#Kreuzberg50 – ein magisches Wochenende

Nach so einem intensiven, positiven Erlebniswochenende, sind die Bruchlandungen in der Alltagswelt fast schon vorprogrammiert. Nichtsdestotrotz wo soll ich meine Geschichte beginnen und was sollte alles rein?

Eigentlich ist die Story zum #Kreuzberg50 schon über ein Jahr alt: da will Flo @Suppenkelle in Eigeninitiative einen 50km langen Traillauf privat organisieren und lädt dazu Menschen aus seinem social media Umfeld ein, die quasi als Prototypen dieses Event erleben sollen, auf das sich diese Veranstaltung mittelfristig als kleiner feiner Lauf etablieren möge. Und dann zerreißt es diesen Herren kurz vor knapp gesundheitlich so dermaßen, das die Veranstaltung abgesagt und 2017 neu angeschoben wird…

Und nun sitze ich hier, keine 48h später nach einem absolut grandiosem Wochenende und versuche meine Erlebnisse in Worte zu fassen. 

T -7 Tage: Ich freue mich wie ein kleines Kind auf das #Kreuzberg50 Wochenende, voller positiver Energie – gerade aus dem Urlaub kommend.

T-5 Tage: meine mich begleitende Frau unterbreitet mir Bedenken, ob ihr Mitkommen wirklich richtig und sinnvoll sei.

T-3 Tage: meine mich nicht mehr begleitende Frau unterbreitet mir, doch mit kommen zu wollen, egal was komme.

T-1 Tag: Wir reisen also Samstag morgen ab Richtung Kronach, sammeln noch kurzfristig den hier schon häufig erwähnten Christian @_Trailtiger ein und so fahren wir gemeinsam ins Fränkische. Gegen 16:20 Uhr stürmen wir den lokalen Supermarkt und kaufen noch ein paar Kleinigkeiten für die beste pastalose Pasta Party des Jahres ein. Einer der Running Gags (ha ha) etabliert sich mit dem sympathischen fränngischen: „Sammelt Sie Dreuebungte?“ Welch lustiges Völkchen diese Franken doch sind…

Wir checken noch kurz im Hotel ein und starten zum Treffpunkt: Eine  ausgeräumte Scheune, die von Flos wohlmöglichen Schwiegereltern in Spe, oder der Einfachheit halber, des „Flos Freundin Franzi der ihre Eltern“ zur Verfügung gestellten Räumlichkeit. Ein so großes und herzliches Hallo aller Beteiligten und Anhänge habe ich selten erlebt: es war einfach großartig wie sich diese Filterblase von Laufverückten mehrmals im Jahr aus ihren social media Kokons wagt und sich und das (Lauf-) Leben feiert. Neben Bier (Frankenstoff) vom Fass und Gegrilltem, gab es gute Laune und tolle Gespräche. Und mittendrin Franzis Eltern, die wie Heinzelmännchen im Hintergrund die Fäden zusammen halten und augenscheinlich selbst erstaunt sind von dem ganzen Trubel.

Dann das obligatorische Briefing, durch den angekündigten Sturm ist der Start des Laufs am Sonntag von 06:00 Uhr auf 08:00 Uhr verlegt. 

Wir verlegten unsere Körper auch relativ frühzeitig ins Hotel, etwas müde von Fahrerei und Aufregung.

T-4h. Sturm Herwart wütet draußen vor dem Fenster, das Rollo klappert, der Regen kommt von von allen Seiten, nur nicht von oben. ich verkrieche mich weiter unter die Bettdecke, kann aber nicht wirklich tief schlafen – Wettkampfmodus.

T -1h: welcher Vollidiot, denke ich mir, stellt den Wecker so knapp vor ein Rennen. Hektik kommt auf, auschecken müssen wir auch noch und dann rasen wir mit selbst verordneten Sonderrechten durch das noch verschlafene Kronach zum Start. Herwart hat sich zwischenzeitlich überlegt einen Gang rauszunehmen, es klart sogar ein wenig auf.

T -10min: die ersten Teilnehmer sammeln sich zum obligatorischen Gruppenfoto, Christian und ich „frickeln“ unsere Startnummern noch an uns bzw. das Startnummernband.

T-7min: Aufstellung zum Gruppenfoto: 1 Hund, eine Dame und 15 Herren posieren glücklich und freudestrahlend in die Objektive der internationalen Presse.

Dann endlich der Start: Wir laufen gemeinsam los, folgen Flo, der uns „seine“ Strecke mit all seinen Widrigkeiten und Schönheiten zeigt. Das Feld zieht sich schnell in die Länge, nach 3km sammeln wir uns wieder: einer fehlt! Daniel @endurange knickt nach 2km um und holt sich eine Außenbandruptur des Fußgelenks und humpelt zurück. Augenzeugen berichten später, das der sonst so redselige quirlige Kerl über eine halbe Stunde ohne jegliche Regung ein Loch in die Wand starrt…

Wir aber laufen weiter, steile Anstiege, seifige und durchgefurchte Wiesen, lange Anstiege, die zu steil zum laufen aber zu flach zum gehen sind, knöcheltiefe Seenlandschaften nicht zu vergessen. Am Basecamp werden wir von unseren Freunden und Angehörigen bestens verpflegt. Runde 1 ist durch.

Es bilden sich kleine Gruppen und so laufen Christian und ich gemeinsam in die nächste Runde. An einer der Anhöhen läuft Chris Herzog @chrshrzg zu uns auf, den ich lachend mit einem: „Tschsch Tschsch! Geh weg! Wir wollen dich nicht“ vertreibe. Der Trailtiger kommt aus dem lachen nicht mehr raus, ich aber entschuldige mich schnell bei Chris und wir lachen gemeinsam. Die beiden harmonieren heute toll, ich muss zusehen, das ich dran bleibe. Während ich mich quäle, scherzen die beiden und gehen mir mit ihrer Lockerheit zunehmend auf die Nerven. Am Basecamp steht der Hausherr mit einem Lächeln am Gartentörchen, macht uns auf und empfängt uns warmherzig. Wir werden wir von unseren Freunden und Angehörigen bestens verpflegt und umsorgt. Runde 2 ist durch.

Die nächste Runde starte ich allein, bin nicht wirklich zu Späßen aufgelegt und will meine Ruhe haben. Ich acker mich voran, sehe die beiden Christians weit hinter mir, ich muss mich sputen das sie mich nicht einho – RUMMS da liege ich auch schon im Dreck! Schnell rappel ich mich wieder auf, das Malheur hat weiter Sekunden gekostet. Da sind sie wieder! Gut gelaunt quatschend sind sie da, überholen mich, nerven mich. Einerseits will ich dran bleiben, andererseits geht mir die Laune dieser Spaßvögel auf die Nerven und raubt mir Kraft. Ich lasse die Christians ziehen. Knicke zwischenzeitlich im Acker um, rappel mich wieder auf und beiße. Mein Kopf hat endlich was gefunden um den Körper zu bearbeiten. Doch am Basecamp steht der Hausherr  weiter mit einem Lächeln am Gartentörchen, macht uns auf und empfängt uns warmherzig. Wir werden wir von unseren Freunden und Angehörigen bestens verpflegt, umsorgt und aufgepäppelt. Der Trailtiger empfängt mich mit offen Armen, ich bleibe einige Sekunden umarmt an ihm stehen. Wir sind keine Konkurrenz, wir sind Freunde, die sich zu schätzen wissen und uns gegenseitig fordern aber auch fördern. Meine Frau hingegen sorgt sich sich, mein Körper ist schwach und meine Augen leer. Und das nach 30km – das hatte ich mir auch anders vorgestellt. Der Hausherr entlässt mich wieder. Einfach klasse.

Die vierte Runde bleibt mir als Ätzrunde in Erinnerung. Die beiden Christians sind vor mir, hinter mir, ich weiß es nicht. Zwei mal knicke um, schreie auf, und verfluche Himmel und Erde lauthals. Wie schön, sowas ist nur im kaum besiedelten Kronacher Umland möglich. Ich gehe viel. Laufe abwechselnd. Ich ackere mich durch die Runde, jetzt fängt es auch noch an zu regnen. Was hab ich denn nur getan? Aber dann hat das Schicksal ein Einsehen, denn der schon früher ausgestiegene Sascha @trailrunnersdog läuft mir die letzten Meter entgegen und begleitet mich ins Basecamp, wo wen wundert es ein sichtlich gut gelaunter Hausherr das Gartentörchen für seine Gäste öffnet und ich von unseren Freunden und Angehörigen bestens verpflegt, umsorgt, aufgepäppelt und verwöhnt werde. Der Hausherr entlässt mich mit einem Lächeln.

Die letzte Runde starte ich durch: nicht mit kenianischer Pace sondern mit der Genugtuung mich von den Teilabschnitten zu verabschieden. Oben angekommen zeige ich der langen Steigung wahrlich den Mittelfinger, winke dem Segelflugterminal zu, grinse den Stein an, über den ich gefallen bin und freue mich einfach nur auf den Hausherren und sein Gartentörchen. Ich habe keine Ahnung, wie viele Teilnehmer noch im Rennen sind, wo, wer… So langsam habe ich wieder Spaß und denke sogar über eine weiter Runde nach. Den Tiefpunkt überstanden, bin ich jetzt im Kilometerfresser Modus. Wie schnell oder langsam – egal. Die letzten 300 m läuft Sascha wieder mit, erklärt mir das alle auf mich warten. Ich stutze. Ich bin der Letzte? Nein, er korrigiert mich: ich bin einer von Vieren, die überhaupt die 5 Runden durchgelaufen sind. Wahnsinn!!! Ich freue mich wie doof, als alle im Gartentörchen stehen und mir zujubeln und mich beklatschen. Das hat sich wie ein Tattoo in meinem Gehirn. genagelt. Sollte ich einmal auf einer Laufstrecke untergehen, werden ich mich an diesen magischen Moment erinnern. Nach 6h 32min bin ich endlich im Ziel. Ein Denis und 3 Christians. Krasses Ding. Ich habe viel gelernt über mich.

