spaß.

Marina und ich liefen am 6. Januar die 45km in Bielefeld und durften somit stolz die “31” streichen, Sven und Elli zogen nach, da sie noch einen langen Lauf als Trainingsvorbereitung für Rodgau machten. Die beiden zogen es beängstigend durch. So beängstigend, das ich Sven zwischendurch sagte, das ich die Challenge nicht dafür erfunden hätte, das er sie gewinnen sollte. Sven winkte aber gleich ab, da die Rodgau Vorbereitungen sich dem Ende näherten.

Ich hatte richtig Lust auf #RUNTZEE, war es doch ein kleines Spiel um Taktik und eigener Genugtuung, nach dem Lauf wieder eine Zahl zu streichen.

Was ich nicht bedacht hatte, war die Tatsache, das immer mehr lockere Läufe “verbraucht”, aber noch viele größere Weiten übrig blieben. Ich holte mir Motivation bei Marina, die einmal mehr voller Schwung war und alles super fand…

Circa 10 Tage später:

Meine Frau fährt tapfer Rad, selbst weitere Strecken, die sie sich nicht zugetraut hat, absolviert sie und ist stolz über ihre Motivation. Marina und ich verfallen in den ersten Trashtalk und versuchen durch liebesvolles Bitten und um Sorge des Anderen Gesundheit doch einfach mal ein bis zwei Tage zu streichen. Doch unsere Bitten bleiben unerhört. Jeder versucht seine Läufe zu absolvieren und der Linie treu zu bleiben. Ist ja eh alles nur Spaß.

Weitere fünf Tage später:

Sven und Elli machen ihr Ding und sie laufen, so wie es ihnen beliebt. Meine Frau macht ihr Ding und sie fährt so, wie es ihr beliebt. Marina nervt mich mit ihrer Lustlosigkeit, ich nerve sie mit meiner Müdigkeit. Noch immer hat keiner ein “X” gesetzt. Das stimuliert das natürlich ungemein, will man sich doch nicht die Blöße geben, negativ gedacht könnte es sein, das es nur ums verheizen geht. Klar, Marina kann alles und nichts laufen, ist aber selbst am Limit, Sport, Beruf und Privates unter einen Hut zu bekommen. Ich schlafe seit einigen Tagen jede Nacht im Prinzip 60 – 90 Minuten weniger als üblich, so das ich die langen Läufe noch vor der Arbeit platzieren kann. Ich erwische mich immer häufiger dabei, dass die Tageszeitung unberührt bleibt und dass das Frühstück aus zwei Hand salzigen Erdnüssen und ein Kaffee im stehen besteht. Für mehr ist keine Zeit. Nur Spaß? Eher leicht nervöses Zucken.

In der dritten Woche laufe ich insgesamt 162km. Das sind 45km mehr als meine “ewige” Bestleistung aus dem November. Alles verrückt. Jetzt bloß keinen Infekt, umknicken oder sonstiges. Schon lange habe ich mich, haben wir uns davon verabschiedet, einen Lauf zu streichen. Das Battle zwischen Marina und mir ist in vollem Gange. Und doch sind wir große Sportsgeister, bleiben fair und gehen ehrlich miteinander um.

Einen Morgen schreibt mir Marina, das sie mir zu meinem Sieg gratuliert, weil sie eine Muskelverhärtung hätte und sie sich einen Husten (sie nennt ihren Husten Ralph [mit ph!!] ) eingefangen hätte. So will ich nicht gewinnen. Ich biete ihr an, das ich auch einen Tag streiche, sie widerum schiebt alles auf mich und sagt ich solle es für uns beide zu Ende laufen – noch am gleichen Tag knetet sie ihr Physiotherapeut halbwegs zusammen und sie läuft fortan mit Ralph. Respekt Marina!! Irgendwo zwischen Wahnsinn und Irrsinn ist sie zu Hause..

Immer häufiger krame ich beim laufen motivierende Sprüche raus, muss mich selbst einmal zum weiterlaufen anschreien. Die mich beobachtenden Rehe müssen sich schwer gewundert haben, das da ein Mensch mit Stirnlampe plötzlich stehen bleibt, sich an schreit und dann langsam weiter trabt. Alles bekloppt. Jetzt haben nur noch die Rehe Spaß.

Am vorletzten Tag stemme ich dann eine neue virtuelle Tür auf: dadurch, das ich nicht immer nur die Mindest Kilometer gelaufen bin, komme ich am 30.01.2019 um 08:07 Uhr an den Punkt, an dem ich die 500 km Schallmauer durchschreite. Marina muss zu diesem Zeitpunkt auf Grund eines weiteren Ultras im Januar ca. 540 km auf der Uhr haben. Mit normalem Spaß hat das alles wenig zu tun. Selten freuen wir uns aber so auf den Februar, fragen uns aber auch was wir mit der ganzen Zeit anstellen sollen. Naja, zugegeben, es ist einiges liegen geblieben und ich freue mich besonders auf ein Frühstück im sitzen.

30.01.2019 21:32 Uhr: morgen soll ich also den letzten #RUNTZEEE Lauf machen, einundzwanzig winzige Kilometerchen* um das Ziel der maximalen 496km zu bestehen. Na dann, gute Nacht. – *Wie verächtlich, oder? Ich muss mich bei all denen entschuldigen, die einmal in ihrem Leben von einem Halbmarathon Finish träumen.

31.01.2019 – Ich werde gegen 03:10 Uhr wach, nervös liege ich im Bett und versuche wieder einzuschlafen. Ich wälze mich hin und her. Wenn ich um 04:15 Uhr loslaufen und gemächlich die letzten 21km laufen würde, wäre ich um 07:00 Uhr aus der Dusche, könnte meine Frau wecken und mit ihr frühstücken. Mein Körper heizte sogleich an, von liegen bleiben war eh keine Rede mehr. So zockelte ich um 04:07 Uhr los durch den frisch gefallenen Schnee, blieb immer wieder stehen, schaute mir die Spuren der Tiere an, zeichnete “WER SCHNEE FÜR SICH ALLEINE HABEN WILL, DER MUSS FRÜH AUFSTEHEN <3 ” in den Schnee und filmte das ab. Gib mir Schnee und ich bin Kind – herrlich. Im Stadion lief ich mit den Hasen eine Ehrenrunde und zuckelte dann weiter. Ich musste mich etwas ranhalten, damit mein Frühstücksplan aufgehen sollte…

Gegen 06:30 Uhr war es dann soweit, etwa 1500m vor zu Hause durchlief ich den 21. Kilometer, blieb kurz stehen, lächelte und machte mich wieder auf. So schnöde das hier steht, war es auch. Kein Jubel, kein Sekt, keine Raketen. Einfach laufen, laufen, laufen laufen, laufen….

Ich habe im Januar insgesamt 525 km in 50h 34min absolviert – reine Laufzeit, in den letzten drei Tagen alleine 70km, Geschätzte 40h davon waren morgens im Dunkeln, mal mit Regen, mal klar und kalt. Dazu noch das An- und Ausgeziehe, Gedusche und was auch alles dazu gehört. Ich glaube, das war alles ziemlich bekloppt, bin mir aber nicht sicher. Doch wenn ich rechne, wie lange der “gemeine” 3x die Woche 8km Jogger für die Strecke benötigt, nämlich gute 5 Monate zuckt meine Oberlippe kurz und ich grinse in mich hinein. Für mehr bin ich zu müde.

Und nun, wer ist hier der Sieger? Keiner? ALLE!!! Meine Frau ist ist im Januar so viel Rad gefahren wie noch nie im Januar, vielleicht auch in ihrer ganzen Streak-Radel-Zeit. Und somit ganz klar Siegerin. Elli ist Siegerin, weil sie in Rodgau durch Fleiß und Können ihre Bestzeit um gut 10 min unterboten hat und danach nicht schlapp gemacht hat. Sven ist Sieger, weil er die Tabelle erstellt hat und gerade am Anfang durch seine Läufe Schwung in den Laden gebracht hat. Marina ist Siegerin, weil sie es trotz privatem Trubel und Ralph so hammerhart durchgezogen hat und insgesamt noch mehr Kilometer gemacht hat. Sehr geil, krank und verrückt. Ja und ich bin auch einer. Warum? Denken Sie sich etwas aus…

Welch ein Schwachsinn, welch Gaudi, welch Drama. #RUNTZEE ist besser als jede Seifenoper, sie fordert und fördert. Ich, nein wir alle haben alles gegeben. Ob ich noch einmal in meinem Leben in einem Monat so weit laufe (12,5 Marathon Strecken) so weit in einer Woche (162,5 km), so viel laufe (ungefähr 51 Std. netto) weiß ich nicht. Jetzt muss ich erst mal ausruhen, den normalen Lauf Alltag einkehren lassen, Kraft tanken und erholen. Bis morgen lieber Streak… DANKE EUCH ALLEN!!! GEILE FÜNFER BANDE! Es war mir ein Fest. Ein besonderer Tripp und ein Erlebnis. Und Ralph verzieht sich jetzt, sonst gibt es mal richtig Ärger…

Nach 500 km ist man in Paris, in der Schweiz oder in Polen…

Advent, Advent, die Sohle brennt

Was hat mich denn jetzt schon wieder geritten? Der Deal ist eigentlich ganz einfach: an jedem Adventssonntag einen Marathon zu laufen. So aus dem nichts heraus… Jetzt, wo ich die Zeilen schreibe, ist zumindest der 2. Advent herum und der Dritte in Lauerstellung. Und zum Glück kann ich von mir  nach der ganzen Streakrei bei denen ich die langen Läufe zur Vorbereitung eines Marathons vernachlässigt habe, behaupten, das ich es noch kann.

