Berlin laufen und sterben

…schreibt…

…löscht.

…schreibt…

…löscht wieder.

…schreibt anders…

löscht.

starrt Löcher in die Luft…

schreibt folgendes:

Was ist zwischen 2015 und 2016 mit mir oder ohne mich passiert? Darüber grübele ich die ganze Zeit. 2015 die Chance auf den Marathon in Berlin, Trainingsfleiß, 11 Tage vor dem Start der Muskelfaserriss, offizielle Rückgabe des Startplatzes, Tränen und Wut. 2016 die erneute Möglichkeit ohne Auslosung der Teilnahme. Aber ohne Lust. Nicht ausgebrannt, aber die Flamme, das Feuer für den Berlin Marathon scheint irgend jemand oder irgendwas eingedämmt zu haben, so das nur ein Teelicht übrig geblieben ist. Also der Versuch ohne Trainingsplan. Einfach frei raus, Marathon ginge immer, sagen die Ultras. Bin Ich einer? Nein, bestimmt nicht. 3x dieses Jahr jenseits der 42 km unterwegs gewesen zu sein macht aus mir noch keinen harten Kerl. Mein Berlin Marathon Highlight ist die Pasta Party des #twitterlauftreffs und einige der Livebands auf der Strecke. Die Party auf einem Balkon, die die ganze Straße mit Boxentürmen beschallt haben und Peter Fox spielten als ich vorbei kam. Und doch: Spaß? Euphorie? Fehlanzeige.

Leere. Vielleicht auch weil ab km 13 alles nervte: die Masse der Läufer, die lt. Berliner Morgenpost beschriebenen 1.000.000 Plastikbecher auf den Straßen, die penetrante Werbung an allen Ecken und Enden, die persönliche Abholung der Startnummer – ein Geniestreich der Tourismusindustrie, die übervolle Messe.

Die Zeit die ich mit allen möglichen Menschen verbracht habe sind einzelne Highlights, Goldsplitter im dreckigen Schürfsand… Die Anfeuerungen der Menschen die meinen Namen schrien, obwohl sie mich nicht kannten: Balsam für die Seele.

Und doch: Berlin, ich habe mit Dir abgeschlossen. Vielleicht habe ich es mir anders vorgestellt, vielleicht die Hoffnung einmal im Leben den Marathonmegakracher zu erleben zu können zu groß gewählt, enttäuscht vom Event, von mir, wer weiß.

Nein ich bin nicht niedergeschlagen, ich freue mich wirklich über diese fette Medaille die jetzt neben den Anderen hängt und einfach etwas größer und wuchtiger ist. Ich strahle wenn ich mein Finisher T-Shirt anhabe, weil ich weiß was ich geleistet habe. 42,195km sind immer noch kein „Pappenstiel“, nur wenige Menschen schaffen so etwas…

Somit trete ich mehr genussvoll die letzte Glut des ehemaligen Feuers aus. Wie das olympische Feuer welches verlischt, verlischt auch bei mir das Feuer für Berlin. Vielleicht bin ich ein anderer Mensch geworden, vielleicht habe ich mir falsche Vorstellungen gemacht. Vielleicht freue mich 2017 beim Start der TV Übertragung, das Ding 2016 gerockt zu haben, vielleicht lösche ich diesen Text auch irgendwann, wer weiß das schon.

 

Und jetzt melde ich mich irgendwo an 🙂

 

 

 

 

18 commentaires sur “Berlin laufen und sterben

  1. Berlin ist nicht die Marathon-Welt 🙂 Musste ich am Wochenende in Ulm wieder feststellen. Tolle Stimmung, schöne Stadt und keine 40.000 Läufer.

    Außerdem: Eile mit Weile – ich kenn das wenn man plötzlich keine Lust mehr auf Event XY hat. Mir hat es geholfen, mich mal komplett aus dem Leistungsdenken rauszunehmen. Nicht „höher, schneller, weiter“ sondern einfach mal nur machen, worauf ich Bock hatte. Ein sportliches Sabbat-Jahr kann ich dir wärmstens empfehlen 😉

  2. Hi Schluppe,

    so ging es mir, rein vom Event gesehen in Rodgau und beim Rennsteig. Beides Kultveranstaltungen die unbedingt gelaufen sein muss, wenn man der Masse glauben mag. Mir persönlich haben sie beide nichts gegeben. Wäre ich alleine unterwegs gewesen, wären sowohl Rodgau als auch der Rennsteig ein Reinfall gewesen.
    Zum Glück hatte ich beide Male tolle Begleitung, beim Rennsteig sogar geplant und gar bezaubernd.
    Such dir was mit Spaßfaktor, was kleines familiäres, etwas wo dich die Zuschauer anfeuern eben weil sie dich kennen.

    Gruß
    Sascha

    • ich saß abends mit dem Reetz beim Patsaessen zusammen und wir waren uns beide einig, dass das der Höhepunkt des WEs sei
      und wir jetzt getrost nach Hause fahren könnten. War was dran… Ab jetzt wieder downsizen

  3. Wie unterschiedlich die Eindrück doch sein können. Dieses Hin- und Hergerissen-Sein in deinem Beitrag hast du toll beschrieben. Der letzte Satz beruhigt mich sehr.

    Schade, dass ich nicht beim Twitterlauftreff dabei sein konnte. Hätte dich und die anderen gern kennengelernt.

  4. Pingback: Born to die in Berlin(Marathon) | Endurange

  5. Was Thomas sagt! 🙂

    Aber ich verstehe es – genau so ging es mir, als ich Berlin 2015 lief; ich bleibe allerdings weiter dabei, dass das irgendwie an der Stadt zu liegen scheint. Ich mag Menschenmassen eigentlich auch nicht, ich hasse den Müll, trotzdem schwöre ich darauf, dass der Hauptstadt-Marathon in PARIS einfach fantastisch ist… Probier’s mal 🙂

    • Paris ist eh der Kracher. Französisch immer 5, wollte nie nach Frankreich, Nina kennengelernt, Paris im Mai <3. Mittlerweile: Bretagne, Normandie, Burgund, Loiretal, Provence. Und 3x Paris

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