Wir feiern noch ein bisschen, gerädert geh ich duschen und lasse mir den Dreck von der Haut waschen. Ich bin für mich und grinse…

 

Epilog:

Mein besonderer Dank geht an Flo, Franzi und Franzis Eltern. Ich habe an diesem Wochenende soviel Menschlichheit, Höflichkeit, Freundlichkeit, Repekt und Wärme erfahren. Ihr wart toll.

Mein Dank geht aber auch an den Rest der Bande: ohne euch wäre das ein verregnetes langweiliges Sturmwochenende geworden. Grau in grau. Dadurch aber wurde es unglaublich bunt und herzlich. Ich würde es jederzeit wieder tun. Und ich weiß: Ihr auch. Also bis 2018…

Und: Danke Dir Nina, das du dich eingelassen hast, dieses Spektakel mitzuerleben :-*

 

 

 

 

Operation Wolfgangseelauf

Mein Kopf ist voll mit Emotionen, Bildern, Adrenalin und ich liege wach. Nicht zuletzt als Memo und Ventil dient dieser Blog.

Wo fängt also diese Operation Wolfgangseelauf genau an? Und was ist genau der Wolfgangseelauf?

Ich lasse nach spontaner Buchung einer Ferienwohnung im Salzkammergut via Twitter Direktnachrichten bei meinen österreichischen Lauffreunden durchsickern, das ich in ihrem Land bin und prompt meldet sich der Gunter @GUracell, das ich ja mit ihm einmal Intervalle laufen könnte oder noch vielleicht besser einmal um den Wolfgangsse, bei dem er gemeldet sei. Er macht mir da schon den Mund wässrig, wie toll dieser 27km lange Lauf wäre.

Nach Rücksprache mit meiner Frau (Danke dafür 🙂 )melde auch ich mich an. Was soll schon sein: 27km um den See. Klingt flach und schön.

Die Tage gehen ins Land und wir fahren endlich Richtung Salzkammergut. Die vermutlich  ultimativ beste Woche dieses Herbstes erwischen wir und es strahlt uns die Sonne die ganze Zeit über fröhlich an. Der goldene Herbst, dieses kitschig romantisch daher Gesagte, wird hier Wirklichkeit. Der blaue Himmel und die Berge, die Seen und die Eindrücke machen diese Woche zu etwas ganz besonderem.

Am Donnerstag laufe ich morgens um 6 Uhr mit Stirnlampe und elektronischen Track auf dem Handy los und erkunde unsere Gegend. Steil und verwurzelt geht es einen Kamm hoch bis auf 1350m. Mit Gipfelkreuz. „Mein“ Gipfelkreuz. Auf der anderen Seite geht es die steileren und losen Geröllmassen wieder ins Tal. Welch ein Abenteuer. Später am Tag lese ich über diese Strecke in einem Guide: Ideal für Kinder… 

Am Samstag treffen wir uns noch mit Chrstian @alpinextreme und seiner Frau Babsi @running_kitty im Kaffee Klimt am Attersee. Dort hat der berühmte Maler das Bild „der Kuss“ gestaltet, werden wir aufgeklärt. Wir genießen die Stunden, lachen viel und meine persönliche Pastaparty ist ein Teller Kaiserschmarrn, den ich nur mit Hilfe meiner Frau auf bekomme. Christian brieft mich noch bezüglich Wolfgangseelauf: Es ginge durch den Ort, nach ca. 3km dann den steilen Falkenstein hoch. Steil denke ich – wenn man so wie er 1h 45min für die 27km benötigt, dann wird der Falkenstein steil sein. Naja… Auf der anderen Seit dann wieder runter, um dann die restlichen 21 malerischen Km zu nehmen. Ich bin sehr gespannt!

Sonntag morgen das übliche Race Prozedere, treffen wir uns dann etwas zu früh mit Gunter in St. Wolfgang. Er ist in der Tat alter Fuchs und erklärt uns vieles über den Ort und mir insbesondere über den Lauf. Bei noch kühlen 7 Grad warten wir an einem Fleckchen in der Sonne, das es losgeht. Er erklärt: Wenn die ersten Männer und Frauen den Falkenstein oben erreicht haben, ertönen Böllerschüsse, das ist so in der 46 Jahre dauernden Veranstaltung so entstanden. 

Wir laufen uns warm, Gunter zeigt mir ein paar Ecken vom Ort und es geht eine Rampe zum See runter. Ich höre ihn sagen: so ist der Falkenstein, vielleicht noch steiler. Ich stutze. Kann ja nicht, ist ja ein Lauf um den See…

10:34Uhr – mein Block startet und wir laufen durch den Ort. Vorgenommenes Zeitziel zwischen 2h 15min und 2h 30min. Im Nachhinein so naiv eine Zeitvorgabe aufzustellen die auf der flachen Straße funktioniert. Blauäuig, aber so lernt man nie aus…

Ich lasse den 02:29:59 Pacemaker noch im Ort hinter mir und kurz vor dem Falkenstein höre ich die Böllerschüsse. Die scheinen noch gar nicht so weit gekommen zu sein. Ein Witz!!! Denn was jetzt kommt lässt jeden gut trainierten Hermannslauf Routinier erschaudern: es geht ca 1,5km einfach bergauf, wie eine Wand. Schnell komme ich ins gehen, will nicht überpacen. Die Schuhe rutschen durch, um mich herum wird geschnauft. Es wird stiller unter uns. Am Ende sehe endlich das Flachstück, da ist also oben. 

Falsch! Da ist die Kehrtwende hoch, jetzt geht es richtig „zünftig“ zu. Das ist wirklich beeindruckend, was dort abgeht. Wir quälen uns stillschweigend hoch und irgendwann oben angekommen geht es auf der anderen Seite genauso wieder herunter. Menschen rasen an mir vorbei, meist deutlichst unerfahrene Trailläufer die ohne Sinn und Verstand auf dem Laub den Berg runter laufen ohne zu wissen was unter ihnen ist. Ich halte mich bedeckt, jetzt nichts riskieren. Die Bergwacht an disponierten Stellen wartend, fängt dort so manchen auf, der doch den Schotter geküsst hat.

Unten wieder angekommen sehe ich die Markierung 6km. Jetzt beginnt der restliche Halbmarathon. Ich versuche meinen Puls und meine Oberschenkel wieder in den Griff zu bekommen. Die Strecke führt teilweise direkt am See entlang, so schön, so malerisch. es ist wirklich ein wunderschöner Lauf. Du kannst schauen und du findest immer wieder neue Eindrücke. Einheimische klatschen, Asiaten filmen… Alles wie immer!

Ungefähr bei km 13 überholt mich der zweieinhalb Stunden Pacemaker wieder mit seinem laufenden Anhang. Ich muss ihn ziehen lassen, kann das Tempo nicht halten. Da geht sie hin meine Mindestzeit, ich komme also noch langsamer ins Ziel als ich wollte.

Aber irgendwie reiße ich mich zusammen: dem See kaum Blicke schuldend, hänge ich mich an andere Läufer und Läuferinnen die etwas schneller sind als ich und so kann ich wieder langsam zum Pacemaker aufschließen. An den VPs stoppe ich jetzt immer kurz, ich halte es für besser: gescheit Wasser oder Iso aufzunehmen als es schwappend in mein Gesicht zu kippen. Wieder ist der Pacer weiter weg. Mich überholen zwei Jungs mit „Transalpin2017“ TShirts. Wenn die es nicht können, dann keiner denke ich mir und hänge mich dran. Und wirklich: bei km 22 bin ich wieder dran. Mein Tempo und meine Atmung haben sich stabilisiert, die Pace ist gerade richtig angenehm. Es läuft und macht Bock. Ich merke die Pace gar nicht und ziehe bei km 24 an ihnen vorbei um noch ein paar Sekunden gut zu machen. 

Im Ort selbst ist ordentlich was los: der Zieleinlauf ist gesäumt von jubelnden Menschen, die enge Gasse voll, der Schall sammelt sich zwischen den Häusern und ich erreiche in 02:24:34 mein Ziel. Wahnsinn! Ich freue mich so sehr, einmal wieder einen Lauf mit einer strammen Zeit abgeliefert zu haben, ohne spezifisches Seelauftraining.

Ich treffe Gunter wieder und auch meine Frau und wir analysieren gemeinsam den Lauf und die Strecke, während meine Frau tolle Fotos von Start und Ziel von uns beiden zeigt.

Der Tag geht in die vierzehnte Stunde, aufbrechen wollen wir alle nicht. Die Sonne, der See, die Emotionen. Wir sind so aufgeladen von alledem, doch leider ist unsere Urlaubszeit vorbei und wir haben noch 850km vor uns. Also verabschieden wir und voneinander und fahren heim. Mit Bildern des Urlaubs und des Laufs. Es war eine fantastische Woche!!

Danke Gunter, das du mich ermutigt hast beim Wolfgangseelauf mitzumachen. Danke für deine Erklärungen und die tollen Gespräche. Es war famos!

Meine Frau und ich werden wohl noch lange an diese gute Zeit denken. Gerade wenn sich der Herbst von seiner nassen und dunklen Zeit zeigen wird, kann man im tiefsten Inneren ein Fenster öffnen und das goldene Herbstlaub wieder leuchten lassen. DAS nimmt uns keiner. Danke Salzkammgut, es war mir ein Fest!

 

… und die wunderschön gestaltete zweifarbige Medaille an gelben Band nimmt mir auch keiner.

 

Learning by doing – Der ERWEL

Der Emsradweg ERW ist ein Fernradweg von 375km Länge beginnend in Hövelhof in der Senne und endend in Emden, wo die Ems dann in die Nordsee fließt. 

Was wäre also, wenn man den ERW nicht mit einem Fahrrad und Muskel- oder Elektrokraft sondern per pedes erläuft oder erwandert…?