Mit ins Boot und zur Unterstützung habe ich mir die liebe Marina geholt. Kennengelernt erst persönlich beim 1. Baldeney Ultrasteig im November, scheint es aber zwischen uns zu passen. Ich muss mich eigentlich verbessern. Ich kann von “dem jungen Ding” noch viel lernen, wenn es darum geht fröhlich unbekümmert in ein Laufabenteuer zu gehen und jegliche Qual und Sorge einfach wegzulachen. Also Schluppe: Kopf aus!!!!

Wir schrieben uns ein paar mal und dann war die Sache klar: Marina macht mit. Für sie eher ein kleiner Trainingslauf am Wochenende, freute ich mich mit ihr zusammen den ersten Adventsmarathon zu laufen. 

Drei Tage zuvor geht mein Telefon. Marina. Was ich denn Samstag machen würde. Ich sage, nichts, ich müsste halt arbeiten. Ob es ihr nicht auskäme am Sonntag. “Doch, doch” sagte Marina, aber man könne doch am Samstag auch schon einen Marathon laufen, quasi als Doppeldecker. Meine Kinnlade fiel herunter. Womit hatte ich mich also bei dieser Person eingelassen…

So lief Marina schon am Samstag einen Marathon und am Sonntag halt noch einen mit mir. Kinderkram.

Marina verspätete sich am Sonntag etwas und dann ging es um 08:30 Uhr los. Bei Regen. Mal mehr Regen. Mal weniger Regen. Mal von links. Mal von rechts. Von oben oder von vorne. Es regnete eigentlich immer. Eine Eigenschaft, die Laufverrückte haben und teilen müssen, ist der Galgenhumor. Wir redeten uns ein, wie doof es bei Sonne wäre, Sonnencreme in den Augen, der Schweiß und überhaupt. Dabei liefen wir entspannt durch die westfälische Tiefebene, immer mal wieder an meinem Auto vorbei, welches als VP diente und uns zumindest bei den Pausen einen dann überflüssigen Wetterschutz  bot. Nass bis auf die Knochen tratschten und quatschten wir über vergangenes und zukünftiges. 

Nach gut 4,5 Std war der Spuk vorbei, Marina verabschiedete sich und unser erster Adventsmarathon war Sack.

Den zweiten Advent würden wir getrennt laufen. Marina zog es ins Siebengebirge zum Trailmarathon. Ich entschied mich auf Grund noch schlechterer Wetterlage ins örtliche Stadion. Runden laufen mal mit Gegenwind, mal mit Rückenwind. Hallali, regnete es nicht. Es schüttete. Meine oberste Kleidungsschicht war ein Regenponcho. Dicht gegen jegliches Wetter, so dicht, das sich darunter ein feuchtfröhliches Mikroklima bildete. Der Poncho klebte an meinen Sachen. Zum Glück war mir nicht kalt. 

Marina und ich schickten uns traditionell vorweihnachtliche Wetterflüche und Anfeuerungen per Sprachnachricht. So waren wir nicht ganz so allein. 

Nun lief ich Runde um Runde – bis ich auch den 2. Adventsmarathon erfolgreich beendet hatte. Schnell in etwas trockenere Sachen, zum Bäcker Brötchen holen und ab nach Hause….

Jetzt ist Donnerstag: Marina wird am Sonntag in Belgien den Bello Gallico laufen, also 80km durch den belgischen Matsch. Ich sage ja, die Frau hat ´nen Knall 😉 Ich für mich weiß noch nicht, wie ich genau meinen Lauf gestalten werde. Vielleicht laufe ich in den Advent hinein – durch die Nacht…

Eine Woche später, Freitag Abend und so langsam habe ich mich vom dritten Marathon erholt. Es war ein reiner Arbeitslauf, der mir noch bis Mittwoch in den Knochen steckte. Auf Grund von Terminüberschneidungen am Sonntag gab es für mich nur die Möglichkeit Samstag Abend loszulaufen und früh am Sonntag Morgen zu finishen. Damit wäre Marathon und Streak gerettet. Ich bin also um 20:30 Uhr los. Es war kalt (-2 Grad) feucht, dunkel, ungemütlich, einsam und launisch. Trotz Hörbuch, trotz Musik hat sich dieser Lauf wie Kaugummi gezogen und gefühlt war das der härteste Marathon, den ich je gelaufen bin. Ich habe keine guten Gedanken daran, war nicht stolz, nicht glücklich – einfach nur leer, müde – abgehakt. Wie ein Besuch bei nervigen Verwandten.

In zwei Tagen ist dann Nummer 4 an der Reihe. Ich freue mich schon jetzt drauf, nicht ein Etappenziel zu erreichen, sondern “nach Hause” zu laufen. Mit jedem Kilometer 1000m näher am Ziel. Das wird toll…

Samstag; der Countdown läuft. Es soll NICHT regnen. Das wäre mehr als phantastisch, sind wir doch die letzten drei Läufe mehr oder minder bis auf die Knochen nass geworden…

Sonntag morgen 08:00 Uhr: Marina trifft pünktlich ein und wir laufen wirklich bei Trockenheit los. Der Himmel ist grau und verhangen bei + 7 Grad, leichtem Wind. Laut Wetter App soll es erst um 13:00 Uhr anfangen zu regnen. So laufen wir beide um die Felder und reden und tratschen. Marina meint, man solle Männer immer bei einem Ultra daten, dann wüsste man wie sie sich in Extremsituationen verhalten, welche Schimpfwörter sie drauf haben und wie sie in (Not -(durft)- )Situationen mit dem Problem umgehen. Eigentlich keine so schlechte Idee. Und obwohl wir uns “nur” auf der Marathon Distanz beschnuppern, scheint die Wellenlänge doch ähnlich zu sein. Unsere Gespräche sind derbe und könnten verstörend wirken, deswegen gehe ich nicht ins Detail. Wir laufen und wir lachen, die Zeit läuft und die km ticken so runter. Und als ob der Himmel vor Glück weint, fängt es bei km 41 an zu regnen. Wir lachen darüber, klatschen uns ab und freuen uns über die letzten anstehenden Meter. Zum großen Finale laufen wir noch zwei Runden auf der #SCHLEM Traditionsstrecke und dann ist der vierte Marathon vollbracht. Ganz cool eigentlich!! Ich freue mich, Marina freut sich. Wir umarmen uns und dann ist sie auch schon wieder verschwunden.

Was bleibt: Nach dem #Kreuzberg50 im Oktober bin ich keine wirklich langen Strecken mehr gelaufen, bin vor mich hingestreakt, mal mit richtig vielen Wochen Kilometern, manches Mal vor mich hin dümpelnd. Als ich mich dazu durchgerungen habe vier Marathone an vier aufeinander liegenden Wochenenden zu laufen, wusste ich nicht, was mich erwartet. Zum Glück hatte ich mentalen Support von Marina und viel Raum und Zeit, die mir meine Frau gab um an einem Sonntag einfach mal 4-5 Std. fernzubleiben. Besonders deswegen, weil wir nur den Sonntag als gemeinsamen freien Tag haben. Danke Dir!!! 

Wieder einmal habe ich mir bewiesen, das ich etwas kann, auch wenn es kein monster weiter Ultra mit 70.000 Treppenstufen rückwärts mit verbundenen Augen gewesen ist, war es eine Herausforderung für den Kopf und zudem eine beeindruckende Regenerationsfähigkeit meines Körpers. Auch wenn die werte Leserschaft natürlich sagen wird: natürlich kannst du was – ab und zu muss man sich das halt auch selbst beweisen.

In diesem Sinne: bis zur nächsten Beklopptheit auf diesem Kanal.

 

 

 

 

Kölnpfad 2018- Klüngel der liebenswerten Art

Wir treffen Christian, Mitte 40, einen dieser Menschen, die sich voll und ganz ihrem Hobby verschrieben haben. Christian läuft gern. Laufen nicht in dem Sinne von Firmen- oder Stadtläufen. Ihn reizen die Strecken jenseits des Marathons. Alles über 42,195km würde man Ultra nennen. Das hätte nichts mit den Stadion Raufbolden beim Fussball zu tun, erklärt er mir und lacht. Sein Lachen ist ansteckend, ein Typ der in sich ruht, mache ich mir Notizen.

Wir haben Christian bei seinem letzten Lauf dem sog. Kölnpfad begleiten dürfen. Mit seinem Freund Christian aka Trailtiger erleben wir eine Strecke von unglaublichen 110km. Der Fernwanderweg verläuft einmal um ganz Köln und zeigt viele unterschiedliche Facetten der Rheinstadt. Die Gesamtlänge ist eigentlich 171km, aber sowas macht ja keiner erklärt uns “Tiger”.

Freitag Abend: Christian treffen wir zu Hause an, wie er gerade all seine Sachen und Ausrüstungsgegenstände fein säuberlich zusammen legt. Da habe jeder seinen eigenen Stil, so Christian. Später treffen wir noch seine Frau Nina und fragen sie nach dem Vorhaben. Angst habe sie nicht, die beide würden sich blendend verstehen und gut aufeinander aufpassen. Sie hätte ihn halt laufend kennen gelernt und unterstützt seine Vorhaben. Manchmal würde es ihr allerdings auch zu bunt, lacht sie.

Christian verabschiedet sich gegen 22:00 Uhr und geht zu Bett. Der Wecker ginge schließlich um 05:00 Uhr. 

Wir verabschieden uns und verabreden uns für Samstag 06:00 Uhr. 

Fröhlich öffnet Christian uns die Tür. Nervös, nein nervös wäre er nicht. Aber eine gewisse Aufregung gehöre schließlich dazu. Wir fahren gemeinsam zuerst Richtung Ruhrgebiet, um in einer Kleinstadt seinen Freund “Tiger” und gefühlt eine Woche Urlaubsgepäck einzuladen. Danach geht es weiter zum Zielbereich nach Köln, wo sich die beiden Namensvetter ihre Startnummern abholen und letzte Vorbereitungen treffen. Um 08:45 Uhr fährt sie und ca. 40 weitere Teilnehmer eine gecharteter Reisebus zum eigentlichen Start am Rheinenergiestadion. Im Bus herrscht gute Stimmung, Teilnehmer lachen und zeigen sich belustigt über die Wettervorhersage. 30 Grad sollen es wohl werden, so Tiger. 

Um kurz vor 10:00 Uhr versammeln sich alle Ultraläufer um den Veranstalter Tom Eller, der eine kurze Rede hält. Er weißt nochmals auf spezielle Streckenabschnitte und die Wärme hin. Trinken, trinken, trinken, so Eller. Gemeinsam zählen alle herunter und pünktlich setzt sich die Läuferschar in Bewegung. 

Das erste unerwartete Hindernis taucht noch am Rheinenergiestadion auf. Ein Ordner lässt die Läufergruppe nicht am Stadion vorbei. Nach kurzer Diskussion wird es diesem aber zu bunt und lässt zähneknirrschend die Sportler durch…

Der Kölnpfad ist einer von 14  Rundwanderstrecken, die vom “Kölner Eifelverein” betrieben und unterstützt werden. Dieser über 125 Jahre alte Wanderverein markiert mit einem weißen Kreis auf schwarzem Grund den Weg und ebnet dem Wanderer die Möglichkeit einzelne Etappen oder die komplette Strecke zu durchgehen.

Zurück zu unseren Hauptakteuren, die sich mittlerweile in einem eher ruhigen Lauftempo bewegen. Immer wieder kommt es vor das sie eines der Hinweistafeln übersehen. Teils durch rankende Pflanzen, teils durch Vandalismus. Kein Problem erklären beide: der sog. GPX Track sei auf den Handys und auf einem Handheld, einer Art Navigationsgerät für Wanderer geladen.

Nach ca 12km erreichen wir den ersten Verpflegungspunkt (VP). Die Läufer, die den kompletten Kölnpfad absolvieren, haben zu dem Zeitpunkt schon 75km in den Beinen. An jedem VP warten freiwillige Betreuer, die häufig selbst Ultraläufer sind oder einen besonderen, meist familiären Draht zur Szene haben. Ein freundliches Wort, ein Stück Melone, die Getränkeflaschen aufgefüllt, geht es schnell weiter.

Die Strecke wechselt immer wieder zwischen angenehm schattigen Stücken und offenen Grünflächen. Man merkt jetzt schon das es eine Hitzeschlacht werden wird.

Wir dürfen an den Gesprächen der beiden teilhaben:  zwischen ruhigen Momenten wird gelacht und gefoppt. Aber auch ernste und sogar kritische Töne werden angeschlagen. “Stell uns in ein paar Stunden mal eine Rechenaufgabe, da sind wir gaga” lacht Tiger. Der Körper würde auf Schonbetrieb umschalten und so bliebe halt nicht mehr so viel für das Rechenzentrum über.

Nach weiteren 13km kommen wir zum nächsten VP. Flüssigkeit auffüllen, eine Handvoll Studentenfutter, ein paar Stücke Melone. Diese Stationen sind wahre Oasen, liebevoll drapiertes Obst, Müsliriegel, allerhand unterschiedlicher Getränke lassen auch uns das Herz höher schlagen. Aber es geht weiter. 

Die nächsten Kilometer geht es direkt am Rhein entlang. Rechts der Fluss, links die überholenden Radfahrer. Man müsse sich halt arrangieren erklärt mir Tiger. Derweil der erste Gemütsausbruch von Christian. Haben wir ihn doch als einen ruhigen und sympathischen Läufer erlebt, raunzt er jetzt herum. Der Tiger lacht und erklärt: jetzt ist er in seinem Element. Christian könne sich gern an kleinen Dingen aufregen und die Wärme mache halt auch was aus. Aber so schnell sich Christian aufgeregt hat, kommt er auch wieder runter. Wir traben weiter am Rhein entlang, überqueren die Autobahnbrücke der A4 und folgen dem Fluss in die andere Richtung. Nach weiteren 11km erreichen wir wieder einen VP.

Dort erwarten uns liebe Menschen, die nicht nur eine Massage Liege und Zelte zur Erholung aufgebaut haben, einen Kühlschrank am Generator, oder eine Bierzeltgarnitur, sondern auch eine mobile Dusche installiert haben, die beide gleich nutzen um ihre T -Shirts nass zu machen. Kühlung ist das A und O. Hier erleben wir die Ultra Welt. Inning und verbunden. Nach 10min Oase geht es auch schon wieder weiter.

Wir sind unterwegs zum nächsten VP. Christian macht uns Sorgen. Er wird zunehmend schweigsamer und lässt sich einige Meter nach hinten fallen. Derweil erklärt uns der Tiger, daß das ganz normal sei. Es gebe halt Höhen und Tiefen im Ultra laufen. Man komme da selbst wieder raus, manchmal wüsste man halt nicht den Weg aus dem Dilemma. Christian greift zu seinen Kopfhörern. Selbst wir hören den stampfenden Technobeat, dem er sich jetzt hin gibt.

Wir kommen in ein Waldstück, schattig und angenehm. Der Kölnpfad ist zum Trampelpfad geworden. Wir müssen hintereinander laufen. Als ich mich umschaue, liegt Christian gerade auf dem Boden und rappelt sich auf. Den Sturz haben wir nicht mitbekommen. Wutentbrannt taucht er unter uns weg, setzt sich an die Spitze und läuft ein Tempo, welches viel zu schnell für dieses Unterfangen ist. Der Tiger hält mich zurück. Wir sollen ihn ziehen lassen, er müsse das jetzt mit sich ausmachen. Nach 5 Minuten ist der Spuk wieder vorbei. Wir bewegen uns wieder ruhig durch die Landschaft. Mittlerweile brennt die Sonne erbarmungslos auf uns nieder.  Auf einmal gibt es Unstimmigkeiten zwischen den beiden. Der nächste angekündigte Erholungspunkt ist nicht dort, wo er laut Briefing sein soll. Beide schauen auf ihre Handys, vergleichen und beratschlagen sich. Eine Lösung haben sie nicht, er wird schon kommen.

Er kommt auch. Dort erleben wir, wie zwei der Teilnehmer das Handtuch werfen. Sie sind raus, ein sog. DNF (did not finish) ereilt die beiden. Diese Momente sind die traurigen und dunklen Seiten der Ultraläufe. Häufig liegt es nicht an körperlicher Erschöpfung sondern das das Kopfkino den Sportler mürbe macht. Das könne jeden treffen, so Christian. Und solche Vorlagen brächten einen gerne selbst in Grübeln.

Was jetzt kommt wird in der Kölnpfad Comunity später liebevoll als Todeszone bezeichnet. 17km bis zum nächsten Verpflegungspunkt zur besten Nachmittagszeit ohne einen Schattenpunkt lassen uns erschaudern. Abwechselnd gehen und laufen wieder an. Die Sonne brennt, die Grillen zirpen, Wind, wenn überhaupt, weht warm über unsere Körper und fordert uns alles ab. Wir bleiben an einer Böschung stehen, die uns kurz Schatten bietet. Die Luft flimmert, weit vor uns ein Sportler, weit hinter uns ein anderer. Wir gehen alle an unsere Grenzen. Doch was dann passiert sind diese wunderbaren Momente, von denen die Ultras immer wieder berichten. Wir kommen an eine Biegung am Ende einer Wohnsiedlung. Dort hat der Besitzer einen Gartenschlauch mit einer Regendusche in seine Birke gehängt und unablässig rieselt das Wasser auf die Strecke. Einfach so. Wir kühlen uns ab, freuen uns für den Moment und traben weiter. Danke!!

Am Ende dieser Felder tauchen wir wieder in den Großstadtdjungle ein. Auf der linken Seite taucht auch ein Supermarkt auf. Christian schert aus und läuft Richtung Supermarkt. Kurze Zeit später kommt er mit Calippo Eis für alle wieder. Wir freuen uns über diesen tollen Zug.

Wir merken, das die Sonne nicht mehr so intensiv brennt, auch die Schatten werden länger. Das Schlimmste ist also überstanden. Am nächsten VP erwarten uns viele Teilnehmer die auf Isomatten im Schatten sitzen, ihre Blicke teils weit weg, teils auch im jetzt. Christian kommt mit einer Kartoffelsuppe wieder und freut sich. Wir stehen zusammen und leben die letzten Stunden noch einmal durch. Das war brutal sind wir uns einig. Nach 15 Minuten geht es langsam wieder weiter. Erst gehend, dann langsam anlaufend.

Plötzlich sind die beiden Christians nicht mehr allein. Sven hat sich zu ihnen gesellt. Sie kennen sich noch vom letzten Jahr und sind gleich auf selber Wellenlänge. Das Tal scheint durchschritten zu sein, es wird gelacht und gespaßt und allen tut die Abwechslung merklich gut.

Weiter geht es Richtung Bensberg. Die ursprüngliche Strecke sollte durch den Königsforst gehen, doch es gab Unstimmigkeiten zwischen Ämtern und Veranstalter. So laufen wir nicht durch  sondern quasi um den Königsforst. Der Schatten und die Kühle des Waldes gibt den dreien Energie zurück. Die Temperatur ist gerade hier im Wald deutlich angenehmer. Immer wieder gibt es kurze Gehpausen, aber es gibt insgesamt neue Zuversicht.

In Bensberg angekommen ist der nächste Verpflegungspunkt kurz vor dem Schloss fast an höchster Stelle auf einer Terrasse. Als wir ihn erblicken, werden auch wir gesehen. Athleten und Helfer klatschen und jubeln. Jeder feiert jeden. Ich muss mittlerweile meine Meinung über die wahnsinnigen Laufspinner endgültig über Bord werfen, erlebe ich doch immer wieder tolle Momente wie diese. Niemand ist allein, jeder fragt nach, sollte man den Eindruck haben das der oder die Überholte gerade durch ein Tief geht. Eine große wunderbare Gemeinschaft. Das gibt es nur bei den Ultraläufen, so Christian. Ab 42km werde alles viel entspannter, das Konkurrenz Denken sei vorbei.