Wie lange sich diese Idee wohl schon in meinem Kopf aufhält musste ich selbst schmunzelnd erfahren, nachdem ich im Internet gesurft habe und recherchierte, ob es schon jemand vorgemacht hat. Dabei stieß ich in einem Unterpunkt eines Radforums auf einen Eintrag aus dem Jahr 2014, bei dem ein gewisser Chrissi1 genau diese Frage stellte. Spannend las ich seine Beiträge und die etwas misslungenen Antworten der Forumsteilnehmer. Und so langsam graute es mir: Chrissi1 war ich selbst :-). Verdrängt durch Antworten „warum sollte man das tun etc…“ betrat ich das Forum nicht mehr und vergaß. Das Internet vergisst allerdings nicht und so weiß ich jetzt das die Idee aus dem Jahr 2014 stammt…

Irgendwann in Frühjahr 2017 grub ich also die Idee wieder aus und plante und formte an den Basics. Große Dinge der Welt brauchen ein Schlagwort oder neudeutsch Hashtag unter dem alles vereint wird. Und so war #ERWEL17 (Ems Rad Weg Etappen Lauf 2017) geboren.

Ich experimentierte zunächst mit dem Equipment welches ich mittlerweile über die Laufjahre zusammen gesammelt hatte. Unter anderem einen 25l Deuter Bike Rucksack mit spezieller Zirkulation im Rückenteil. Gefüllt mit ca. 5kg Gewicht lief ich los. 1,8km! weiter brach ich das Experiment ab.  Ein schmerzendes und brennendes Gefühl machte sich auf den Schulterblättern breit. Der Blick im Spiegel verriet Wundstellen. Krass! Nach nicht mal 2km war mein Rücken k.o. Fein, dachte ich mir: brauche ich wohl einen neuen Rucksack. Nichts ist schöner neues Equipment zu kaufen wenn es einen wirklichen Grund dafür gibt. Später wurde ich bei Salomon mit dem Peak 20 fündig…

Nächster wichtiger Punkt war die Überlegung der Bleibe: Möglichkeit 1 ein Tarp (ein Zelt ohne Boden verspannt zwischen 2 Bäumen oder auf Trailstöcken) oder Möglichkeit 2 ein Bivy (ein wetterfester Schlafsacküberzug). Ich habe mich länger mit der Möglichkeit eines Tarps beschäftigt und in der Folge aus Neugier und Wissenshunger ein Tarp selbst genäht und darunter im Garten übernachtet. Letztlich habe ich mich aber doch aus Gewichtsgründen für ein Bivy von Millet entschieden. Als Isomatte kam nur die Thermarest Zlite in Frage. Unkaputtbar gegen Glut, Dornen etc. hat sie sich bei mir etabliert. Feintuning blieb dann bei den restlichen Sachen wie Pro/contra Kocher, Powerbank, Ersatzklamotten etc. Wer da Fragen hat, kann sich gerne melden…

Meine Ausrüstung komplett inkl. diverser Riegel und 1,5l Wasser lag dann bei 6200gr. Ob das viel oder wenig ist muss ein jeder selbst beurteilen. Leichter geht immer habe ich gelernt. Besonders leicht wird dabei das Portemonnaie.

Und dann kam endlich der Tag der Tage: der Schnupperkurs #ERWEL17 begann. Meine Frau setzte mich nachmittags in Telgte (dem nächsten Punkt der Ems zu unserem Heim) ab. Die Sonne und das Wetter konnten nicht besser sein und so war ich auf mich gestellt. Wow!!! Ich setzte mich erst einmal auf eine Bank, atmete tief durch und sammelte mich. Jetzt sollte es also losgehen! Die ersten Meter wandernd, schaltete ich irgendwann auf Laufschritt um. In Ultralauf Tempo ging es langsam stadtauswärts und ich genoss die Freiheit.

Erstes wirkliches Highlight (so ein „da wollte ich schon immer mal hin!“) war die Kanalüberführung der Ems. Unten Ems, oben drüber im rechten Winkel der Dortmund Ems Kanal. Man kann quasi unter dem Kanal herschauen und die Ems sehen, Wahnsinn dass das immer so geht, hält und funktioniert.

Gegen Abend kam ich dann 26km später in Greven an. Als Unwissender hatte ich mir zu wenig bzw. zu spät Gedanken über meine nächtliche Bleibe gemacht und mehr und mehr übermannte mich die Dunkelheit. Als ich einen tolles Plätzchen gefunden hatte stellte ich fest, das es eine Zufahrt zum örtlichen Golfplatz war. Schmuntzelnd stellte ich mir vor, wie mich morgens ein älterer Herr in Bonbon farbigen Carohosen in seinem Caddy aufgegriffen und mir mit seinem Eisen3 Schläger Beine machen würde. Hier konnte ich also auch nicht bleiben. Letztlich fand ich eine Stelle an einem Maisfeld, halbwegs Sicht geschützt. Aber! neben einem leckeren Apfelbaum. Ich baute mein Nachtlager auf und schlief bald ein. Es war eine unruhige Nacht. Bei jedem Rascheln lauschte ich und wartete darauf ob eine Wildschwein Rotte meinen Weg kreuzen würde…

Ich überlebte. Der Sonnenaufgang war toll und ich kochte mir einen Kaffee auf meinem Esbitkocher. Hmmmm. Die Edelstahltasse war so knall heiß das ich mir gleich mal die Lippen verbrannte. Jetzt war ich wach! Ich packte meine Sachen zusammen und machte mich bald auf den Weg zum erstbesten Supermarkt. Frühstück im Backshop und Getränke bunkern. Dann ging es auch endlich los.

Einen erlebnisreichen Ort erreichte dann mit dem sog. Sachsenhof. Eine Rekonstruktion eines Hofplatzes aus dem 6. – 8. Jhd n. C. mit einem unglaublichen schönen Kräuter- und Nutzpflanzgarten. Hier wächst u.a. Hirse, Linsen, Buchweizen und Emmer. Endlich konnte ich mal die Pflanzen die sehen die teilweise morgens im Müsli habe. Aus Ton gebaute Öfen, Schmiedestellen, Webhäuser uvm. rundeten das Bild ab. Toll!

Auf dem Weg zur nächsten Ort nach Emsdetten durchquerte ich eine wunderschöne zugewachsene Hügellandschaft mit vielen Kiefern. Auf einem Schild war zu lesen, das ich mich auf Binnendünen befände. Sand, die der Wind am Ende der Eiszeit vor ca 10.000 Jahren hier her gepustet hatte, hatte Dünen von bis zu 20m Höhe aufgetürmt. Warum also ans Meer fahren, wenn das Schöne ist so nah. 

In Emsdetten selbst sprach mich eine Frau an, die wohl beobachtete, wie ich etwas hilflos auf mein Telefon starrte. Sie erklärte mir, das ich gerade in Emsdetten wär (aha!) aber viel wichtiger, wo der nächste Supermarkt zum Wasser auffüllen wäre. Sehr freundlich von ihr.

Den Emsradweg Organisatoren muss ich hier einmal ein großes Kompliment machen. Toll ausgeschildert mit einem ineinander verschachtelten „E“ kann man sich auf dem Emsradweg auch quasi ohne Karte oder Navi nicht verlaufen. Ich schon! In Träumer Modus hatte ich eine Abbiegung verpasst und war vom Weg abgekommen. Zum Glück gibt es die Karte in Offline Modus als App fürs Handy. Diese hatte ich mir schon vorab runter geladen und konnte den nächsten Wiedereinstieg finden. 

Ich hatte mir in meiner Fantasie ausgemalt, wie ich an der Ems entlang laufe und immer wieder den Fluss sehe. In der Realität ist das (zumindest auf meinem Teilstück) eher weniger der Fall. Man läuft vielfach landwirtschaftliche Wege gesäumt von hoch stehendem Mais und tollen westfälischen Höfen. 

Auf dem Weg nach Rheine fing es dann an zu regnen. Ich schlug mich in einen Wald, schaltete das Handy vom stromsparenden Flugmodus in den normalen Betrieb und schaute in einer Wetter App. 30min. sollte es dauern. Ich setzte mich auf meinen Isomatte und kochte mir einen Tee. Der Becher war heiß, das wusste ich jetzt und so stand der Becher Tee vor mir und kühlte erst mal wieder ab. Tee kochen und dann nicht trinken – kann ich. Und auch über die linke Wade kippen. Autschi…

Ich juckelte weiter. Mal laufend mal marschierend kam ich Reine immer näher. Dort angekommen kaufte ich neues Wasser im DM und zwei ca. 12 Jahre  alte Jungs beobachteten mich, wie ich aus allen möglichen Rucksacköffnungen Flaschen rausholte, umfüllte und mischte. Dann gab es Eis. Eis kann nie schaden, NIE!

Mein Wunschziel innerhalb dieses „Ausflugs“ war es die niedersächsische Landesgrenze zu erreichen. Als Zielpunkt setzte ich mir also Salzbergen. Weitere 11km Strecke, würde ich also heute die 50km voll machen… Etwas schlecht in Gänge kommend kam ich an der Klosteranlage Bentlage vorbei. Ich stellte mir vor wie dicke Mönche mir bemitleidenswerten Rastlosen ein Mahl mit Klößen und Braten reichen würden. Ich wartete. Und wartete. Aber nichts. Es kam weder Mönch noch Braten. Statt dessen die Information dass das Kloster ein Kulturportal sei. Mist!!

Auf dem Weg nach Salzbergen haben die findigen Gastronomen immer wieder Schilder aufgestellt: „Hunger? Noch 5,6km bis in unsere gemütliche Altstadt.“ Oder „Lust auf Kuchen? Noch 4,2km bis in unsere gemütliche Altstadt“. Das ist eine Frechheit. Wenn man den ganzen Tag von energiereichen Riegel und Iso Getränken lebt ist das Folter pur…

2,7km vor Salzbergen fand ich eine gemauerte Schutzhütte die mein Nachtlager sein sollte. Ich merkte mir die Stelle genau, hier könnte ich bleiben… Weiter Richtung Ortskern kam ich an einem Sole-Pumpenhäuschen vorbei – daher hat Salzbergen wohl seinen Namen. 

Als ich endlich den Ortskern Salzbergen erreichte drückte ich gegen 16:30 Uhr meine Uhr ab; 54km mit 6kg Gepäck. Ich gratulierte mir und suchte mir eine Gastronomie mit Außeneinheit aus um schwer verschwitzt zu rasten. Bei einer großen Spezi und einem kühlen Alster kam die Müdigkeit. Irgendwie war die Luft raus. Ich hatte mein Ziel erreicht! Ich genoss meine Pause und überlegte lange, wo ich denn die nächste Nacht bleiben sollte. Schlussendlich ging ich den direkten Weg zur Schutzhütte zurück und saß da nun rum. Und genau hier wurde mir bewusst, das die Idee einen Emsradweg zu erlaufen keinen Sinn ergibt. Entweder läuft man ca. 4-5h pro Etappe und langweilt sich die restlichen 8h des Tages herum (natürlich kann man sich etwas ansehen oder bummeln, dann sind es noch 6h zur Überbrückung) oder man läuft so wie ich 7,5h, ist abends total alle und hat keine  Kraft für den nächsten Tag. Vielleicht sieht das zu zweit oder in einer Gruppe ganz anders aus, alleine ist das schon sehr speziell. Und man muss Ziele haben ähnlich wie Pilger auf dem Jacobsweg, die am Abend an einer speziellen Bleibe sein wollen. Dort angekommen sind dort andere Pilger und Unterhaltung. Essen, Duschen und Verpflegung.

Ich hatte noch gute 3h bis es dunkel sein würde und so saß ich also in einer gemauerten Schutzhütte darauf wartend das es Dunkel würde. Etwas geknirscht. 

Ich googlete ob es möglich sei, von Salzbergen mit dem Zug nach Hause zu kommen. Bingo: für 14,40 EUR käme ich noch diesen Abend nach Hause. So packte ich all mein Kram wieder zusammen und machte mich auf zum Bahnhof. Müde vom Tag, müde eine andere Bleibe zu finden war ich mit mir im Reinen. Um 22:00 Uhr stand ich unter der besten Dusche seit langem.

Was bleibt ist die stolze Erkenntnis, mal wieder etwas in Angriff genommen zu haben; eine „spinnerte“ Idee umzusetzen und viel, sehr viel, zu lernen. Das was ich hier alles aufgesogen habe, kann ich sicher noch mal gebrauchen. Das Equipment habe ich jetzt, wenn ich eine neue Idee bekomme: ich bin dabei. Auch wenn ich mir das Finish zugegebener Weise deutlich glücklicher vorgestellt habe: 82km (26 + 54km) sind eine mega Leistung mit dem ganzen Gepäck. Ich habe tolle Sachen erlebt. 

Und ein Wort an Euch: macht mal was blödsinniges! Seit ein bisschen wie Kinder die vor der Herdplatte stehen und die Mutter sagt „es ist heiß!“. Und trotzdem ist diese Lust da, dieses Verlangen da drauf zu fassen und sich wahrscheinlichst zu verbrennen. Es ist einfach zu viel öder Alltag da draußen. Man muss ja nicht gleich nach Uganda um ein kleines Abenteuer zu erleben. Kommt und gebt eurem Leben einen Spritzer Farbe. Was habt ihr zu verlieren? Im nachhinein werdet Ihr stolz sein auf das Geleistete. So wie ich mit dem ERWEL. Es war spannend und ein bisschen aufregend!

Auf die Plätze, fertig, LEBT!!!!

Nachtrag: 20min später Twitter ich dem @trailrunnersdog: „Jetzt wo ich weiß wie es geht, kann ich jederzeit „ausbrechen“ und mir ne 24h Auszeit nehmen“. DAS IST ES WOHL!!!!!

 

Ego Shoot

2015 bin ich im Rahmen des Berlin Marathons einen Halbmarathon Testlauf gelaufen. Ich kann mich noch wirklich gut daran entsinnen. Zum einen hatte ich dort eine bis dato stehende PB 01:41:59 erreicht. Zum anderen lief ich im „Windschatten“ zwei älterer Herren mit, die auf Grund der Pace nicht zu überholen waren. Der Unterschied: ich lief gefühlt im roten Bereich, sie unterhielten sich entspannt über ihre Gärten, Autos, Baumärkte und Kegeltouren. Demütigend. Es erinnert mich sehr an meine seltenen Bahnenschwimmversuche, bei denen ich kurz vor dem Ertrinken bin, während zwei Bademützen behäubte Damen entspannt an mir vorbei ziehen und Buttercremetortenrezepte austauschen. Demütigend…

2017: ich habe dieses Jahr schon so einige (Lauf) Dummheiten vollbracht. Zur Zeit hänge ich zwischen Diversen herum und laufe ohne Plan oder Vorgaben mal schnell mal langsam an meinen Trainingstagen. Ich kombiniere auch gern mal und tausche laufen gegen rollern. Allerdings merkte ich in letzter Zeit eine gewisse Freude an Tempoläufen. Die Zeiten und Ergebnisse könnten sich für meine Verhältnisse durchaus sehen lassen.  Um einen kleinen Anreiz in mein Training zu bringen schmiedete ich einen Plan: ich suche mir einen Halbmarathon in meiner Region und versuche dort an meine PB heran zu kommen. So nah es geht. Vielleicht mit einem Laufbuddy zusammen, den ich als Tempomacher „missbrauchen“ könnte.

Schnell war der Halbmarathon in Münster Hiltrup entlang des Kanals gefunden und den ersten Buddy, den als Hasen nutzen könnte, gab grünes Licht. Christian @_trailtiger, mit dem ich dieses Jahr schon des Nachts durch Kölner Wälder gezuckelt bin, sagte nach kurzer Rückfrage bei seiner Freundin, zu.

So trafen wir uns am Sonntag morgen in Münster. Christian begrüßte mich in seiner charmanten Art mit einem „so siehst du also bei Tag aus!“

Die Startnummern befestigt warteten wir mit ca. 350 anderen oftmals nervösen Teilnehmern auf den Startschuss. Der Moderator zählte runter: „10, 9, 8, 6, 7“. Großes Gelächter. „… 2, 1, Start!!!“

Wir hingen die ersten Meter im Verkehr fest und kämpften uns langsam nach vorne. Angetrieben von ordentlich Rückenwind auf dem Kanalhinweg und dem Adrenalin liefen wir zu schnell an. Natürlich… 

Wir beide können es einfach nicht lassen unterwegs Blödsinn und dummes Zeug zu reden. Ob die anderen Läufer das wollen oder nicht unterhalten wir schon mal andere Teilnehmer. Der Tiger rechnete mir unsere Zeiten vor, bremste mich auch mal ein und wir liefen ein schönes Tempo. Bei unserem Getratsche musste ich an die beiden Herren denken, die oben erwähnt, über Gott und die Welt redeten. Und wie bei mir seinerzeit liefen andere schnaufend im roten Bereich, während wir quatschten. Und doch hielten wir uns gegenseitig bei Tempo.

Gegen Km 15 kam die Sonne heraus. Warm wurde uns. Wir beide hatten mittlerweile Funkstille da auch wir ein zielsicher Richtung Tachoanschlag liefen. Oder nur ich??? Christian rechnete nur noch irgendwelche Zeiten, von denen ich eigentlich nie etwas was wissen will. 

Km 18: Christian faselt irgendetwas von 1:40. Mir fällt es mittlerweile schwer das Tempo zu halten, aber es bildet sich eine kleine Gruppe bei det jeder mal Tempoarbeit leistet. Ich auch. „Wie so Kenianer“ denke ich mir und grinse.

Km20: Christian zieht nochmals an oder werde ich langsamer? Er ist jetzt ca 30m vor mir. Winkt mit dem Arm ich solle Gas geben. Ja doch!

Km21: Christian aka „ich-darf-an-der-letzten-Steigung-nicht-so-viel-Druck-auf-die-Wade-geben“ knallt diese hoch, ich muss abreißen lassen. Die letzten 300m holt er wohl noch alles aus sich heraus und prescht vor.

Ziel: ich laufe fast noch ein kleines Kind um welches im Zielbereich den Weg kreuzt und stoppe meine Uhr: 01:39:54. BAMMMM! Ich staune ungläubig.

Wir klatschen uns ab, Christian ist sogar noch 25sek schneller und wir freuen uns wie Kinder beide heil und mit neuer PB im Ziel zu sein. 

Grinsend gehen wir beide zurück zu m Parkplatz, reden noch kurz, verabschieden uns und fahren von dannen.

Was bleibt ist die Gewissheit und auch Genugtuung, das ich obwohl steigenden Alters auf einer Formwelle surfe, die ich mehr als genieße. Es fühlt sich gut an!!! Das darf gerne noch ein bisschen so bleiben.  Toi toi toi!

Und weiter geht’s im (Lauf-)Leben. Schalten Sie wieder ein wenn es heißt: „welch bescheuerte Idee war das nun wieder…?“

 

 

 

Die Laufgeschichte zur Nacht

Da bin ich also, Samstag kurz nach 16:00 Uhr und hole meinen Laufkumpel Christian aka @_trailtiger zu Hause ab und wir fahren gemeinsam nach Köln um im Rahmen des Ultralaufs Rund um Köln, dem „Kölnpfad„,  nicht die 171Km oder die 110Km, sondern den kürzesten Wettbewerb die „Kölsche Naachschicht“ zu laufen. Das Besondere dabei: unser Start ist an einem der mittleren Verpflegungspunkte abends um 20:00 Uhr. Die beiden Veranstalter Thomas und Tom tun alles, das wir uns alle wohlfühlen. Bis auf das Wetter: es sollte um 16:00 Uhr aufhören zu regnen, es sollte um 17:00 Uhr aufhören zu regen, aber sicher um 18:00 Uhr. Es hat zum Start zu 20:00 Uhr nicht aufgehört.

Um 19:50 Uhr bekamen wir nach Shuttlebusverbringung vom Ziel zu VP7 eine kleine Einführung und dann ging es mit Countdown Zählerei pünktlich los.