Wir machen in Bensberg eine längere Pause, sitzen das erste Mal, tanken Körper und Seele auf. Auf meine Nachfrage wie weit wir sind, denke ich an die Rechenaufgabe vom Anfang. Ich bekomme unterschiedliche Aussagen. So ca. 80km lachen mich die drei an. Ist also nicht mehr weit.

Die Sonne geht langsam unter und wir laufen durch kleine Dörfer und überqueren Felder und Wiesen. Mal als Trampelpfad, mal als breiter Radweg. Dann kommen wir an einem Bauernhof vorbei und der Tiger schreit: “Christian, hier ist dein Kakaoautomat!” Was jetzt passiert wundert mich selbst nicht mehr: Christian schwenkt aus zu einem Automaten, an dem man Milch selbst zapfen kann. “Hier hat er letztes Jahr um 02:00 Uhr nachts einen Kakao gekauft und war selig. Verrückter Kerl…” erklärt Tiger.

Die Sonne ist mittlerweile verschwunden und wir laufen mit Stirnlampen. Immer wieder tauchen jetzt Wanderer auf, die sich an den 100km versuchen, die der Veranstalter auch organisiert hat. Reflektierende Marker an ihren Körpern und deren Equipment lassen sie von weitem schon ausmachen. Beim Vorbeilaufen jubeln wir ihnen zu und bekommen Szenenapplaus. Eine wunderbare heile Welt.

Ich war der Meinung alles heute schon erlebt zu haben, aber was die sog. Laufbrigade Oberberg auf einem Parkplatz aufzieht sucht seines gleichen. Ich fühle mich eher wie auf einem Rockertreffen. Laute Heavy Metal Musik und Grillwürstchen erwarten uns. Wer keine Wurst will bekommt warme Worte und Tomatensuppe. Eine ausgelassene Stimmung wie auf einem Gartenfest nimmt uns ein. Immer wieder helfende Hände betüddeln uns auf Herzlichste. Als wir wieder losziehen, beklatschen sie uns in die Nacht.  Noch 20km rechnet Tiger uns vor. Also weiter gehts.

Wir laufen durch Wälder und über Schotterwege. Kalt ist uns allen nicht. So langsam kommen selbst bei mir Gedanken auf, das Ziel des Kölnpfads zu finishen. Sven sagt, ich könne jetzt auch spazieren gehen, so viel Zeit sei noch bis zum Cut Off, dem Zielschluss. Weiter geht´s. Wir wechseln immer wieder waldige Passagen gespickt mit Weihern und kleinen feinen Wohngebieten. In einem Waldstück sind sich Tiger und Sven sicher: gleich kommt der letzte VP. Und wahrlich. Was uns dort erwartet lässt unsere Herzen höher schlagen: wie eine Einflugschneise einer Landebahn sind auf dem Waldweg rote Kerzen aufgestellt. Wir landen. Und sind glücklich. Es gibt für jeden noch einmal Getränke, Riegel, liebe Worte. Eine der Helferinnen fragt uns ob wir hinter uns jemanden gesehen hätten. Tiger antwortet, das wir jemanden von den 171igern überholt hätten, der gar nicht gut ausgesehen hätte. Schnell schnappt sie sich hier Kopflampe und sagt, das sie ihm mal ein Stück entgegenlaufen wolle, dann würde es ihm nicht so schwer fallen. Ich sinniere: was geht ihnen diesen Mensch bloß vor, stehen zusammen und helfen sich wo es nur geht. Alle für einen, einen für alle.

Wir machen uns auf zur finalen Etappe, sind es doch noch 10km von insgesamt 110km. Ein letztes Mal durch Wälder, an quakenden Fröschen vorbei, ein langes tristes Stück an einer Eisenbahn vorbei überqueren wir alsbald eine Wiese und tauchen ein letztes Mal ein in die Zivilisation. Der Tiger lacht. “Gleich kommt noch ein Waldstück, es ist noch nicht vorbei.” Wir traben durch die Nacht. Mittlerweile ist es 02:30 Uhr, wir sind seit 05:00 Uhr auf den Beinen. 

Der Wald spukt uns aus. Wir überqueren ein letztes Mal eine Straße und laufen in den Zielbereich. Es wird gejubelt, es wird geklatscht, die drei umarmen sich herzlich. Sie nehmen auch mich in den Arm, war es doch auch für mich ein unvergessliches Erlebnis. Geredet wird nicht mehr viel, zu müde sind wir alle.

Gegen 04:00 Uhr fahre ich die beiden Christians nach Hause, Sven mussten wir vorher Lebe Wohl sagen. Sie sind mir dankbar, Kupplung treten wäre jetzt uncool, grinsen sie. Etwa 05:00 Uhr ist auch meine Reise vorbei, mache es mir in meinem Auto gemütlich und schlafe ein paar Stunden. Ich denke noch so das ….und dann bin ich auch schon weg.

Was bleibt ist eines der tollsten Abenteuer die ich erleben durfte. Dieser Einblick in eine Gemeinschaft, die auch Fremde mit offenen Armen aufnimmt. Keiner ist allein, alle ziehen an einem Strang. Ich erinnere mich, das ich die beiden auf der Hinfahrt gefragt habe, ob laufen süchtig machen könne. Sie verneinten es, aber das drum herum wäre schon toll. Jetzt weiß ich warum sie es machen, dieses Ultra laufen, jenseits der 42,195km.

Vielen Dank Sven, Tiger und Christian.

 

Alles neu macht der Juni

Diese Überschrift ist so ziemlich alles, was von meinem eigentlich Blog Post zum Köln Pfad 2018 und zum Streak Running übrig geblieben ist. Als ich das letzte Mal schaute, war ich bei 1100 Wörtern. Hatte mir die Seele frei geschrieben und am Ende kullerten sogar ein paar Tränen. 

Es ist müßig zu fragen, warum die automatische Sicherung nicht funktioniert hat. Ich könnte auch das Laptop aus dem Fenster werfen. Es würde sich nichts ändern…

Ich habe 3h Zeit versenkt. Und trotzdem fühle ich mich befreit, als ob ich dem Wirt an der Theke morgens um Drei mein Leben erzählt hätte.

…fange ich halt von vorne an.

Anders, vielleicht besser. 

Was mich wundert, ist diese Gelassenheit und Ruhe in mir. Ich kenne mich eigentlich ganz anders. Hat vielleicht mit dem zu tun was ich eben dem Wirt erzählt habe.

Gelassenheit ist schon was cooles, das wünsche ich Dir für heute!!!!

Ich geh jetzt erst mal einen Milchshake trinken…

Glück auf

 

Der SCHLEM 2018

In 5 Tagen ist der SCHLEM, mein Marathon in der Einfahrt. 

Ach je – wo fange ich an, wo höre ich auf. Ich könnte im Vorfeld einen Bericht schreiben und anfertigen, in dem alles super gelaufen ist, Wetter und Teilnehmer waren die wahre Wonne und überhaupt tätowiere ich mir SCHLEM auf die Stirn. Ich könnte auch wahrheitsgemäß schreiben, das die Teilnehmer nicht nur wegen schlechter Organisation und üblem Wetter, sondern mir auch auf den social media Kanälen entfolgt sind und mit mir keiner mehr spielen will.

Oder aber, ich warte es einfach mal ab und erzähle derweil was ein Veranstaltungsrookie so treibt:

Dabei nehme ich mir Beispiele an anderen Laufveranstaltungen und stelle fest: Es gibt bei mir kein einheitliches Logo. So tüfftel ich immer wieder wieder mit unterschiedlichen Schriften, stelle mir vor, wie schön es sein könnte. Caps, Pullis, Rucksäcke, Gürtelschnallen… alles über den Onlineshop erhältlich. Die Realität sieht etwas anders aus. – Ich möchte ein Logo, welches nicht zuletzt meine Art und Weise, meine Denke und Geschmack widerspiegelt. Während die Schriftbilder in jeglichen Gazetten weicher und runder werden, möchte ich eine harte gerade Line. Und endlich ist etwas gefunden! In meinem Hirn erwacht schon der nächste Schritt: Starterbeutel müssen her. Coole Starterbeutel mit tollem Inhalt. Somit entscheide ich mich für wieder verwert- und verwendbare Baumwolltragetaschen auf die ich mit einer Schablone das Logo sprühe. Als ich also die erste Schablone mit einem scharfen Cutter bearbeite, stelle ich fest, dass z.b. das kleingeschriebene “e” in Schlem nicht cut-bar ist. Ähnlich ist es mit “0” und “8” in 2018. Somit fliegen Schablone und Vorlage in den Müll und alles wieder auf Anfang. 

Später dann ist ein neues Logo gefunden, die Probleme minimiert und ich besprühe den ersten Beutel mit Logo.  “Sieht scheisse aus, stolz bin ich trotzdem” – das ist mein erster Gedanke. Ich verfeinere Technik, setze auf Dinge wie Geduld und Muße und komme voran…

Als nächstes müssen all diese Beutel befüllt werden. Da ich die Starterbeutel und den Inhalt auf meine Finanzkappe nehme und nicht über die Startgebühr finanzieren möchte, kann ich mir nur kleine Dinge erlauben. Doch kleine Weingummitütchen, diverse Kosmetika und Energieriegel von einem Drogisten machen sich hervorragend.

Hervorragend macht sich auch meine Frau, die einmal mehr mit Enthusiasmus meinem Projekt und noch mehr Geduld mir gegenüber agiert. DANKE, DANKE, DANKE.