Der Trailtiger und ich liefen aufgescheucht wie Wildpferde zu schnell los, hatten aber beide gute Beine und wir pendelten uns langsam ein.

Wir haben jetzt den zweiten Ultra zusammen gefinisht. Es ist schön, wenn der Team Spirit so stimmt.

Nach etwa 10km fing mein Magen schon an zu rebellieren. Hunger hatte er. Trotz diverser Nutella Stullen noch Stunden vorher. Ein Gel half weiter. Ein böses Omen?

Keine besonderen Vorkommnisse am ersten Vp nach 22,5km.

Dann ca. bei km 25 knicke ich mit dem rechten Fuß um. Schmerz durchzieht meinen Fuß. Mein Kopf macht sich in Automatik Manier sofort daran, alles blöde zu finden und rum zu zetern. Wir gehen ein Stück weit, dann trabe ich wieder an. Alles so lala.

Bei km 30 hau ich mit dem selben Fuß auf eine Wurzel. Der Schmerz fährt Achterbahn. Spätestens jetzt finde ich ehrlich gesagt alles schXXXe. Falle in ein Loch, fange an zu schweigen. Das ich aussteigen will, verschweige ich. Ein guter Partner merkt schnell, wenn etwas nicht stimmt und so päppelt mich Christian wieder auf. Ich solle meine Musik hören die extra dabei habe. Na gut… Die Bässe hauen in den Schädel und bringen mich auf andere Gedanken. Der VP bei 43 km ist meine Insel und Rettung. Alles auffüllen und runterkommen.

Die Nacht bricht an. Wir laufen durch größere und kleinere Wälder. Die Luft ist zum Schneiden feucht. Unsere Klamotten triefen, sie können nichts an die Umwelt weiter geben. Kein Wind, 100% Luftfeuchte, keine Ablenkung. Nur der Spot meiner Kopflampe tanzt vor mir. Das mag ich so sehr. Ich bin dann mit mir im reinen. In diesem Rennen allerdings müssen wir immer wieder anhalten und uns orientieren. Den Track zwar auf Uhr, Handy und Tracker, finden wir im Dunkeln doch nicht immer den Weg und verzetteln uns. Das zerrt an den Nerven. Und wir müssen auf den höchsten Punkt des Kölner Umlandes: den Monte Troodelöh. Nichts wildes mit 118hm, da wir aber nichts sehen außer Nebel und Bäumen haben wir kein Gefühl dafür wann und wo der höchste Punkt erreicht ist. Christian motiviert immer wieder: das genau dieser Anstieg der letzte ist. Ich maule: „Das erzählst Du seit dem ich dich abgeholt habe.“ Wir lachen.

Apropos lachen: wir schweigen diese Nacht viel, reden aber auch eine Menge Blödsinn und lassen uns dazu verleiten ein Stück weit albern zu sein. Damit unterhalten wir nicht nur den nächsten Vp sondern auch Läufer die auf uns auflaufen. Ob sie wollen oder nicht. Aus einem Waldstück kommend, leuchtet ein offenes Gebäude. Bei näherem Hinsehen ist es eine Milch Tankstelle von einem Bauern. Das muss ich mir näher ansehen. Man kann dort leere Flaschen kaufen und die dann mit Milch auffüllen oder sich mit Kakaopulver gefüllt einen Kakao mixen. Das will ich. Jetzt und hier und auf der Stelle. Wer weiß, wie eiskalter Kakao mit einer guten 3,8%igen Milch schmecken kann, wird mir zustimmen. Dieser Genuß. Der Hammer! Ich fülle mir den Kakao in die leere Hardflask. Wir albern wieder rum: Beim nächsten VP habe ich Butter oder Quark in der Flasche.

Da ich aber nicht einschätzen kann, wie sich kalter Kakao und Ultra laufen verhält, trinke ich nicht weiter. Aber für diese drei großen Schlücke hat sich das alles gelohnt. 🙂

Am nächsten VP 10 tausche ich Kakao wieder gegen Apfelschorle.

In der nächsten Zeit passiert eigentlich RRRRUMS, da liegen ich schon. Eine Kante übersehe ich, bleibe mit meinem Lieblingsfuß hängen und liegen, mit meinen mittlerweile Iso-, Cola- und Apfelschorlenhänden sammle ich Split. Ich sehe übel aus. Ich schaue an mir runter, mein Knie blutet und sifft langsam meine Stulpe voll. 10km vor dem Ziel soll es einen Wasserpunkt geben, an dem wir mein Knie versorgen könnten. Christian ärgert sich, das er den Sturz nicht gefilmt hat, er hätte super ausgesehen. Kann man dem Vogel böse sein?

Wir laufen also weiter. Das Knie tut zum Glück nicht weh und wir kommen gut voran. Mal laufe ich voraus, mal Christian.

Mein Kopf fängt wieder an alles blöd zu finden und ich fokussiere mich auf die Wasserstelle. Voll und ganz. Das ist jetzt mein Ziel. Bis dahin muss ich mich zusammenreißen.

Wir kommen an die Wasserstelle. Nichts. Gar Nichts. Njente. Nothing. Kein Wasser. Ich breche kurzfristig zusammen. Ich hatte mich so darauf gefreut. Und jetzt das hier. Ich bin geladen. Wir gehen ein Stück, hören wir Musik, verzetteln uns im Wald immer wieder. Christian und ich laufen aktuell auf „Frust“ Betrieb. Die Wälder hören nicht auf. Ich kann mich nicht mal an der einsetzenden Helligkeit erfreuen.

Wir laufen an Eisenbahnschienen vorbei und am Ende dieses Weges sehen wir endlich mit Kreide aufgezeichnete Lebenszeichen Richtung Ziel. Wir laufen an einer Straße vorbei, müssen nochmal über ein Feld und ich schreie heraus was wir beide denken: “ Ich hasse Bäume! Ich kann sie nicht mehr sehen!!“ Schieb leise nach das es nur für heute sei. Wir beide lachen und flachsen herum zuhause in Beton und Mörtel baden zu wollen. Christian umarmt wenig später liebevoll ein Trafohäuschen aus Beton.

Etwa 500m vor dem Ziel hat sich der Veranstalter noch ein Leckerbissen für die Teilnehmer ausgedacht: Wald! Ein schöner kleiner dunkler Stadtwald…

Aus dem Wald heraus müssen wir nur noch die Straße kreuzen. Wir „hahnern“ uns ins Ziel. Applaus von den vielen hunderttausend anwesenden Fans. Nicht. Es klatschen die, die noch können oder wollen. Wir klatschen uns ab, belobhudeln uns, stieren etwas ins Leere.

Die Dusche auf dem Gelände ist das Größte. Warmes Wasser ohne Timer Abschaltung rieselt einfach auf meinen Rücken. Minutenlang…

Wir verabschieden uns als bald von den lieben Menschen dort, die jedeN mit einem Lächeln ins Ziel gelächelt haben.

Ich bringe Christian wieder nach Hause,  wir umarmen uns kurz, sind beide platt. Ab geht es nach Hause.

Epilog:

Mit Christian dem @_trailtiger habe ich jemanden gefunden, mit dem ich einfach gut kann. Das wird sicher nicht der letzte Lauf gewesen sein.

Ich kann weit und ich bin zäh. Vielleicht kann ich auch noch weiter. Aber nicht hier, nicht heute. Ich genieße das gute Gefühl etwas grandioses geleistet zu haben und spiele mit der Medaille aus Porzellan. Eine aus Holz hätte ich wohl verweigert.

Jetzt bestelle ich erst mal eine Notfallbimmel fürs Klo falls ich nicht mehr hoch komme. Sicher ist sicher…

Unsinn macht Sinn

Eigentlich wollte ich nur über abschlossene bzw gelaufende WKs bloggen, da ich aber gleichzeitig Chefredakteur und Finanzier bin kann, ich machen was ich will. Zumindest hier. 

Auslöser des neuen Blogeintrags war folgendes: Irgendwann im Frühjahr wollte ich mich mental etwas auf den Mt. Eveest Treppenmarathon #METM vorbereiten und überlegte mir was ich dafur tun könnte. Etwas eintöniges sollte es sein. Und so lief ich die Einfahrt (eines Restbauernhofs, wo wir zur Miete wohnen) auf und ab und nahm noch gleichzeitig die Außentreppe zur Stiege mit. So kamen Runde um Runde zusammen und auch ein paar Stufen. Das schaukelte sich dann so hoch, das entweder eine schöne Rundenzahl oder eine schöne Km Zahl zusammen kam, aber nie irgendwie etwas gleichzeitig. So brach ich dann nach 30 oder 35km ab und witzelte mit den #Allebekoppten vom #Twitterlauftreff über diesen Unsinn. Chefbekloppter Daniel @endurange rief gleichsam den „Schluppes Einfahrt Marathon“ #SCHLEM aus.

Alles war vergessen, nur der #SCHLEM nicht…

Da ich mich aktuell auf die „Kölsche Naaachschicht“, einen 75km Nachtlauf rund um Köln vorbereite, bleiben auch längere Strecken nicht aus, nach Möglichkeit unter Realzeiten. Da kam mir wieder dieser #SCHLEM in den Kopf. Ich würde etwas für die mentale Stärke tun, einen langen Lauf haben, mein Equipment testen und die Einladung zu einem Geburtstag nicht ausschlagen müssen.

So machte ich mich Pfingstsonntag abende gegen 21:00 Uhr auf den Weg. Das tolle ist, das jegliche Verpflegung und auch die Toilette greifbar sind, auch frische Anziehsachen, auch Wärmeres, in Reichweite. Das Blöde ist, das man jederzeit reingehen könnte und sich zur Gattin ins Bett legen könnte. 

Aber ich kam gut vorran. Wendepunkte waren ein Holzscheid und eine Kreidemarkierung, die ich nutzte. Ich hatte keine genauen Vorstellungen mehr, wie lang eine Runde ist, doch das Hörbuch „7 Jahre in Tibet“ auf dem Ohr bringt Unterhaltung.