Doch nicht nur die SCHLEM Bastelschmiede kommt langsam auf Touren. Ich habe mich lange gessträubt, eine private Veranstaltung bei Facebook zu posten. Was ist, wenn ich etwas falsch mache und plötzlich 173627192926 Millarden Menschen in der Einfahrt stehen und den SCHLEM laufen wollen…? Mir wird warm und kalt als ich auf den Button “Veranstaltung erstellen” klicke. Aber es scheint alles gut zu gehen.

Ich freue mich wie ein Kind, wenn sich wieder ein Laufverrückter dazu entschließt, teilzunehmen. Mittlerweile bin ich bei 17 “Willigen”. Egal, wieviele wirklich die 238 Runden laufen werden, es ist unfassbar für mich. Und während ich das schreibe, wird mir einfach nur wohlig warm. Wie kann es nur sein, das ein Verrückter schreit und 17 Verrückte schreien zurück. Die VerSCHLEMisierung des Abendlandes,  denke ich mir und grinse. 

Und ich muss auch noch ein kurzes Wort der Teilnehmerschaft loswerden: Ihr seit unglaublich! Unglaublich kreativ, hilfsbereit, ideenreich und geduldig mit mir. Ich kenne zum diesem Zeitpunkt nicht mal alle von Euch, was die Sache noch viel bekloppter macht. Meinen DANK an Euch!!!

Und ich hadere wegen der nicht zu machenden Wetterprognosen hin und her. Vorgestern 8 Grad Sonne, gestern 16 Grad und Regen. In zwei bis drei Tagen werde ich wohl endlich eine gewisse Richtung wissen. Auch wenn ich altklug immer wieder und in jeder Lebenslage Sätze wie: “gescheite Wetterprognosen kann man mit den heutigen Mitteln maximal 3 Tage vorher berechnen…” von mir gebe, kann ja so eine klitzekleine Aktualisierung der Wetter App schon sieben Tage vorher nicht schaden. Um mich noch lächerlicher zu machen, versuche ich mich an Handy und Tablet um doch unterschiedliche Prognosen zu orakeln. Schmarrn ist das!

Moment, ich klick nochmal. Hm…

Beeindruckend finde ich auch folgendes: Ich habe den Fotograf und Mitläufer Jan Garbe gefragt, ob er im Vorfeld noch weitere Bilder von der Location haben möchte. Seine professionelle Antwort, er habe die Adresse gecheckt, ob es Probleme mit  der Flugfreigabe der Drohne gäbe, es wäre aber alles ok. Ja dann…

Toll finde ich auch, das ich im Vorfeld einer noch niemals durchgeführten Veranstaltung mehrfach gefragt wurde ob es die Möglichkeit gäbe, vielleicht 2019 zu starten. Das ehrt mich zutiefst. Das Logo hätte ich… 😉

Ich warte einfach ab und schließe vorerst das Protokoll.

 

In 4 Tagen ist der SCHLEM

Ich habe eben für die Aktiven eine Mail geschrieben und auf die letzten Punkte aufmerksam gemacht.

Nach und nach plätschern Rückmeldungen ein und alle freuen sich. Wie verrückt ist das eigentlich alles: Menschen treffen sich an Ihrem freien Tag um stundenlang  in einer leider immer noch nicht grünen Einfahrt zu laufen. Herrlich!!! Hoffentlich kann ich die Ansprüche die jedeR hat zumindest halbwegs halten…

Wetter -1 bis 11 Grad, trocken, heiter bis wolkig.

Memo an mich: kauf endlich noch Starterbeutel, sonst gibt´s Ärger

 

In 2 Tagen ist der Schlem

Endlich kann ich mit meinen Wetterprognosen so konkret werden, das es vermutlich trocken bleiben wird bei 12 Grad und ein bisschen Sonne

Die letzten Einkäufe sein getätigt und eigentlich sitze ich jetzt nur noch die Zeit ab, bis ich endlich loslegen kann.

 

SCHLEMDAY 🙂

Der Wecker geht um 05:00 Uhr und ich schleiche mich davon. Meine Frau lass ich noch ein wenig Ruhe und Wärme. Mein Tag beginnt damit, das ich mich erst einmal ganz gemütlich neben meine Kaffeemaschine auf die Arbeitsplatte setze und und mir meinen Lieblingskaffee zaubere. Erst dann geht es los:

Anziehen, Mütze auf, Kopflampe auf, Schuppen auf, Partyzeltgestänge zusammen bauen, Plane rüber, ausrichten, verankern, anstrapsen, Bierzeltgarnituren schleppen, Tische aufbauen, Verlängerungskabel für 230V und LAN legen, Musik testen, WLAN testen, WLAN Repeater neu programmieren, Auto wegfahren, die ersten Getränkekisten wuppen, mit der Kaffeemaschine flirten, über den Winter eingesponnene Gartenstühle mit dem Gartenschlauch reinigen, dabei feststellen, dass die Pistole undicht ist, selbst nass werden, fluchen, nachdenken, …

Meine Frau ist mittlerweile aufgestanden und wir checken die Lage und machen weiter. Plötzlich wieder eine gute Idee: endlich weiß ich wo ich die großen Start/ Ziel Banner von geborgt von einem lieben Menschen im Runner´s Point aufhängen kann. Stark! Das macht schon wieder einen besseren Charakter. Es ist immer wieder erstaunlich zu sehen, das nicht die großen Aufgaben Zeit fressen, sondern die kleinen Sachen, von denen man hinterher gar nicht mehr weiß, was man alle gemacht hat.

Wir ziehen uns erst einmal zurück und frühstücken gemeinsam. Danach geht es auch schon weiter…

Um 08:45 Uhr wird es endlich ernst: Läufer, Fotograf und Drohnist Jan @jandrea kommt als erster mit Equipment für ein gut sortiertes Foto Geschäft Jan als Profi Fotograf checkt die Lage und baut seine Drohne für erste Bilder auf. “Das Licht wäre gerade so toll…” Bitteschön!!!

Christian, dem Orga vom 6h Lauf in Münster ist auch dabei: in seinem Schlepptau eine riesige digitale 7 Segment Wettkampfuhr, die gleich aufbaue und mich wie ein Kind freue.

Nach und nach tauchen immer mehr StarterInnen auf und endlich sind “wir” komplett. Insgesamt 18 Menschen die verrückt genug sind, dem Ruf des Bekloppten zu folgen. Ich stelle mich auf einen Stuhl und halte eine Rede. Davor hatte ich keinen Bammel, aber es gab Punkte es die ich erwähnen wollte. So sind diverse Augenpaare und Objektive auf mich gerichtet. 

Um Punkt 09:30 Uhr stelle ich mich zu den Startern und wir zählen gemeinsam runter. Jan, der Fotograf hat sich sich passend positioniert. “10, 9, 8, 7, 6, 5” – “STOP” brüllt Jan, irgendwas scheint zu klemmen. Dann grünes Licht: “4, 3, 2, 1” Jubel. Zeitgleich drücke ich per Fernbedienung die Wettkampfuhr auf Start. Der SCHLEM startet. Mein SCHLEM irgendwie, obwohl ich heute das Geschehen von der anderen Seit des VPs sehe. Gemeinsam schicke ich alle auf die ersten Runden und weise während der ersten Runde auf die Tücken und Gefahren hin. Ein großes Hallo folgt mir auf dem Fuße. Nach zwei Runden gehe ich raus und sehe mir das Spektakel genüsslich an. 

Als Race Director (so schimpfe ich mich heute) ist es mein Wunsch allen Gerecht zu werden. Es sollen alle es gut wie möglich haben und die Veranstaltung genießen. Ich habe mir zum Ziel gesetzt mit allen Ausdauersportlern 1-2 Runden zu laufen und ihnen Gesellschaft zu leisten. Und der Knaller: durch die Bank alle sind froh und glücklich, haben Spaß und genießen die Gesellschaft der Gleichgesinnten. Das wird mir wohl noch lange in Erinnerung bleiben. Menschen können (so) einfach glücklich sein.

Großes Gekicher und Gequatsche während des Lauf. Alle fühlen sich wohl. 

Die Zeit vergeht für mich wie im Fluge. Aus der Erinnerung heraus habe ich keine wirklich erwähnenswerten Details zu dem was ich so treibe. Abends höre ich von meiner Frau mehrmals, das ich so glücklich und zufrieden ausgehen habe. Ich habe mich auch die ganze Zeit pudelwohl gefühlt, war hier, da und dort. 

Es wird sicher noch einiges zu lesen und zu schreiben geben, diverse Filmemacher, Blogger und Podcaster waren heute dabei, die sich en detail zu diesem Lauf ausleben können. An die möchte ich gerne verweisen. Ich bin sehr gespannt….

Nach gute 4:50 h ist auch der letzte Läufer im Ziel. Ich nenne bewusst keine Statistiken. Hier ist jeder heute Sieger, egal welche Strecke er oder sie gemacht hat!!!! Und Sieger bekommen eine Urkunde, so will es das Gesetz.

Natürlich reden oder posten ihren vermutlich beklopptesten Lauf des Jahres ( Ever?).  

 

 

Liebe Teilnehmer:

Es ist nichts kaputt gegangen – DANKE EUCH DAFÜR

Es gab überhaupt keinen Müll auf der Strecke -DANKE EUCH DAFÜR

Es gab keinen der sich weh getan hat – GUT AUFGEPASST ALLE ZUSAMMEN

Es ist nichts weggekommen – DANKE EUCH DAFÜR

Und 1000x Dank, das Ihr das alles möglich gemacht habt. Ohne Euch wäre das alles nicht machbar gewesen.

So stelle ich mich nach 5.20h wieder auf den Stuhl und halte eine ganz kurze Dankesrede. Und mit dem Einverständniß aller Anwesenden schalte ich die Wettkampfuhr ab – Der SCHLEM ist Geschichte.

Ich bin selig. 

wierklich

Das war toll!!

 

 

Wir stehen noch gemeinsam zusammen und grillen ein paar Würstchen, bevor sich die letzten auf den Weg machen.

Dann heißt es kurz nachdenken, Gartenstühle stapeln, Getränkekisten wuppen, Bierzeltgarnituren wegstellen, Auto holen, Verlängerungskabel zusammen rollen, Partyzelt abbauen und so viele Kleinigkeiten, die man morgens gemacht hat und sich abends wundert, wie viel Zeit das in Anspruch nimmt.

Meine Laufuhr zeigt abends knapp 34000 Schritte und mein Handy etwa 300 Tweets oder Erwähnungen. Geht schon 😉

 

PS. vielleicht tätowiere ich mich doch SCHLEM auf die Stirn.

PPS. und evtl blogge ich irgendwann noch was zum SCHLEM, jetzt ist mein Kopf erst mal müde, leer und k.o. Aber auch, glücklich, zufrieden und ein kleines bisschen stolz. Und bitte nehmt mir nicht übel, das ich euch nicht alle einzeln erwähnt habe. Seht es als großes Ganzes. Ihr wart real dabei.

 

Und ohne dich liebe Barbara als so tolerante und offene Vermieterin, wäre dieses wunderbare Erlebnis nie existent gewesen. Auch Dir meinen Dank! 

 

 

 

 

 

 

 

Die Laufgeschichte zur Nacht

Da bin ich also, Samstag kurz nach 16:00 Uhr und hole meinen Laufkumpel Christian aka @_trailtiger zu Hause ab und wir fahren gemeinsam nach Köln um im Rahmen des Ultralaufs Rund um Köln, dem “Kölnpfad“,  nicht die 171Km oder die 110Km, sondern den kürzesten Wettbewerb die “Kölsche Naachschicht” zu laufen. Das Besondere dabei: unser Start ist an einem der mittleren Verpflegungspunkte abends um 20:00 Uhr. Die beiden Veranstalter Thomas und Tom tun alles, das wir uns alle wohlfühlen. Bis auf das Wetter: es sollte um 16:00 Uhr aufhören zu regnen, es sollte um 17:00 Uhr aufhören zu regen, aber sicher um 18:00 Uhr. Es hat zum Start zu 20:00 Uhr nicht aufgehört.

Um 19:50 Uhr bekamen wir nach Shuttlebusverbringung vom Ziel zu VP7 eine kleine Einführung und dann ging es mit Countdown Zählerei pünktlich los.

Der Trailtiger und ich liefen aufgescheucht wie Wildpferde zu schnell los, hatten aber beide gute Beine und wir pendelten uns langsam ein.

Wir haben jetzt den zweiten Ultra zusammen gefinisht. Es ist schön, wenn der Team Spirit so stimmt.

Nach etwa 10km fing mein Magen schon an zu rebellieren. Hunger hatte er. Trotz diverser Nutella Stullen noch Stunden vorher. Ein Gel half weiter. Ein böses Omen?

Keine besonderen Vorkommnisse am ersten Vp nach 22,5km.

Dann ca. bei km 25 knicke ich mit dem rechten Fuß um. Schmerz durchzieht meinen Fuß. Mein Kopf macht sich in Automatik Manier sofort daran, alles blöde zu finden und rum zu zetern. Wir gehen ein Stück weit, dann trabe ich wieder an. Alles so lala.

Bei km 30 hau ich mit dem selben Fuß auf eine Wurzel. Der Schmerz fährt Achterbahn. Spätestens jetzt finde ich ehrlich gesagt alles schXXXe. Falle in ein Loch, fange an zu schweigen. Das ich aussteigen will, verschweige ich. Ein guter Partner merkt schnell, wenn etwas nicht stimmt und so päppelt mich Christian wieder auf. Ich solle meine Musik hören die extra dabei habe. Na gut… Die Bässe hauen in den Schädel und bringen mich auf andere Gedanken. Der VP bei 43 km ist meine Insel und Rettung. Alles auffüllen und runterkommen.

Die Nacht bricht an. Wir laufen durch größere und kleinere Wälder. Die Luft ist zum Schneiden feucht. Unsere Klamotten triefen, sie können nichts an die Umwelt weiter geben. Kein Wind, 100% Luftfeuchte, keine Ablenkung. Nur der Spot meiner Kopflampe tanzt vor mir. Das mag ich so sehr. Ich bin dann mit mir im reinen. In diesem Rennen allerdings müssen wir immer wieder anhalten und uns orientieren. Den Track zwar auf Uhr, Handy und Tracker, finden wir im Dunkeln doch nicht immer den Weg und verzetteln uns. Das zerrt an den Nerven. Und wir müssen auf den höchsten Punkt des Kölner Umlandes: den Monte Troodelöh. Nichts wildes mit 118hm, da wir aber nichts sehen außer Nebel und Bäumen haben wir kein Gefühl dafür wann und wo der höchste Punkt erreicht ist. Christian motiviert immer wieder: das genau dieser Anstieg der letzte ist. Ich maule: “Das erzählst Du seit dem ich dich abgeholt habe.” Wir lachen.

Apropos lachen: wir schweigen diese Nacht viel, reden aber auch eine Menge Blödsinn und lassen uns dazu verleiten ein Stück weit albern zu sein. Damit unterhalten wir nicht nur den nächsten Vp sondern auch Läufer die auf uns auflaufen. Ob sie wollen oder nicht. Aus einem Waldstück kommend, leuchtet ein offenes Gebäude. Bei näherem Hinsehen ist es eine Milch Tankstelle von einem Bauern. Das muss ich mir näher ansehen. Man kann dort leere Flaschen kaufen und die dann mit Milch auffüllen oder sich mit Kakaopulver gefüllt einen Kakao mixen. Das will ich. Jetzt und hier und auf der Stelle. Wer weiß, wie eiskalter Kakao mit einer guten 3,8%igen Milch schmecken kann, wird mir zustimmen. Dieser Genuß. Der Hammer! Ich fülle mir den Kakao in die leere Hardflask. Wir albern wieder rum: Beim nächsten VP habe ich Butter oder Quark in der Flasche.

Da ich aber nicht einschätzen kann, wie sich kalter Kakao und Ultra laufen verhält, trinke ich nicht weiter. Aber für diese drei großen Schlücke hat sich das alles gelohnt. 🙂

Am nächsten VP 10 tausche ich Kakao wieder gegen Apfelschorle.

In der nächsten Zeit passiert eigentlich RRRRUMS, da liegen ich schon. Eine Kante übersehe ich, bleibe mit meinem Lieblingsfuß hängen und liegen, mit meinen mittlerweile Iso-, Cola- und Apfelschorlenhänden sammle ich Split. Ich sehe übel aus. Ich schaue an mir runter, mein Knie blutet und sifft langsam meine Stulpe voll. 10km vor dem Ziel soll es einen Wasserpunkt geben, an dem wir mein Knie versorgen könnten. Christian ärgert sich, das er den Sturz nicht gefilmt hat, er hätte super ausgesehen. Kann man dem Vogel böse sein?

Wir laufen also weiter. Das Knie tut zum Glück nicht weh und wir kommen gut voran. Mal laufe ich voraus, mal Christian.

Mein Kopf fängt wieder an alles blöd zu finden und ich fokussiere mich auf die Wasserstelle. Voll und ganz. Das ist jetzt mein Ziel. Bis dahin muss ich mich zusammenreißen.

Wir kommen an die Wasserstelle. Nichts. Gar Nichts. Njente. Nothing. Kein Wasser. Ich breche kurzfristig zusammen. Ich hatte mich so darauf gefreut. Und jetzt das hier. Ich bin geladen. Wir gehen ein Stück, hören wir Musik, verzetteln uns im Wald immer wieder. Christian und ich laufen aktuell auf “Frust” Betrieb. Die Wälder hören nicht auf. Ich kann mich nicht mal an der einsetzenden Helligkeit erfreuen.

Wir laufen an Eisenbahnschienen vorbei und am Ende dieses Weges sehen wir endlich mit Kreide aufgezeichnete Lebenszeichen Richtung Ziel. Wir laufen an einer Straße vorbei, müssen nochmal über ein Feld und ich schreie heraus was wir beide denken: ” Ich hasse Bäume! Ich kann sie nicht mehr sehen!!” Schieb leise nach das es nur für heute sei. Wir beide lachen und flachsen herum zuhause in Beton und Mörtel baden zu wollen. Christian umarmt wenig später liebevoll ein Trafohäuschen aus Beton.

Etwa 500m vor dem Ziel hat sich der Veranstalter noch ein Leckerbissen für die Teilnehmer ausgedacht: Wald! Ein schöner kleiner dunkler Stadtwald…

Aus dem Wald heraus müssen wir nur noch die Straße kreuzen. Wir “hahnern” uns ins Ziel. Applaus von den vielen hunderttausend anwesenden Fans. Nicht. Es klatschen die, die noch können oder wollen. Wir klatschen uns ab, belobhudeln uns, stieren etwas ins Leere.

Die Dusche auf dem Gelände ist das Größte. Warmes Wasser ohne Timer Abschaltung rieselt einfach auf meinen Rücken. Minutenlang…

Wir verabschieden uns als bald von den lieben Menschen dort, die jedeN mit einem Lächeln ins Ziel gelächelt haben.

Ich bringe Christian wieder nach Hause,  wir umarmen uns kurz, sind beide platt. Ab geht es nach Hause.

Epilog:

Mit Christian dem @_trailtiger habe ich jemanden gefunden, mit dem ich einfach gut kann. Das wird sicher nicht der letzte Lauf gewesen sein.