10 Runden = 1820m, yeah mein Kopf fing schon mal an zu rechnen, ich kam für einen Marathon auf irgend was jenseits der 200 Runden…

40 Runden, es läuft wie am Schnürchen. Genieße den Sonnenuntergang.

60 Runden, mir wird langweilig

80 Runden, icb besorge mir ein Langarm Shirt und weiter gehts.

100 Runden, sieht toll aus auf der Uhr. Strecke 18,2km. Hm, das ist ja eher „übersichtlich“.

115 Runden, Halbzeit. Ich schreibe kurz Daniel, jetzt gehts nach Hause.

120 Runden. 121 Runden. 122 Runden. 123 Runden. Ich mache mir Deichkind an. Die Musik pusht.

135 Runden, denke über Gott und die Welt nach. Freue mich darüber das ich gesund bin und so einen Blödsinn machen kann. Denke auch an Maty @urbanyogimaty, die sich gerade mit aller Kraft aus ihrem Dreck zieht und an einen Lauffreund von Thomas @running-podcast, den es bei einem medizinischen Routineeingriff ganz schwer getroffen hat und vermutlich nie wieder der sein wird, der er war. Ich werde demütig und dankbar, das es mir so gut geht.

141 Runden, trällere „… der Mond ist aufgegeangen“, mache den Halogen-Hof-Fluter an und markiere die Wendepunkte mit Knicklichtern.

Irgendwann drücke ich die 200ste Runde und muss mir Evanescence aufs Ohr geben. Es ist doof, es ist dunkel, ich will nicht mehr…

Die nächsten Runden quäle ich mich dadurch, um 02:15 Uhr drücke ich die 231ste Runde. Der Marathon ist im Sack, der erste #SCHLEM Geschichte. Ich bin stolz und glücklich, betreibe Nachsorge, dusche und gehe ins Bett.

Was bleibt:

Erst Stunden später wird mir mir, nicht nur durch die Likes auf Twitter und Strava, klar, was ich für einen Blödsinn da gemacht habe. Viel mehr ist mir aber mal wieder bewusst geworden, das es nicht selbstverständlich ist, was wir hier so treiben. Es muss gar nicht Marathon, Ultra, Super oder Duper sein. Der achtsame und dankbare Umgang mit unserem Leben sollte uns viel mehr wert sein. Es ist in keinster Form  selbstverständlich so fit und gesund zu sein. Wir jammern eigentlich viel zu schnell und zu häufig. Ich eingeschlossen… !

UND: wir sollten viel häufiger einmal sog. sinnloses Zeug machen und an uns glauben. Was hätte mir den passieren können wenn ich in der Einfahrt einen DNF erlebt hätte? Nichts, man hat einfach nur seinen Allerwertesten hoch bekommen und es probiert. 

Ich wünsche Euch ein bisschen Mut zu Euren verückten Projekten, gebt Euch einen Ruck! Und seid dankar. Gesundheit ist ein Geschenk, was wir viel zu wenig würdigen und zu schätzen wissen.

Passt auf Euch auf!

 

METm Mein Erlebnis Treppenmarathon

Worauf hatte ich mich da wieder eingelassen? Es soll in Radebeul bei Dresden einen Weinberg geben, durch die eine 397 stufige Treppe, die sog. Spitzhaustreppe, führt. Das war´s auch schon mit der Idylle. Denn es soll in Radebeul bei Dresden auch einmal im Jahr einer der härtesten Treppenlaufveranstaltungen weltweit geben. Einzeltäter wagen sich über 24h dann daran diese Treppe mit zwei Wendepunkten so häufig wie möglich zu gehen, mindestens aber 100x um die Höhe des Mt. Everests zu erreichen. Daher die eigentliche Abkürzung METM: Mt. Everest Treppenmarathon. Einsteiger wagen sich als Dreierteam, einer sog. Seilschaft, an die 100 Runden und versuchen diese in möglichst wenig Zeit, aber maximal 16h zu meistern. 

Das klang ja alles so herrlich bekloppt, das es nur 2 weitere Wahnsinnige zu suchen gab, um sich dort anzumelden. Schnell wurden via Twitter Daniel @Endurange und André @AndreNO auf diesen Spaß aufmerksam und beide bekannt als schnelle Finger wenn es sich ums Anmelden dreht. Sie machten mit!

So gingen die Tage ins Land, unsere Seilschaft stand und brauchte nur noch einen Teamnamen – angsteinflößend für den Gegner sollte er sein, Feuer und Leidenschaft suggieren. Absolute Hingabe für das Einzige  im Leben darstellen und so ward die Kuchencrew modern #KCHNCRW geboren.

Um mich auf den Wettkampf vorzubereiten war ich immer mal wieder mit oder ohne meiner mega guten Freundin Jessi in Herten, wo  auf die Halde Hoheward eine Treppe mit 525 unterschiedlich hohen Stufen führt, die wir einmal sogar 22x bewältigten. Das  sollte doch etwas heißen!

Dann war es endlich so weit! Tag X gekommen.

Samstag Mittag fuhr ich also ca. 500km nach Radebeul um mich mit vielen lieben anderen Verrückten u.a. dem #TWITTERWÜRFEL Team mit Tim @TriTimtation, Patrick @sportingmunich und Ralf @Ribbscher, dem geistig seelischen Support von Susi @mousegezeichnet, Karen @firlefuchs und dem Sascha @trailrunnersdog zu treffen. Zu Gast waren ebenfalls Corinna @corinnarent und Kersten @TrailrunningimNorden, der gerade braun gebrannt vom Marathon des Sables zurück gekommen war. Wir machten es uns in einem 250m³ großen gewärmten Zelt mit 20 weiteren Teams mehr oder minder gemütlich und warteten auf die Dinge die da so kamen. 

Erstes Highlight: Da der Start für die Seilschaften um 00:00 Uhr angesetzt war, begann das Briefing durch den Veranstalter Ulf Kühne @gpway um 23:00 Uhr mit dem persönlichen Aufrufen und einschreiben. Wie bei der Tour de France, dachte ich mir.

Zweites Highlight: unsere Taktikbesprechung! Daniel, André und ich waren uns schnell einig, das wir keine Taktik hatten und so wollten wir das Rennen angehen. Jeder sollte eine Runde laufen in der Reihenfolge Daniel, André, Christian und durch die Rennerfahrung sollten wir dann auch irgendwann heraus bekommen, wann wir uns zu unserem Staffelwechsel vor dem Manschaftszelt einfinden müssten.

Um 00.00 Uhr startete Ulf mit einem Pistolenschuss das Rennen am oberen Ende Spitzhaustrepee für die Seilschaften. Daniel machte sich auf die erste Runde, fluchte über die unübersichtliche Streckenausleuchtung, übergab an André, der widerum über die unübersichtliche Streckenausleuchtung fluchte und den imaginären Staffelstab an mich übergab. Vorteil der beiden war, das sie schon einmal im hellen hier waren, die Gegebenheiten ansatzweise kannten und somit wussten das es sicher immer wieder um 7 Stufen mit unterschiedlich kleinen Zwischenplateaus handelte. Ich wusste von alledem außer den Infos aus dem Internet nichts und so machte auch ich mich auf die erste Runde. Zögerlich nahm ich Fahrt auf, schon „knallte“ der erste Wahnsinnige an mir vorbei, zwei oder drei Stufen nehmend. Ungeheuerlich!! 

Ich fluchte über die unübersichtliche Streckenausleuchtung. Hell/ Dunkel war schwer zu erahnen, Schatten der anderen Teilnehmer irritierten mich. Am Ende der Treppe ging es noch ca. 200m ein leichtes Gefälle um einen Wendepunkt und dann die leichte Steigung zur Treppe. 397 Stufen aufwärts, Übergabe an Daniel. Ich pumpte. Das sollte ich also insgesamt 33x machen. Worauf hatte ich mich da wieder eingelassen.

Zurück im Zelt ein reges Gewusel. Teilnehmer der Manschaften, berichteten, berieten und erklärten sich. André und ich warteten auf Daniel und nach und nach ergab sich eine Wartezeit von ca. 17 min, um in einer Decke gekuschelt im schneidigen 3 Grad kalten sächsischem Wind zu stehen um auf seinen Kameraden zu warten. Und schon waren die ersten drei Runden gemacht…

Warum auch immer, hatte ich endlich einmal genug Laufsachen und Buffs mit um mich gegen Wind, Kälte, auskühlen und Frustration zu schützen. Und so wechselte ich immer mal wieder meine Sachen, kombinierte neu, hing Anderes zum Trocken auf. Das Zelt glich einer riesigen Wäschekiste. Überall Menschen, auf Liegen, Campingstühlen, umziehend, trocknend, fluchend, lachend.

Womit wohl keiner von uns geplant hatte, war die Anspannung und das Adrenalin innerhalb der 17 min oben zu halten. Zusätzlich durfte man nicht auskühlen, andererseits, lief einem der Schweiß nicht nur den Rücken herunter. Der Kopf hatte freie Bahn über den Blödsinn zu sinnieren.

Und dann musste man auch schon wieder ran. Einmal Treppe bitte….

Gegen 04:00 Uhr zog dann noch ein weiterer Gast in unser Zelt und machte sich mehr als breit: Die Müdigkeit. Keiner von uns war darauf eingestellt, doch im excellent sortierten Versorgungszelt standen die Thermoskannen mit Kaffee parat und man bekam zu Milch und Zucker auch so manch liebes Wort der BetreuerInnen. Gut für die Seele.

Eines meiner wirklichen Highlights des METM Wochenendes war das erste Vogelgzwitscher gegen 04:45 Uhr als ich wieder einmal eine Runde „drehte“. Wie schön das war… Ein Zeichen dafür, daß der Tiefpunkt durchstanden war und der Tag nicht mehr so lange auf sich warten ließ. In der nächsten dann ein zehnstimmiger Chor und die erste Dämmerung. Klasse so konnte es weitergehen.

Wir drehten Runde um Runde, wärmten uns, motivierten uns, froren, aßen und tranken gemeinsam. Und es hörte einfach nicht auf…

Vermutlich gegen 10Uhr dann wieder einmal eines meiner kleinen persönlichen Erlebnisse: Auf dem Weg nach unten schaut man in ein beinahe romantisches Tal mit einem Dörflein. Und durch dieses Dorf fuhr zu meinem Erstaunen eine rauchende und pfeifende Dampfeisenbahn. Ein wirklich toller Moment, den ich gleich mit der lieben Corinna im Kuchenzelt teilen musste.

Übrigens sagt man der Bretagne nach, das man alle vier Jahreszeiten an einem Tag erleben kann. Das kann man auch von Radebeul behaupten, innerhalb weniger Minuten konnte sich die wärmende Sonne mit Starkböen und Hagelschauer abwechseln. Man wurde quasi sandgestrahlt. Und man war wieder nass. Und es hörte nicht auf…

Vermutlich gegen 12:00 Uhr ging dann meine persönliche Sonne auf. Isabell @laufspatz und ihr Mann waren plötzlich aufgetaucht um nach dem Rechten zu sehen. Isa, die ich in Rodgau auf ihrer letzten Runde begleitet hatte, supportete jetzt uns. Ein wirklich feiner Zug von ihr.

Da das Rennen aus 100 Runden besteht, muss einer der Teilnehmer 1 Runde mehr laufen (33+33+34=100) und da weder André noch Daniel in der Laune (Verfassung) waren dieses zu tun habe ich mich „bereit“ erklärt. So gingen erst Daniel, dann André auf ihre letzte Runde und man sah ihnen ihr Glück an, es geschafft zu haben. Dann waren meine letzten Zwei Runden dran. Es hieß weiter Tempo aufrecht erhalten, die nächst Platzierten hingen uns schon die letzten Stunden/ Runden im Nacken. Und wieder schoss der Graupel ins Gesicht. Mit nasser Brille, immer eine Hand am Geländer lief ich meine zweitletzte Runde und kämpfte mich hoch zum Wendepunkt. Dann kam sie: meine letzte Runde. Nein ich habe sie nicht wirklich genossen, ich war müde, lustlos, bedankte mich aber trotzdem herzlich und per Handschlag bei den THWlern am Wendepunkt, die die ganze Nacht dort ausharrten und zum Glück nichts zu tun hatten.

Am Anfang der Treppe sitzt das „Treppenmaskottchen“ Clara, ein Mädel welches dort wohnt und seit jeher und ein kleines Sträußchen und die Medaillen an die Teilnehmer verteilt, die es geschafft haben. Ich bekam lobende Worte und ein Lächeln. Es ist wirklich alles so liebevoll in diesem Rennen arrangiert.

Mit meinen Sträußchen und drei Medaillen um den Hals klimperte ich wie eine Almkuh die Steigung hoch und oben nahmen mich applaudierend meine zwei KCHNCRW Buddies in Empfang. Wir liefen gemeinsam ins Ziel und waren stolz und glücklich. Und k.o. Und stolz. Und Glücklich. Gemeinsam hatten wir es geschafft. Nach 14h 18min waren wir am Ziel und hatten die Höhe des Mt. Everests erklommen. Die ganzen Gefühle und Bilder werden wohl noch einige Zeit in meinem Kopf umher schwirren.

Umgezogen verabschiedete ich mich von meinen Jungs und setzte mich gegen 15:00 Uhr wieder ins Auto um die 500km heim zu fahren. Sehnlichst erwartet von Nina, meiner Frau und meinem Bett :-).

 

Was bleibt zu sagen: Wer sich mal auf etwas Dummes einlassen will, ist beim METM bestens aufgehoben, Top Orga und grandioses Wetter machen die Veranstaltung aus. Vielen Dank an alle die da waren, die ich vergessen habe zu erwähnen, die applaudiert, angefeuert und supportet haben. Danke Ulf und Maty!! Und besonderen Dank an Euch beide: André und Daniel!! Das nimmt uns keiner mehr. Egal wie das Leben wird, dieses Abenteuer bleibt in unseren Herzen. Und die alle „#bekloppt Messlatte“ haben wir drei wieder ein bisschen höher geschraubt.

Ich geh mal grinsen!

 

Round and round and round

Es war also wieder soweit: nach meinem erfolgreichen Einstand 2016 bin ich auch dieses Jahr der Einladung von Chef Organisator Christian Pflügler nachgekommen mich an den 6h in Münster zu versuchen. Kleiner Nebeneffekt der diesjährigen Ausgabe: es war die offizielle deutsche Meisterschaft im 6h Lauf. Ha! Und ich mitten drin…

Samstag morgen bin ich also zeitig Richtung Münster gefahren, etwas außerhalb auf einem (ehemaligen?) Kasernengelände sollte der Lauf stattfinden. Ein Rundkurs von 5085m hieß es so oft wie möglich zu bewältigen. Die Organisation der Startnummernausgabe war reibungslos und ich holte auch die Nummer für mein mitlaufendes Crewmitglied Thomas @running-podcast ab und wir trafen uns etwas später zum Plausch am Parkplatz.

Ich muss mir kurz Luft verschaffen: da kommen Ultras aus Nah und Fern zu einem 6h Lauf, jammern, das die Startnummernausgabe so schrecklich weit abseits liegt und das die Wege so weit sind. Hand -> Kopf.

Davon unbeirrt genossen Thomas und ich den Trubel und freuten uns auf einen wunderbaren Tag. Die Sonne lachte von einem klaren wolkenarmen Himmel, es sollten 12 Grad Celsius werden, somit tolle Bedingungen.

Punkt 10 Uhr fiel der Startschuss und unser Lauf begann. Wir orientierten uns in den mittleren Bereich des Feldes, welches sich schnell auseinander zog, so das man in sein eh zu schnelles Tempo fand.

Wir überholten und wurden überholt- Ein besonderer Moment: eine Bekannte von Thomas feierte dort ihren Junggesellinnenabschiedslauf. Mit rosa Shirts und Herzchenballons machte sich ihre Delegation auf in den Lauf.

Die ersten Runden spulten Thomas und ich locker runter, redeten über Gott und die Welt, genossen einfach den Tag, wurden von den Führenden das erste Mal überrundet und hatten Spaß. Nach Vier Runden kamen wir an der Countdown Uhr im Zielbereich vorbei und mir gelang ein mentales Husarenstück: Die Uhr zeigte noch 3h 57min XXsek und ich sagte zu Thomas: jetzt noch ein Berlinmarathon und dann sind wir auch schon zu Hause. Dass das bei diesem Tempo nicht möglich war, war klar; zeigt aber erstmals auf das es sich hier nicht um ein Rennen mit einem metrischen Ziel handelte sondern ein „Kampf gegen die Uhr“ und das Gefühl das wir noch einiges vor hatten.

Auf einem Rundkurs dieser Länge erkennt man nach einiger Zeit die fleißigen Helfer wieder und freut sich darauf und motiviert sich von VP zu VP. Ein ganz besonderer war Thomas @lennetaler aus meiner Crew der sich als offizieller Helfer beworben hatte, weil Christian Pflügler händeringend nach diesen gesucht hatte. Thomas´ Argument, das er schon so oft von dem Support profitiert habe und er endlich mal etwas zurück geben wollte. TOLL!! Somit bestritt Thomas seinen ersten Ultra im Bananen und Müsliriegel zerteilen 😉

Die Verpflegung war nicht angemessen sondern mindestens 4*e tauglich. Neben Cola, Wasser, Iso, Kräutertee, gab es Salzstangen, Erdnüsse, unterschiedliche selbstgebackene (vegane) Kuchen, Pizza, Schinkenbrötchen, Käsewürfel, Cabanossi, Salzlakritz, Stullen mit Erdnussbutter und Nutella, Plätzchen und immer ein Lächeln der vielen Helfer. DANKE EUCH!!!!

Der Lauf selbst fing an sich zu ziehen. Wir wurden beide stiller und konzentrierten uns darauf den anderen zu stärken und zu helfen. Mittlerweile wusste man wo die zwei Krokusse am Wegesrand standen wie viele Ponys der Nachbar auf seinem Grundstück hatte und was sonst so um uns herum passierte.

Und dann ging mal wieder die Sonne auf: Nach 45km lachten mich die Augen meiner Frau und einer gemeinsamen Freundin an. Es gab einen Kuss auf die Wange, etwas Aufmunterung und gute Worte und ich freute mich das sie da war(en). Gehofft hatte ich es, jemals gewagt es vorab auszusprechen nicht. So machten sich Thomas und ich uns neu motiviert auf die 10 Runde. Immer mit der Devise: Marathon ist Pflicht, in die Wertung der dt. Meisterschaft ab 45km ein Muss, 50km wären toll und alles andere wäre dann Bonus.

Ich muss für mich sagen das es doch schon ganz schön anstrengend wurde. Dieses Jahr  bin ich 3x 35km gelaufen als jeweils langen Lauf gelaufen. Nicht wirklich ideale Voraussetzungen für einen 6h Lauf. Um so glücklicher bin ich, das Thomas und ich uns letztendlich auf ca. 54km gepusht haben.

Im Ziel das obligatorische Finisherbier, eine Medaille um den Hals und mit guten Gefühl den „Scheiss gerockt zu haben“ genossen wir unseren Triumph. Und die Sonne lachte dazu. Ein toller Lauftag ging zu Ende.

Ein kleine Anekdote noch: unterwegs sprachen wir davon das wir gerade in einer anderen Welt waren: hier die Ultraszene, bei der 50km laufen eher unbedeutend sind und jeder mindestens einen kennt und der schon viel verrückteres gemacht hat. Und da draußen in der „normalen“ Welt wo man als Spinner abgetan wird, weil man 50km gelaufen ist. So ist Sport…

Ich genieße heute den Sonntag, mit Dauergrinsen, glühenden Füßen und der Genugtuung etwas fettes geleistet zu haben.

…weiter geht’s im Laufkarusell!