Ich kann weit und ich bin zäh. Vielleicht kann ich auch noch weiter. Aber nicht hier, nicht heute. Ich genieße das gute Gefühl etwas grandioses geleistet zu haben und spiele mit der Medaille aus Porzellan. Eine aus Holz hätte ich wohl verweigert.

Jetzt bestelle ich erst mal eine Notfallbimmel fürs Klo falls ich nicht mehr hoch komme. Sicher ist sicher…

METm Mein Erlebnis Treppenmarathon

Worauf hatte ich mich da wieder eingelassen? Es soll in Radebeul bei Dresden einen Weinberg geben, durch die eine 397 stufige Treppe, die sog. Spitzhaustreppe, führt. Das war´s auch schon mit der Idylle. Denn es soll in Radebeul bei Dresden auch einmal im Jahr einer der härtesten Treppenlaufveranstaltungen weltweit geben. Einzeltäter wagen sich über 24h dann daran diese Treppe mit zwei Wendepunkten so häufig wie möglich zu gehen, mindestens aber 100x um die Höhe des Mt. Everests zu erreichen. Daher die eigentliche Abkürzung METM: Mt. Everest Treppenmarathon. Einsteiger wagen sich als Dreierteam, einer sog. Seilschaft, an die 100 Runden und versuchen diese in möglichst wenig Zeit, aber maximal 16h zu meistern. 

Das klang ja alles so herrlich bekloppt, das es nur 2 weitere Wahnsinnige zu suchen gab, um sich dort anzumelden. Schnell wurden via Twitter Daniel @Endurange und André @AndreNO auf diesen Spaß aufmerksam und beide bekannt als schnelle Finger wenn es sich ums Anmelden dreht. Sie machten mit!

So gingen die Tage ins Land, unsere Seilschaft stand und brauchte nur noch einen Teamnamen – angsteinflößend für den Gegner sollte er sein, Feuer und Leidenschaft suggieren. Absolute Hingabe für das Einzige  im Leben darstellen und so ward die Kuchencrew modern #KCHNCRW geboren.

Um mich auf den Wettkampf vorzubereiten war ich immer mal wieder mit oder ohne meiner mega guten Freundin Jessi in Herten, wo  auf die Halde Hoheward eine Treppe mit 525 unterschiedlich hohen Stufen führt, die wir einmal sogar 22x bewältigten. Das  sollte doch etwas heißen!

Dann war es endlich so weit! Tag X gekommen.

Samstag Mittag fuhr ich also ca. 500km nach Radebeul um mich mit vielen lieben anderen Verrückten u.a. dem #TWITTERWÜRFEL Team mit Tim @TriTimtation, Patrick @sportingmunich und Ralf @Ribbscher, dem geistig seelischen Support von Susi @mousegezeichnet, Karen @firlefuchs und dem Sascha @trailrunnersdog zu treffen. Zu Gast waren ebenfalls Corinna @corinnarent und Kersten @TrailrunningimNorden, der gerade braun gebrannt vom Marathon des Sables zurück gekommen war. Wir machten es uns in einem 250m³ großen gewärmten Zelt mit 20 weiteren Teams mehr oder minder gemütlich und warteten auf die Dinge die da so kamen. 

Erstes Highlight: Da der Start für die Seilschaften um 00:00 Uhr angesetzt war, begann das Briefing durch den Veranstalter Ulf Kühne @gpway um 23:00 Uhr mit dem persönlichen Aufrufen und einschreiben. Wie bei der Tour de France, dachte ich mir.

Zweites Highlight: unsere Taktikbesprechung! Daniel, André und ich waren uns schnell einig, das wir keine Taktik hatten und so wollten wir das Rennen angehen. Jeder sollte eine Runde laufen in der Reihenfolge Daniel, André, Christian und durch die Rennerfahrung sollten wir dann auch irgendwann heraus bekommen, wann wir uns zu unserem Staffelwechsel vor dem Manschaftszelt einfinden müssten.

Um 00.00 Uhr startete Ulf mit einem Pistolenschuss das Rennen am oberen Ende Spitzhaustrepee für die Seilschaften. Daniel machte sich auf die erste Runde, fluchte über die unübersichtliche Streckenausleuchtung, übergab an André, der widerum über die unübersichtliche Streckenausleuchtung fluchte und den imaginären Staffelstab an mich übergab. Vorteil der beiden war, das sie schon einmal im hellen hier waren, die Gegebenheiten ansatzweise kannten und somit wussten das es sicher immer wieder um 7 Stufen mit unterschiedlich kleinen Zwischenplateaus handelte. Ich wusste von alledem außer den Infos aus dem Internet nichts und so machte auch ich mich auf die erste Runde. Zögerlich nahm ich Fahrt auf, schon “knallte” der erste Wahnsinnige an mir vorbei, zwei oder drei Stufen nehmend. Ungeheuerlich!! 

Ich fluchte über die unübersichtliche Streckenausleuchtung. Hell/ Dunkel war schwer zu erahnen, Schatten der anderen Teilnehmer irritierten mich. Am Ende der Treppe ging es noch ca. 200m ein leichtes Gefälle um einen Wendepunkt und dann die leichte Steigung zur Treppe. 397 Stufen aufwärts, Übergabe an Daniel. Ich pumpte. Das sollte ich also insgesamt 33x machen. Worauf hatte ich mich da wieder eingelassen.

Zurück im Zelt ein reges Gewusel. Teilnehmer der Manschaften, berichteten, berieten und erklärten sich. André und ich warteten auf Daniel und nach und nach ergab sich eine Wartezeit von ca. 17 min, um in einer Decke gekuschelt im schneidigen 3 Grad kalten sächsischem Wind zu stehen um auf seinen Kameraden zu warten. Und schon waren die ersten drei Runden gemacht…

Warum auch immer, hatte ich endlich einmal genug Laufsachen und Buffs mit um mich gegen Wind, Kälte, auskühlen und Frustration zu schützen. Und so wechselte ich immer mal wieder meine Sachen, kombinierte neu, hing Anderes zum Trocken auf. Das Zelt glich einer riesigen Wäschekiste. Überall Menschen, auf Liegen, Campingstühlen, umziehend, trocknend, fluchend, lachend.

Womit wohl keiner von uns geplant hatte, war die Anspannung und das Adrenalin innerhalb der 17 min oben zu halten. Zusätzlich durfte man nicht auskühlen, andererseits, lief einem der Schweiß nicht nur den Rücken herunter. Der Kopf hatte freie Bahn über den Blödsinn zu sinnieren.

Und dann musste man auch schon wieder ran. Einmal Treppe bitte….

Gegen 04:00 Uhr zog dann noch ein weiterer Gast in unser Zelt und machte sich mehr als breit: Die Müdigkeit. Keiner von uns war darauf eingestellt, doch im excellent sortierten Versorgungszelt standen die Thermoskannen mit Kaffee parat und man bekam zu Milch und Zucker auch so manch liebes Wort der BetreuerInnen. Gut für die Seele.

Eines meiner wirklichen Highlights des METM Wochenendes war das erste Vogelgzwitscher gegen 04:45 Uhr als ich wieder einmal eine Runde “drehte”. Wie schön das war… Ein Zeichen dafür, daß der Tiefpunkt durchstanden war und der Tag nicht mehr so lange auf sich warten ließ. In der nächsten dann ein zehnstimmiger Chor und die erste Dämmerung. Klasse so konnte es weitergehen.

Wir drehten Runde um Runde, wärmten uns, motivierten uns, froren, aßen und tranken gemeinsam. Und es hörte einfach nicht auf…

Vermutlich gegen 10Uhr dann wieder einmal eines meiner kleinen persönlichen Erlebnisse: Auf dem Weg nach unten schaut man in ein beinahe romantisches Tal mit einem Dörflein. Und durch dieses Dorf fuhr zu meinem Erstaunen eine rauchende und pfeifende Dampfeisenbahn. Ein wirklich toller Moment, den ich gleich mit der lieben Corinna im Kuchenzelt teilen musste.

Übrigens sagt man der Bretagne nach, das man alle vier Jahreszeiten an einem Tag erleben kann. Das kann man auch von Radebeul behaupten, innerhalb weniger Minuten konnte sich die wärmende Sonne mit Starkböen und Hagelschauer abwechseln. Man wurde quasi sandgestrahlt. Und man war wieder nass. Und es hörte nicht auf…

Vermutlich gegen 12:00 Uhr ging dann meine persönliche Sonne auf. Isabell @laufspatz und ihr Mann waren plötzlich aufgetaucht um nach dem Rechten zu sehen. Isa, die ich in Rodgau auf ihrer letzten Runde begleitet hatte, supportete jetzt uns. Ein wirklich feiner Zug von ihr.

Da das Rennen aus 100 Runden besteht, muss einer der Teilnehmer 1 Runde mehr laufen (33+33+34=100) und da weder André noch Daniel in der Laune (Verfassung) waren dieses zu tun habe ich mich “bereit” erklärt. So gingen erst Daniel, dann André auf ihre letzte Runde und man sah ihnen ihr Glück an, es geschafft zu haben. Dann waren meine letzten Zwei Runden dran. Es hieß weiter Tempo aufrecht erhalten, die nächst Platzierten hingen uns schon die letzten Stunden/ Runden im Nacken. Und wieder schoss der Graupel ins Gesicht. Mit nasser Brille, immer eine Hand am Geländer lief ich meine zweitletzte Runde und kämpfte mich hoch zum Wendepunkt. Dann kam sie: meine letzte Runde. Nein ich habe sie nicht wirklich genossen, ich war müde, lustlos, bedankte mich aber trotzdem herzlich und per Handschlag bei den THWlern am Wendepunkt, die die ganze Nacht dort ausharrten und zum Glück nichts zu tun hatten.

Am Anfang der Treppe sitzt das “Treppenmaskottchen” Clara, ein Mädel welches dort wohnt und seit jeher und ein kleines Sträußchen und die Medaillen an die Teilnehmer verteilt, die es geschafft haben. Ich bekam lobende Worte und ein Lächeln. Es ist wirklich alles so liebevoll in diesem Rennen arrangiert.