In eigener Sache

Wer meint das Leben sei langweilig, darf gerne einige Tag zu mir zu Besuch kommen. Hier ist gerade nichts langweilig:

Menschen trennen sich, Menschen verlieben sich, Menschen öffnen sich, Menschen feiern sich, Menschen sterben, Menschen opfern sich, Menschen erkranken, Menschen trauen sich, Menschen haben Ängste, Menschen leben.

Zu all dem könnte ich jetzt en Detail Stellung beziehen, aber ich denke jeder von euch findet in den oben genannten Situationen sich oder andere wieder.

Dieses ist ein kleiner Appell an das Leben. – In meinem Falle hatte ich mir Mitte Dezember 2016 vorgenommen, meinen Mauern und Schutzwälle einzureißen, mich weniger hinter ihnen zu verstecken, das Leben intensiver zu gestalten und mich ein Stück weit zu öffnen. Der Januar war krass und der Februar folgt ihm auf Schritt und Tritt. Es ist nicht immer rosig, antastbarer zu sein. Ja im Laufe eines Tages durchlebe ich aktuell Gefühlsschwankungen der heftigen Art: von Weinen aus Traurigkeit bis Rührung, von Lachen vor Glück, von Wärme aus Liebe und Dankbarkeit. Ich hoffe diese Achterbahnfahrten relativieren sich im Laufe der Zeit wieder. Es ist rasant…

Ich hätte nie gedacht, das ich mich so zeigen kann, offen(er) über meine Gefühle schreibe und spreche aber es ist einfach ein tolles Gefühl so intensiv zu leben. Und ich fordere Euch auf, Euch auch (wenn auch nur ein kleines Stück) zu öffnen. Niemand muss die tiefsten Ängste und Nöte, jegliche Empfindungen über die social media Kanäle blasen. Die gehören da eh nicht hin. Die gehören endlich mal! real gesagt am Küchentisch, bei einem Kaffee oder auf einer Parkbank in der Sonne.

Wenn Ihr jetzt einen Schritt auf die Menschen zu macht, werdet ihr feststellen, das es dort draußen so viele gibt nur darauf warten das man sich zeigt. Sie kommen hinter ihren Mauern hervor und leuchten und strahlen, eventuell auch nur für einen Augenblick. Das ist dann das Glück was man spürt. Und wenn es nur die dankbare Oma, die gestresste Kassiererin, die Büroreinigungskraft ist… Wenn man den Menschen achtsam begegnet, mit Respekt, nachfragt und lauscht, wenn man sie einfach nur ehrlich anlächelt wird man fantastische Sachen erleben. Nur zu, es gar nicht so schwer!

In diesem Sinne, geht raus und macht die Welt ein klitzeklitzekleines Stückchen besser. Vielleicht steckt ihr damit sogar jemanden an!

Danke für Eure Zeit

 

 

Rodgau, mein Rodgau

Es war also mal wieder so weit. Dieses ominöse Rodgau stand auf dem Plan. Vor einem Jahr habe ich dort meine Ultrapremiere erlebt, bin das Erste Mal überhaupt weiter als die Marathondistanz gelaufen. Der Hammer. Was war ich stolz…

Und diese Jahr? Abermals durch einen Rundkurs quälen? Hallo? Bestimmt nicht. Also schmiedete ich einen grandiosen Plan: Ich beschloss einfach nur Fan vom #Twitterlauftreff zu sein. Anzufeuern, motivieren und vielleicht die letzte Runde mit jemanden gemeinsam zu laufen der sich gerade quält. So der Plan…

Es kam wie eigentlich immer bei meinen Plänen etwas anders. Tage zu vor hatte mich Nina @la_loupina gefragt ob ich mit ihr 3 oder mehr Runden in ihrem noch postoperativen Bummeltempo laufen wolle. Das konnte ich natürlich nicht ausschlagen. Also kamen die Laufsachen doch ins Auto…

Frederic @lexusburn, Thomas @running_podcast und ich trafen uns Freitag Nachmittag und fuhren zuerst zu Freunden, eine 1/2h entfernt von Rodgau, um dort unser Nachtlager aufzuschlagen und dann weiter zur #Twitterlauftreff Pastaparty die Michael @MagicMike2311 wieder dankenswerter Weise organisierte. Zu 25 Leuten, alle bestens gelaunt und Vorfreude auf den Lauftag genossen wir das, was die Speisekarte hergab. Ein toller Abend mit vielen klasse Personen, teilweise unbekannt, doch überwiegend persönlich bekannt war es ein großes Hallo…

Der Morgen begrüßte uns in Frederics Auto mit fröhlichen -8,5 Grad. Au Backe!! das konnte heiter werden. Wir fuhren also los, parkten, ich zog mit meinem extra für diese Veranstaltung gekauften Pavillion los, um ein standesgemäßes Headquarter zu errichten. Frederic und Thomas besorgten mir meine Startnummer. Zwischenzeitlich ergaben sich immer wieder neue Konstellationen mit wem ich den laufen oder gehen könnte. Frederic und ich witzelten, das wir eigentlich 15 Runden benötigen würden, um allen Gerecht zu werden.

Punkt 10:00 Uhr ertönte die Startfanfare und ca. 1000 stark vermummte Ultrabekloppte zogen von dannen. Einer der Letzten war Sven @svnkswttr, der sich einige Tage vor Rodgau so verletzte, das er nicht laufen konnte. Aber doch gehen. So gingen Johannes @werwolftamer, Karo, die Freundin vom @_ Trailtiger, Sven und ich die erste Runde. Er genoss es. Wir genossen es.

Toll!

Nach 2,5km wurden wir von den ersten Führenden überrundet. Unfassbar wie schnell ( wie langsam wir) die waren. Gegen Ende unserer ersten Runde fegte auch Isabell @laufspatz an uns vorbei. Ich hatte mir ihr vorab gesprochen das auch wir eine Runde laufen wollten. Also schmiss ich Jacke und Handschuh davon und ballerte mit Isabell durch Runde 2.

Toll!!

An unserem Headquarter angekommen traf ich weitere laufverrückte Nichtmitläufer tratschte, quatsche und jubelte zu.

Und dann zog Nina @la_loupina, gebeutelt von Ihrer noch fast frischen OP an uns vorbei. Und ich hing mich dran. Deutlich langsamer und entspannter ließen wir uns treiben und redeten über Dinge 😉 Es war eine schöne Runde, hatte ich Nina doch quasi genau vor einem Jahr auf dieser Strecke kennen und schätzen gelernt.

Toll!!!

Ich wartete wieder und traf mich derweil mit Katrin @katitria, die leider Bronchitis geschwächt auch nicht mitlaufen konnte aber ihren Freund Holger @runfirefight auf der Strecke zujubelte. Naja. Als Holger so daher kam, merkte man ihm schon an, dass das heute kein Spaß für ihn war. Also hing ich mich an ihn dran und lief mit ihm seine letzte Runde (30k) und lenkte ein wenig ab. Wir redeten über Männerspielzeuge in allen Größen und Facetten.

Toll!!!!

Ich kehrte abermals ins Headquarter. Und kaum später zogen Bert @trailgrip und Isabell im Schlepptau vorbei. Isabell deutlich unentspannter als in Runde 2, Bert immer noch das blühende Leben. Ich vereinbarte kurzer Hand, ihre letzte Runde mit zu laufen und sie ins Ziel zu begleiten. Was eine Runde später dann passierte war der Kracher: wie konnte Isabell noch so schnell laufen, so fit und brutal zu sich selbst sein und ein Tempo angehen, wo mir das Reden schwer viel. Wir ballerten wie die Wahnsinnigen durch ihre letzte Runde und Isabell war in 04:20:26 im Ziel, was ihr ein Podiumsplatz in ihrer Altersklasse einbrachte. Ihr brachte ihr noch Tee als der Christian @_trailtiger an uns vorbei lief, mit dem ich ja auch eigentlich laufen wollte.

Puh, nicht mehr so toll!!!!

Aber was soll´s, Christian war noch ein paar Sekunden schneller als Isabell unterwegs und an reden war schon lange nicht mehr zu denken. Ich wollte ihm doch Gesellschaft leisten, statt dessen zog er mich fast mehr durch die Runde, Heidewitzka, war das kein Spaß. Aber wir fegten durch die Wälder und wir liefen gemeinsam in sein Ziel. Ganz schön hart.

Puh, nicht mehr toll! Wirklich!!!! Was die für Tempo können. Respekt!

Abermals am Headquarter angekommen passierte Unglaubliches: Nina immer noch unterwegs war in ihrer neunten Runde. Sollte Sie diese Runde wirklich noch vor Zielschluss nach 6 Stunden schaffen, wäre sie weiter in der Wertung und dürfte ihre letzte Runde auch noch laufen. Also hing ich mich an sie und gab mein möglichstes sie davon zu überzeugen, wie herrlich sinnfrei ihr Tun sei und das es eine große Ehre wäre, unter der Cutoff Zeit das Ziel zu erreichen. Wir schwiegen. Gaben uns die Hand. Nina biss und kämpfte. Aber sie schaffte es und kam 15min vor Cut off rein und ihre Familie geleitete sie auf ihre letzte Runde.

Unglaublich Toll!!!!

Ich drückte also meine Uhr, mit dem ganzen Hin und Her kam ich auf 37 glückselige Km. Ich habe heute so viele Menschen glücklich gesehen, Menschen die gekämpft haben, Menschen deren Augen leuchteten. Das wird mir noch lange in Erinnerung bleiben. Und nicht zuletzt die unfassbar gute Zeit von Thomas mit 04h41 (-13Minuten zum letzten Jahr) und Frederics klasse 35 km nach so viel Verletzungspech. Das Ultra Debut von Svens Freudin Elli @lauf_lou unter 6 Stunden, der brutal starke Wille von Nina und der grandiose Podiumsplatz von Isabell.

Man muss nicht Ultra laufen um Ultra glücklich zu sein. Heute war ich es. Ein grandioser Tag! Danke und Chapeau Euch Allen!!!