Mit meinen Sträußchen und drei Medaillen um den Hals klimperte ich wie eine Almkuh die Steigung hoch und oben nahmen mich applaudierend meine zwei KCHNCRW Buddies in Empfang. Wir liefen gemeinsam ins Ziel und waren stolz und glücklich. Und k.o. Und stolz. Und Glücklich. Gemeinsam hatten wir es geschafft. Nach 14h 18min waren wir am Ziel und hatten die Höhe des Mt. Everests erklommen. Die ganzen Gefühle und Bilder werden wohl noch einige Zeit in meinem Kopf umher schwirren.

Umgezogen verabschiedete ich mich von meinen Jungs und setzte mich gegen 15:00 Uhr wieder ins Auto um die 500km heim zu fahren. Sehnlichst erwartet von Nina, meiner Frau und meinem Bett :-).

 

Was bleibt zu sagen: Wer sich mal auf etwas Dummes einlassen will, ist beim METM bestens aufgehoben, Top Orga und grandioses Wetter machen die Veranstaltung aus. Vielen Dank an alle die da waren, die ich vergessen habe zu erwähnen, die applaudiert, angefeuert und supportet haben. Danke Ulf und Maty!! Und besonderen Dank an Euch beide: André und Daniel!! Das nimmt uns keiner mehr. Egal wie das Leben wird, dieses Abenteuer bleibt in unseren Herzen. Und die alle “#bekloppt Messlatte” haben wir drei wieder ein bisschen höher geschraubt.

Ich geh mal grinsen!

 

Der grausame Eulenkopflauf

Nachdem mich ein belgischer Laufveranstalter verärgert und ich meinen Start zurück gezogen hatte, musste natürlich Frustrationsbewältigung betrieben werden. Der heiße Tipp kam von Crewmitglied Thomas @lennetaler beim “grausamen Eulenkopflauf“, einem Freundschaftslauf rund um Wuppertal mitzumachen. Trailige Strecke, 42km lang, 900hm. Also ratzefatze angemeldet und den Kopf damit beschäftigt, was denn wohl einen sog. Freundschaftslauf ausmachen würde.

Ok. Keine Startnummer, keine Zeitmessung aber gemeinschaftliches Laufen. Gemeinschaftlich? Es gibt also eine kollektive Geschwindigkeit, die einzuhalten ist. Hmm… Wie schnell oder langsam mag die sein? Komme ich da mit, bin ich etwa zu schlecht, zu langsam? Bin ich Ballast und alle warten? Das setzte mir zu. Mein Kopf hatte also die Möglichkeit zu grübeln. Thomas machte mir Mut…

Zum Glück kam alles anders. Der Veranstalter nennt seinen Lauf oberdramatisch grausam. Mit einem großen Augenzwinkern. Denn auf der Homepage gibt es die grausame Ausschreibung, die grausame Anfahrt, den grausamen Kontakt…

So starteten am Laufsonntag der o.g. Thomas, Laufkumpel Jens @jtinline und ich Richtung Wuppertal um uns den Kopf freizupusten und mal wieder gemeinsam zu laufen.

Die Orga war toll: unsere Wechselsachen wurden in einem Raum eingeschlossen und das angrenzende Ganzjahresfreibad mit wohligen 30 Grad Wassertemperatur (gespeist mit Abwärme der anliegenden Müllverbrennungsanlage) durften wir abschließend nutzen. Es gab mehrere Streckenguides in Laufschuhen und Mountainbikes die auf ihre Herde aufpassten so das die Chance verloren zu gehen relativ gering war.

Punkt 10:00 Uhr ging es los, rauf und runter auf Straßen und Wegen. Von Trail war wenig zu sehen und zu spüren. Dafür ein Highlight: Wir liefen über eine öffentliche Fußgängerbrücke des Wuppertaler Zoos und hatten das Glück einen Tiger zu sehen. Ich glaube er sah in uns eher eine Reihe bunter Gummibärchen die man stapeln und vernaschen könnte… Weiter ging es.

Dann sah ich das allererste Mal in freier Wildbahn eine zutiefst seltene Schwebebahn. Das war großartig. Schon als Kind wollte ich einmal nach Wuppertal fahren und einmal Schwebebahn fahren. Einfach so. Jetzt sah ich also sogar drei der neuen hellblauen Wagen. Sehr schön!!

Es gab immer wieder Engstellen und Verpflegungspunkte mit Blechkuchen, heißem Zitronentee und angeblich einer Flasche Amaretto (was ich weit von mir weise) wo  dann die Gruppe wieder zusammen geführt wurde, so das die etwas Langsameren wieder aufschließen konnten.

Bei Km21 stießen dann die Halbmarathonis zu uns. Mit Fahrgemeinschaften und einem Shuttlebus wurden sie zum ausgemachten Treffpunkt gebracht und klatschten uns Eintreffenden fröhlich zu. So wurde die Gruppe größer und wurde auf den jetzt kommenden wirklich wunderbaren Naturpassagen wie eine Perlenschnur auseinandergezogen. Die Guides passten auf das alles glatt ging.

Unterwegs sprach man mal hier ein Wort und da ein Wort mit mir Fremden und Bekannten. Irgend jemand nannte die Veranstaltung einen “hektischen Sonntagspaziergang”. Das Tempo war ok, von Spaziergang möchte ich aber Abstand nehmen.

Der aller letzte Anstieg zum Ziel am Freibad hatte es nochmals grausam in sich. Wer laufen wollte, lief, wer gehen wollte ging. Mit einer schwarzweiß karierten Fahne und einem Tröööt aus einer Gashupe wurden wir empfangen. Teilnehmer klatschten und sich ab, der Chefguide gratulierte allen per Handschlag. Tolle Geste!!!! Und das alles für unglaubliche 12 EUR. Dieses Herzblut findet man auf keiner großen Veranstaltung. Für die 99 EUR in Berlin hätte ich 8,25 Läufe dieser Art machen können. Aber man lernt ja nie aus.

 

Epilog:

So liebe Leserschaft Das war es wohl, mein Laufjahr 2016. Mega erfolgreich und eigentlich nicht zu toppen. Vielen Dank fürs Lesen, kritisieren und loben, für die Zeit und Aufmerksamkeit. Passt auf Euch auf euch auf lebt jeden Tag. Ich für meinen Teil werde es 2017 mal etwas ruhiger angehen lassen. Am 08. Januar geht’s los…

 

Berlin laufen und sterben

…schreibt…

…löscht.

…schreibt…

…löscht wieder.

…schreibt anders…

löscht.

starrt Löcher in die Luft…

schreibt folgendes:

Was ist zwischen 2015 und 2016 mit mir oder ohne mich passiert? Darüber grübele ich die ganze Zeit. 2015 die Chance auf den Marathon in Berlin, Trainingsfleiß, 11 Tage vor dem Start der Muskelfaserriss, offizielle Rückgabe des Startplatzes, Tränen und Wut. 2016 die erneute Möglichkeit ohne Auslosung der Teilnahme. Aber ohne Lust. Nicht ausgebrannt, aber die Flamme, das Feuer für den Berlin Marathon scheint irgend jemand oder irgendwas eingedämmt zu haben, so das nur ein Teelicht übrig geblieben ist. Also der Versuch ohne Trainingsplan. Einfach frei raus, Marathon ginge immer, sagen die Ultras. Bin Ich einer? Nein, bestimmt nicht. 3x dieses Jahr jenseits der 42 km unterwegs gewesen zu sein macht aus mir noch keinen harten Kerl. Mein Berlin Marathon Highlight ist die Pasta Party des #twitterlauftreffs und einige der Livebands auf der Strecke. Die Party auf einem Balkon, die die ganze Straße mit Boxentürmen beschallt haben und Peter Fox spielten als ich vorbei kam. Und doch: Spaß? Euphorie? Fehlanzeige.

Leere. Vielleicht auch weil ab km 13 alles nervte: die Masse der Läufer, die lt. Berliner Morgenpost beschriebenen 1.000.000 Plastikbecher auf den Straßen, die penetrante Werbung an allen Ecken und Enden, die persönliche Abholung der Startnummer – ein Geniestreich der Tourismusindustrie, die übervolle Messe.

Die Zeit die ich mit allen möglichen Menschen verbracht habe sind einzelne Highlights, Goldsplitter im dreckigen Schürfsand… Die Anfeuerungen der Menschen die meinen Namen schrien, obwohl sie mich nicht kannten: Balsam für die Seele.

Und doch: Berlin, ich habe mit Dir abgeschlossen. Vielleicht habe ich es mir anders vorgestellt, vielleicht die Hoffnung einmal im Leben den Marathonmegakracher zu erleben zu können zu groß gewählt, enttäuscht vom Event, von mir, wer weiß.

Nein ich bin nicht niedergeschlagen, ich freue mich wirklich über diese fette Medaille die jetzt neben den Anderen hängt und einfach etwas größer und wuchtiger ist. Ich strahle wenn ich mein Finisher T-Shirt anhabe, weil ich weiß was ich geleistet habe. 42,195km sind immer noch kein “Pappenstiel”, nur wenige Menschen schaffen so etwas…

Somit trete ich mehr genussvoll die letzte Glut des ehemaligen Feuers aus. Wie das olympische Feuer welches verlischt, verlischt auch bei mir das Feuer für Berlin. Vielleicht bin ich ein anderer Mensch geworden, vielleicht habe ich mir falsche Vorstellungen gemacht. Vielleicht freue mich 2017 beim Start der TV Übertragung, das Ding 2016 gerockt zu haben, vielleicht lösche ich diesen Text auch irgendwann, wer weiß das schon.

 

Und jetzt melde ich mich irgendwo an 🙂